Die Ursprünge dieses Sports haben eine traurige Geschichte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in Mexiko, dem Geburtsland des Silhouetten-Schießens, lebende Tiere angebunden, um auf makabre Art die Schießkünste des Guerilla-Kommandanten Pancho Villa und seinen Leuten unter Beweis zu stellen. Leider fand diese Art der „Fleischbeschaffung“ in Mexiko viele Nachahmer. Das änderte sich glücklicherweise ab 1948, als man begann die lebenden Tiere durch Stahlziele in Tierform („Siluetas Metalicas“) zu ersetzen. 1962 schwappte diese Art des Schießens auch in die USA über und wurde durch die dort bestehende Waffenkultur populärer. Seit 1992 wird dieses ungewöhnliche wie abwechslungsreiche Schießen mit Kurz- und Langwaffe von der IMSSU (International Metallic Silhouette Shooting Union) in 26 Ländern, darunter auch Deutschland, vertreten. Richtig populär ist das Silhouetten-Schießen aber nie geworden. Das dürfte zum einen an den geforderten Schießfertigkeiten als auch an mangelnden Schießständen liegen. Mit der Kurzwaffe wird international aus dem liegenden Anschlag auf dem Rücken mit angestrichener Waffe am Unterschenkel geschossen; exotische Anschlagsarten, die Namen wie „Creedmoor“ oder „Dead Frog“ tragen. Zudem kommen leistungsfähige Revolver oder spezielle und oftmals teure Repetierpistolen in Gewehrkalibern zum Einsatz. Bei Langwaffe sind international sogar Schießentfernungen bis 500 Meter möglich, die zudem stehend frei zu meistern sind. Somit ist das internationale Silhouetten-Schießen sicherlich ein sportlich wie technisch interessantes Betätigungsfeld, das aber nur von einigen Enthusiasten wahrgenommen wird.
Die schießsportliche Disziplin Silhouette beim BDS in Deutschland


Der zweitgrößte, stetig expandierende deutsche Schießsportverband Bund Deutscher Sportschützen 1975 e.V. (BDS) hat das Silhouetten-Schießen schon seit vielen Jahren im Sporthandbuch fest verankert. So nehmen deutsche Schützen auch an internationalen Wettkämpfen im Ausland teil. Im Sporthandbuch findet sich aber auch ein nationaler Teil, um den es in den nachfolgenden Zeilen gehen soll. Hier finden sich unter anderem die Stahlziele auf Distanzen bis 50 Meter wieder. Auf der DM in Philippsburg begannen die Schützen mit dem kleinen Huhn bei 25 Meter, das Schwein folgte bei 33 Meter, die langhalsigen Truthähne bei 42 Meter und der Widder mit seinen markanten Hörnern (Schnecken) bildete den Abschluss bei 50 Metern. Diese Zielentfernungen bleiben auch für die Kleinkaliber-Fraktion erhalten, die aber auf maßstabsgerecht verkleinerte Stahlzielmedien agiert. Ob Groß- oder Kleinkaliber, die Wertung ist einheitlich. Auf jeder Entfernung stehen fünf Ziele, die mit jeweils nur einem Schuss beschossen werden dürfen. Die Wertungstreffer innerhalb der vorgeschriebenen 2½ Minuten werden deutlich angezeigt, indem die stählernen Tiere ganz oder teilweise von der Brüstung fallen. Dieses reaktive Schießen vermittelt nicht nur einen ungemeinen Spaß, sondern macht es für Mitbewerber und Zuschauer möglich, den Erfolg oder Misserfolg unmittelbar zu erkennen. Die Stahlziele werden danach von den Schützen wieder aufgestellt und der Ablauf wiederholt sich. Erst dann geht es zur nächsten Station, wo die nächsten Tierchen in der nächstgrößeren Entfernung warten. Schlussendlich kann man so auf ein Maximalergebnis von 40 Treffern kommen.


Was das Silhouetten-Schießen zudem noch praxisgerechter machen soll, ist die Anpassung der Waffenklassen. So gibt es sowohl beim Groß- als auch beim Kleinkaliber acht verschiedene Wertungsklassen. Diese unterteilen sich in Pistole oder Revolver jeweils mit mechanischer Visierung oder Optik und Repetiergewehre oder Selbstladegewehre in Kurzwaffenkaliber, und das alles noch einmal für Randfeuerkaliber. Dadurch haben Schützen des BDS-Standardprogramms die Möglichkeit, mit ihrem gewohnten Werkzeug am Wettkampfgeschehen teilzunehmen. Wer übrigens glaubt, bei Großkaliber muss es immer Magnum sein, um die Stahltiere vom Sockel zu fegen, der irrt. Bei einem guten Treffer fällt selbst der Widder auf der 50-Meter-Distanz noch mit einer 9 mm Luger. Wem 40 Schuss nicht genug sind, kann die Möglichkeit nutzen, in mehreren Klassen zu starten.

Das nutzten auch viele, sodass die 151 Teilnehmer auf insgesamt 447 Starts kamen, also rund drei Starts pro Schütze. Das macht rund 18.000 ausgewertete Schüsse, was verdeutlicht, warum die DM Silhouette auch über drei Tage im Philippsburg stattfand. Das Silhouetten-Schießen hat durchaus seinen gewissen Reiz und ist für alle interessant, die den präzisen Einzelschuss auf unterschiedliche Distanzen ohne Zeitdruck mit einem reaktiven Treffer lieben. Wer es einmal ausprobieren möchte und keine Stahltiere zur Hand hat, dem bietet der BDS auf seiner Homepage kostenlos die Papierziele als Download an. Wer dann Feuer gefangen hat, kann sich auf der nächsten Deutschen Meisterschaft einfach anmelden, eine Qualifikation im Vorfeld ist nicht notwendig. Das Startgeld ist zudem mit 20 Euro pro Start überschaubar. Die Auflistung der Ergebnisse in den einzeln Waffenkategorien und Altersklassen würde hier den Rahmen des Berichts sprengen, deshalb sei hier auf die Homepage des BDS verwiesen (siehe unten).
Dieser Artikel erschien auch in der caliber, Ausgabe 01/2025. Das komplette Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.
Weitere Informationen zur Disziplin Silhouette erhalten Sie auf der Webseite des BDS.










