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FORTMEIER M 2002
Scharfschützengewehr im Test

FORTMEIER M 2002 mit dem taktischen IOR-Linie, dem „12-52 x 56 Terminator“

Der Zylinderverschluss des Einzelladers M 2002 schiebt ungewöhnliche Patronen ins Lager - mit einem noch ungewöhnlicheren Zündhütchen. Wir haben das außergewöhnliche Scharfschützengewehr für Sie auf bis zu 500 Meter Distanz bei VISIER getestet.

Christopher Hocke, Andreas Skrobanek / Fotos: Michael Schippers

Nicht nur Obst braucht Zeit, um zu reifen, sondern auch mancher Einzellader. Das Modell 2002 von HEINRICH FORTMEIER entstand schon vor zwölf Jahren als Nachfolger eines Geradezuggewehrs. Ursprünglich nur für die Patrone .50 BMG vorgesehen, gibt es den 2002 eingeführten Einzellader inzwischen in elf Kalibern. Neben .308 Winchester, .300 Winchester Magnum, .338 Lapua Magnum und .50 BMG kann der Käufer sich auch für exotische Kaliber wie 9,5 x 70, .338 Norma Magnum, .375 Snype Tac, .375 Tyr, .408 Chey Tac, .416 Tyr oder .460 Steyr entscheiden. 

Schon dieser Umstand macht das M 2002 zu etwas Besonderem. Das sollte sich auch in diesem Artikel widerspiegeln. Deshalb prüften die VISIER-Tester das Gewehr nicht nur in .308 Winchester, sondern auch in 9,5 x 70 mm und .375 Snype Tac alias .375 Snipe Tac.


Horst Grillmayer: Der Experte für Munition

Möglich wurde dies erst durch die Zusammenarbeit von Waffenbauer HEINRICH FORTMEIER mit dem  Munitionsexperten HORST GRILLMAYER, dem Zündhütchenhersteller GINEX aus Bosnien-Herzegowina, dem italienischen Ballistik-Experten und Forensiker Gianluca Bordin, den Hülsenherstellern PRVI PARTIZAN aus Serbien sowie HORNEBER aus Nürnberg. Denn das Präzisionsgewehr sollte schließlich auch mit Wildcat-Patronen wie 9,5 x 70 gute Ergebnisse bringen. 

Und da gab es ein Problem: HORST GRILLMAYER erkannte, dass die marktüblichen Large-Rifle-Magnum-Zündhütchen langsam brennende Pulver in den großvolumigen Hülsen mancher Wildcats nicht sonderlich gut zünden. Deshalb versuchte sich der Munitionsexperte an einem neuen, leistungsstärkeren Zündhütchen. Zusammen mit dem Hersteller GINEX entstand so das 6,5 mm Extra Large Rifle Magnum, kurz: XLRM. Dank seiner höheren Zündmasse entwickelt es einen größeren und heißeren Zündstrahl. Eben den benötigen Weitschusspatronen wie .375 Snype Tac, .375 Tyr oder .408 Chey Tac für ein sicheres und gleichmäßiges Anzünden. Für die Neuheit gab es allerdings noch einen Grund: Die leistungsstarken Zündhütchen der Patrone .50 BMG kamen als Alternative nicht in Frage, weil der Stoßboden für Kaliber wie .408 Cheyenne Tactical einfach zu klein ist.


Modul-Kunst: Take-Down Konzept mit unterschiedlichen Läufen

Das einschüssige M 2002 ist als Take-Down-Waffe konzipiert und lässt sich schnell und ohne Werkzeug in vier wesentliche Teile zerlegen. Für einen Kaliberwechsel muss der Schütze nur zwei der vier Teile austauschen: den Lauf sowie den Verschluss. Alle anderen Komponenten bleiben dieselben - das gilt für alle elf Kaliber von .308 Win. bis .50 BMG. Der Umstieg auf ein anderes Kaliber gestaltet sich daher nicht nur einfach, er dauert auch nicht länger als ungefähr eine Minute.

Die brünierten Heym-Läufe für die drei Testkaliber weisen eine erstaunliche Länge auf:  Sie beträgt vom Patronenboden bis zur Laufmündung (ohne Bremse) für die Kaliber .308 Winchester und .375 Snype Tac stattliche 820 Millimeter. Für die 308er Version scheint dies beinahe etwas zu viel des Guten zu sein. Denn die gemessenen Mündungsgeschwindigkeiten zeigen, dass in diesem Kaliber derart lange Läufe kein Leistungsplus bringen - die Werte fallen ähnlich aus wie bei einem 650 Millimeter langen Rohr. Laut Auskunft des Geschäftsführers HEINRICH FORTMEIER liefert seine Firma auf Anfrage allerdings auch Läufe mit anderen Längenmaßen. 

Die .375 Snype Tac im Schuss. Das große Mündungsfeuer zeigt, dass die innenballistischen Werte noch nicht optimal sind.
Die .375 Snype Tac im Schuss. Das große Mündungsfeuer zeigt, dass die innenballistischen Werte noch nicht optimal sind.
Alle Läufe nehmen per M 22 x 1,5- Gewinde einen Mündungsfeuerdämpfer auf. Vor dem Dämpfer das neue 9,5 mm-Sierra-Match-King-Geschoss und eine Patrone .375 Snype Tac.
Alle Läufe nehmen per M 22 x 1,5- Gewinde einen Mündungsfeuerdämpfer auf. Vor dem Dämpfer das neue 9,5 mm-Sierra-Match-King-Geschoss und eine Patrone .375 Snype Tac.

Jeweils acht 270 Millimeter lange Kannellierungen auf der vorderen Laufhälfte verbessern in allen Versionen die Wärmeabgabe. Standard für alle drei Testkaliber ist außerdem eine aufgeschraubte Mündungsbremse, die aber eher einen Mündungsfeuerdämpfer darstellt: Die typischen Prallflächen für die Reduzierung des Rückstoßimpulses fehlen fast völlig. Ein O-Ring soll per Reibung das Losdrehen der Bremse verhindern - im Test klappte das sehr gut. 

Auch optisch harmonieren Feuerdämpfer und Lauf übrigens bestens, da die Außendurchmesser mit jeweils 28 Millimetern gleich groß sind. Auf halber Länge verschwinden die  Läufe völlig im Vorderschaft-Gehäuse. Das ist recht komplex aufgebaut, es besteht aus mehreren Komponenten. Patronenlagerseitig verschraubt FORTMEIER das Rohr mit einem massiven Verschlussblock. Auf der Vorderseite des Blockes findet sich ein Mantelrohr. Mantelrohr und Verschlussblock dienen außerdem als Montagebasis für die fünffach verschraubte, 550 Millimeter lange, sehr stabile Picatinny-Schiene. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt der als massiver Tragegriff ausgelegte Unterbau. Er nimmt über eine lange Führung sowie zwei Zentrierbohrungen den Hinterschaft auf. Vorn unterstützt ein Zweibein die Zielaufnahme. Die Beine des Bipods sind mit einem Rohrprofilstück verschraubt; dieses Teil sitzt auf dem Mantelrohr. Der Vorteil: Die Drehachse zum seitlichen Waffen-Ausrichten stimmt mit der Laufachse überein.

Deshalb verändert sich die Höhe beim Verschränken des Gewehrs nicht. Ein Klemmhebel sorgt bei Bedarf außerdem dafür, dass sich die Waffe nicht mehr kippen lässt. Das Zweibein lässt sich in sechs Stufen um insgesamt 90 Millimeter in der Höhe verstellen. Der Hinterschaft nimmt in einer Verschlussführungshülse auch den Verschluss auf. Auf Komfort legt der Hersteller auch an dieser Stelle Wert: Die Verschlusshülse ist per Stecksystem mit dem eigentlichen Hinterschaft verbunden und wird durch Drücken eines Schiebers freigegeben.

Der Hinterschaft der FORTMEIER M 2002
Der Hinterschaft der FORTMEIER M 2002
Das FORTMEIER M 2002 in 9,5 x 70 mit Kahles-Zielfernrohr 6-24 x 56, die .375 Snype Tac-Version mit IOR-Glas und das 308er System ohne Optik.
Das FORTMEIER M 2002 in 9,5 x 70 mit Kahles-Zielfernrohr 6-24 x 56, die .375 Snype Tac-Version mit IOR-Glas und das 308er System ohne Optik.
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