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IPSC Infinity Open 2015

Am Pfingstwochenende vom 22. bis 24. Mai schickten insgesamt 379 Schützen aus 22 Nationen mehr als 137.500 Projektile auf den insgesamt 19 Stages mit ihren 363 Wertungsschüssen in die Kugelfänge der allseits bekannten Schießsportanlage im baden-württembergischen Philippsburg. Und trotz dieser gigantischen Dimensionen präsentierte sich die Infinity Open auch in diesem Jahr organisationstechnisch von ihrer besten Seite. Die Leichtigkeit, mit der das Team rund um Patrick Kummer und Jürgen Öffner das Match jedes Jahr durchführt, lässt dabei fast vergessen, was für ein organisatorischer Großaufwand hinter einem Match dieser Dimension steckt. 

IPSC-Match: Kein Weg zu weit 


Nicht ohne Grund also, dass sich dieses Match für viele IPSC-Schütze in ganz Europa zu einem Pflichttermin im Kalender gemausert hat. Doch auch außerhalb hat das Match mittlerweile seine festen Anhänger, so dass Teilnehmer unter anderem aus USA, Kanada, Südafrika, Argentinien, Israel oder Russland gesichtet wurden. Neben einigen amerikanischen Spitzenschützen beehrten auch in diesem Jahr wieder unzählige europäische Top-Schützen die Matchveranstalter mit ihrer Anwesenheit und suchten den Schlagabtausch mit der Konkurrenz. So fanden sich unter anderem Namen wie Eric Grauffel, Chris Tilley, Saul Kirsch, Marina Guschina oder Angus Hobdell in der Starterliste. Natürlich durfte alles, was in Deutschland Rang und Namen hat, bei diesem hochkarätigem Match nicht fehlen. Es verwundert einen daher nicht sonderlich,  dass das Match wieder einmal in Rekordzeit ausgebucht war, der Server der Online-Registrierungsplattform hierbei an seine Belastungsgrenzen geriet und alleine mit der Warteliste ein zweites Match veranstaltet hätte werden können. 

Schützen-Squad beim Briefing durch den Range Officer. Nach einem trockenen Durchgang, dem sogenannten „Walktrough“, wird es dann Ernst. Die Schützen starten dann „im scharfen Schuss“ nach aufgerufener Reihenfolge.

Infinity Open: Unter- und Überforderung


Hinsichtlich der Parcoursgestaltung nahm die Infinity Open und auch ihr Vorgänger namens STI Open seit jeher eine Ausnahmestellung ein und bot Stages fernab des Üblichen. Hierbei wurde manchmal auch schon über das Ziel hinausgeschossen – man erinnere sich nur an die 40 Meter-Pendelscheiben in 2013. Jedenfalls haben sich die Veranstalter und ihre zahlreichen Helfer immer eine enorm große Mühe beim Design und der späteren Umsetzung gegeben. Hiervon macht die Infinity Open 2015 auch keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil. Denn jedenfalls nach Ansicht des Autors gehört das diesjährige Match in puncto Stages zu den besten Infinity Open bisher. 

Die Stages ließen sich flüssig schießen, riefen ein weites Feld an Schießfertigkeiten ab, der Schwierigkeitsgrad wusste zu überzeugen und zu guter Letzt boten sie obendrein jeden Menge Spaß. Dass der Autor mit seiner Meinung nicht ganz alleine dasteht, beweisen die unzähligen Glückwünsche zum gelungenen Match in den diversen sozialen Medien. Sicherlich strotzten die Stages nicht wie in den vergangenen Jahren vor Technik, weshalb sich der ein oder andere auch dazu hinreißen ließ, die diesjährige Ausgabe als einfach abzutun. Am Ende wollen aber auch Matches ohne Zirkuseinlagen sauber nach Hause geschossen werden und so kam häufig die Ernüchterung am Sonntagabend, dass das Match doch nicht so einfach war. Wie gesagt, für uns hat die diesjährige Infinity Open mehr als deutlich gezeigt, dass man ein tolles Match auch mit weniger Technik auf die Beine stellen kann.

Perfekte Parcours in der IPSC Infinity Open

Praxiserfahrung punktet: Matchorganisator Patrick Kummer in Action in der Classic Division, das Zuhause der traditionellen 1911er-Pistolen mit schlankem Griffstück für einreihige Magazine.

Nun aber zu einigen Highlights des diesjährigen Stagedesigns: Hervorzuheben ist etwa Stage 3. Ein Short Course mit 12 Schuss, bei dem die Raffinesse in zwei fahrenden Plates bestand. Nach dem Start musste zunächst die Waffe fertiggeladen und auf dem Weg zur vorderen Schießpositionen zwei IPSC Papierscheiben beschossen werden. Anschließend wurden durch einen IPSC Popper die zwei fahrenden Plates mit einem Durchmesser von 20 cm ausgelöst. Wer hier zur schnellen Sorte gehören wollte, beschoss jedoch nach dem Auslösen erst noch einen weiteren Popper sowie zwei Papierscheiben. Für den Fall, dass die Plates während der Fahrt nicht getroffen wurden, konnten diese am Ende ihrer Fahrtstrecke noch einmal durch ein weiter vorne gelegenes, tiefes Fenster nachgeschossen werden.

Gregory Midgley eroberte im Kampf um Millisekunden und Prozentpunkte den dritten Rang in der Standardklasse.

Besonders einfallsreich war auch Stage 11, ein Medium Course mit 22 Schuss. Denn um die Schützen dazu zu nötigen, einhändig zu schießen, wurde eine Seilstrecke unter den Hochblenden befestigt, an der eine Handschlaufe geführt wurde, welche während der Schussabgabe fest mit der schussschwachen Hand gehalten werden musste. Zudem mussten die einzelnen Schießpositionen noch entlang eines geschlungen, erhöhten Steges angelaufen werden. 

Richtiges Timing war hingegen bei den Stages 8 und 15 gefragt. Bei Stage 8, einem Medium Course mit 21 Schuss, wurden über zwei am Boden liegende Druckplatten sowie einen Popper auf- und abtauchende Papierscheiben sowie Stahlscheiben an drei verschiedenen Positionen ausgelöst. Stage 15 war ebenfalls ein Medium Course mit 24 Schuss, aufgebaut auf einem der großzügigen 50 Meter Stände. Hier galt es, in den ersten beiden Schießpositionen jeweils zwei sogenannte "Bear Traps" erfolgreich zu meistern. Ausgelöst durch einen Popper, klappten zwei Strafscheiben (No-Shoot Scheiben) kurz zur Seite weg und gaben die dahinterliegenden Wertungsscheiben frei. Wer es nicht schaffte, innerhalb dieses durchaus  sportlichen Zeitfensters die vier Treffer zu platzieren oder gar mit einer Störung zu kämpfen hatte, musste jedoch nicht unweigerlich Fehlschüsse in Kauf nehmen, da jeweils ein schmaler Streifen der Wertungsscheiben sichtbar blieb. 

Classic-Champion: US-Amerikaner Brent Lorton gewann die Classic Division.

Doch die Infinity Open 2015 stellte nicht nur die bloßen Schießfertigkeiten auf den Prüfstand, denn bei Stage 4 war obendrein das Gedächtnis gefragt. Bei diesem 22 Wertungsschüsse umfassenden Medium Course waren die insgesamt zehn Papierscheiben und zwei Popper zum Teil aus mehreren Schießpositionen mehrfach, zum Teil jedoch nur aus einer bestimmten Position sichtbar, so dass es für ein gutes Ergebnis entscheidend darauf ankam, mit möglichst wenig anzulaufenden Positionen alle Ziele beschießen zu können. 

König aller Klassen – die Siegerehrung

IPSC Infinity Open Siegerehrung

Am frühen Sonntagabend fanden nach insgesamt drei spannungsgeladenen Tagen Schießspaß pur die Siegerehrung sowie die Verlosung der zahlreichen Sachpreise statt. Höhepunkt war wie gewohnt die Verlosung der vom Matchsponsor Infinity Firearms zur Verfügung gestellten Pistole, über die sich am Ende der Range Officer Michael Enkel freuen durfte. 

Zu den übrigen Sponsoren zählten die Firmen HB-Q (Heribert Bettermann – Qualitätswaffen aus Deutschland), totalgrip, Eric Grauffel, Tanfoglio, IPSC Target Shop, Hornady, Double-Alpha Academy, ATLAS-Taktik, Drummen Custom Guns, Waffen Zickgraf, Reload Swiss, Novikombank, Photopsia.de, Büchsenmacherei Prommersberger, Zwyer Caviar, Champagner Perrot. 

Frankreichs Feinster: Das Ausnahmetalent Eric Grauffel dominiert jede Waffenklasse, in der er mitmischt. Er gewann mit seiner Tanfoglio Limited Custom Extreme über 12 Prozent Vorsprung souverän die Standardklasse.

Scheinbar gibt es für den mehrfachen Europa- und Weltmeister Eric Grauffel aus Frankreich keine Grenzen beziehungsweise keine Waffenklasse, die er nicht nach Belieben beherrschen kann. Nachdem er fast ungeschlagen von der Open Division ebenso erfolgreich in die Production Division wechselte, treibt er neuerdings sein Unwesen in der Standard Division und sorgt auch hier dafür, dass die Matchprozente seiner Konkurrenten gehörig schmelzen. So ging der Sieg in der Standard Division überdeutlich mit 12,39 % Vorsprung an Eric Grauffel vor dem Ungarn Gyorgy Batki (87, 61 %) und dem deutschen Standard-Spezialisten Gregory Midgley (86,79 %). 

Tschechischer Topschütze: Miroslav Zapletal sicherte sich den Sieg in der obligatorisch am stärksten besetzten Production Division der "Dienstpistolen" in 9mm Luger.

In der mit 136 Startern teilnehmerstärksten Production Division ging der 1. Platz an Miroslav Zapletal, gefolgt von Gaston Quindi Vallerga (96,86 %) und Indizio Davide (95,05 %). Stephan Lehmann wurde mit 85,47 % auf Platz 11 bester deutscher Teilnehmer in der Production Division. Hervorzuheben ist ferner noch der vierte Platz Overall von Maria Gushchina in der Production Division, die damit souverän mit mehr als 14 % Vorsprung vor der Schweizerin Christine Burkhalter die Ladies Category gewonnen hat.

Hab Acht: Der deutsche Revolverheld Sascha Back, hier mit seinem Smith & Wesson Modell 929 mit acht 9x19-Patronen in der Trommel in Aktion, ist schwer auf Erfolgskurs unterwegs.

Von der teilnehmerstärksten zur kleinsten Waffenklasse in Gestalt der Revolver Division. Hier scheint Sascha Back derzeit wirklich einen Lauf zu haben, da er sich nach Siegen bei der Munich Open und dem European Steel Challenge nun auch über den Gewinn der Revolver Division bei der Infinity Open freuen durfte. Ebenfalls deutlich mit 12,81 % Vorsprung siegte er vor Günter Knaus (87,19 %) und Markus Pack (85,39 %). Offensichtlich hat sich für Back der Wechsel auf den Smith & Wesson 929 mit acht 9x19-Patronen in der Trommel bezahlt gemacht. 

Chris Tilley gewann die Offene Klasse mit seiner hochgezüchteten "Full House Race Gun".

Nachdem in der Standard, Production und Revolver Division europäische Schützen siegreich waren, schlugen in der Open und Classic Division die US-Boys zurück. So siegte in der Open Division der Top-Schütze Chris Tilley vor Saul Kirsch (96,42 %) und Emile Obriot (95,51%). Bester Deutscher wurde Christian Wilda mit Rang 7 und 87,16 %.

In der erfreulicherweise mit 24 Schützen recht stark vertretenen Classic Division konnte sich der Amerikaner Brent Lorton nur knapp gegen den Norweger Steinar Haugli (99,05 %) und dem Autor mit 97,95 % behaupten. 

Die Top 5 der IPSC Infinity Open 2015

OpenProductionStandardClassicRevolver
Chris Tilley (USA)Miroslav Zapletal (CZE)Eric Grauffel (FRA)Brent Lorton (USA)Sascha Back (GER)
Saul Kirsch (NED) 96,42%Gaston Quindi Vallerga (ARG) 96,86%Gyorgy Batki (HUN) 87,61%Steinar Haugli (NOR) 99,05%Günther Knaus (GER) 87,19%
Emile Obriot (FRA) 95,51%Indizio Davide (ITA) 95,05%Gregory Midgley (GER) 86,79%Marijan Loch (GER) 97,95%Markus Pack (AUT) 85,39%
Remy Deville (FRA) 92,98%Maria Gushchina (RUS) 92,91%Ralf K. Jensen (DEN) 82,38%Julien Boit (FRA) 95,97%Bramwell Zürcher (SUI) 83,21%
Frank Witters (BEL) 89,38%Saulius Ivaskevicius (RUS) 91,90%Oliver Damm (GER) 81,77%Angus Hobdell (USA) 95,59%Hans-Jörg Käsberger (GER) 78,74%
Volles Haus mit guter Laune: Schnappschuss von der Siegerehrung



Hinweise:


Die kompletten Ergebnisse finden Sie unter: www.ipscmatch.de

Erstklassige Bilder von Stefan Föll vom Match können Sie hier sehen: www.facebook.com/photopsia.de.

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