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60 Jahre Waffenherstellung Davide Pedersoli


Pierangelo Pedersoli zeichnet den deutschen Gewinner eines Vorderlader-Wettkampfes aus

Die Geschichte der Fabbrica d'Armi Davide Pedersoli beginnt im Jahr 1957, vor genau 60 Jahren. Damals begann der Unternehmensgründer Davide Pedersoli (1924-1996) mit der Herstellung von Jagdgewehren: Bockflinten einer bestimmten patentierten Bauart und Zwillingsflinten.

1960 nahm er die Produktion von Vorderladern auf, die nach etwa zehn Jahren zu seinem wichtigsten Produktionszweig wurden.

Die Geschichte des Unternehmens Pedersoli

Was aber bewegte Davide Pedersoli dazu, sich den Replikawaffen zu widmen? Das erzählt uns sein Sohn Pierangelo, der aktuelle Präsident des Unternehmens:

Ein altes Portrait von Davide Pedersoli
Davide Pedersoli mit 36 Jahren, eine Bockflinte aus eigener Produktion mit parallelen Schlagbolzen und Demiblock-Läufen (1960 patentiert) in der Hand.
In der Produktionsabteilung
Maschinen und Mitarbeiter in der Produktionsabteilung von Pedersoli.

"Wie bei vielen Unternehmen war der Anfang sehr 'amerikanisch': Val Fogett, damals Präsident der Navy Arms Company, einem 1959 noch ziemlich neuen Unternehmen, kam mit einem Mitarbeiter nach Italien, um nach Fabriken zu suchen, die Waffen für die Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des Amerikanischen Bürgerkriegs herstellen könnten.

Mein Vater wurde zunächst damit beauftragt, einen Prototypen für ein Winchester-Gewehr zu bauen. Ich erinnere mich noch daran, wie er die Waffe herstellte und dann testete. Vor einigen Jahren habe ich das gute Stück bei einem Besuch in den USA übrigens wiedergefunden, und zwar bei einem damaligen Mitarbeiter meines Vaters.

Für meinen Vater war es damals allerdings noch etwas zu früh für große Investitionen, er war erst seit drei Jahren selbstständig und beschäftigte sich dann mit anderen Dingen wie Pistolen und Gewehren von Kentucky und vor allem mit den so genannten 'Powder Flasks', den Pulverfläschchen, die wir dann in großer Zahl für Kunden auf der ganzen Welt produzierten. In den folgenden Jahren brachte er weitere Lang- und Kurzwaffen auf den Markt, alles Vorderlader.

1973 wurde die Produktion traditioneller Jagdgewehre dann beendet, weil wir uns auf historische Vorderlader und Zubehör konzentrieren wollten, außerdem sollte das Sortiment an Pulverfläschchen erweitert werden. Diese stellten wir seit 1960 her, also etwa seit der Zeit, als das mit den Vorderladern losging."

Die Generation von Pedersoli
Die zweite und dritte Generation von Pedersoli: Pierangelo, sein Schwager Giovanni, die Cousins Stefano und Daniela.

Das Unternehmen ist immer noch ein Familienbetrieb, der zur Zeit von Pierangelo und seinem Sohn Stefano geleitet wird, mit tatkräftiger Unterstützung durch Pierangelos Schwager Giovanni und dessen Tochter Daniela. Sie sorgen unter anderem dafür, dass die nächste Generation des Hauses Pedersoli an das Metier herangeführt wird.


Handwerkzeuge auf dem Tisch
Endmontage der Waffen von Hand bei Pedersoli.
Bearbeitung eines Pistolenschaftes
Bearbeitung eines Pistolenschaftes von Pedersoli auf der Werkbank.

1982 begann die vollständig unabhängige Produktion: Alle Komponenten aus Holz und Metall für die Vorder- und Hinterlader wurden im Unternehmen produziert. Es gibt dafür unabhängige Abteilungen, die sich mit besonderer Sorgfalt jeder Komponente der einzelnen Waffen in den verschiedenen Herstellungsstadien widmen.

Zu den beiden großen Abteilungen für Läufe und Schäftung kommen dann die für die Herstellung kleinerer mechanischer Teile, Schrauben und Fläschchen, die ebenfalls mit CNC-Werkzeugmaschinen arbeiten. Dann gibt es Abteilungen für die Reinigung der Metallteile und die Montage der Waffen. Und natürlich dürfen auch die Lager für Halbfabrikate und Endprodukte nicht fehlen.

Die Läufe und Prototypen von Pedersoli

Produktionsabteilung
Die Abteilung zur Bearbeitung der Läufe bei Davide Pedersoli heute.

Das Zubehör ist noch einmal ein eigenes Thema. Dafür wurde eine eigene Abteilung gegründet: die USA (Universal Special Accessories). Seit den ersten Pulverfläschchen hat sie einen langen Weg zurückgelegt. Das Angebot an Zubehör ist in dieser Zeit immer größer geworden - alles für Vorder- und Hinterlader.

Davide Pedersoli hat inzwischen sogar einen eigenen Schießtunnel, um Trefferbilder zu ermitteln und Prototypen zu testen.

Mitarbeiter begradigt Hölzer
Bei Bedarf werden die Hölzer manuell begradigt.
Aneinandergereihte Läufe
Die Abteilung zur Bearbeitung der Läufe bei Davide Pedersoli heute.

Bei Studien und Analysen zu den einzelnen Entwürfen kommen moderne CAD-CAM-Systeme, Scanner und 3D-Drucker zum Einsatz. Diese Projekte werden im Unternehmen selbst entwickelt, so dass eine vollständige Sicherheitsprüfung aller Entwürfe gewährleistet ist. Die Qualitätsstandards werden ständig überprüft und bei Bedarf werden die Produkte schnell an die Anforderungen des internationalen Marktes angepasst.

Das Unternehmen hat 42 Mitarbeiter, die bei Davide Pedersoli und Pedersoli 2 (Schaftproduktion) beschäftigt sind. 92 % der Produktion gehen in den Export. Die wichtigsten Länder sind dabei die USA, Europa, Kanada, Australien, Neuseeland, Japan, Russland und die arabischen Staaten.

Ein wichtiger Schritt war auf jeden Fall die Gründung des italienisch-amerikanischen Unternehmens IFG (Italian Firearms Group) in den USA (genauer gesagt, im texanischen Amarillo). Sie kümmert sich exklusiv um den Vertrieb von vier Marken: Pedersoli, Fair, Sabatti und Tanfoglio. Insgesamt handelt es sich um eins der umfassendsten Sortimente in den Bereichen Jagd und Sportschießen und bei der Reproduktion historischer Waffen.

Computerbildschrim ud Maschinen
Moderne CNC-Maschinen ergänzen die Arbeit von Fachkräften.

Bei den Systemen zur Qualitätskontrolle kommen Ultraschall-Tests für die Läufe zum Einsatz, außerdem werden Widerstandsfähigkeit, Härte, Abmessungen und die Funktionsfähigkeit der Mechanik sowie die Produktionsstatistik kontrolliert. Die fertigen Vorderlader und für den Verkauf vorgesehenen Waffen werden dann einem abschließenden Test unterzogen.

Die Qualität bei Davide Pedersoli

Maschinenhallle
Die Maschinenhalle bei Davide Pedersoli heute.
Gelagertes Marterial
Die Abteilung zur Bearbeitung der Mechanik bei Davide Pedersoli heute.

Wie es die Gesetze zur Herstellung und zum Verkauf von Waffen vorschreiben, wird ein unabhängiger Test beim nationalen Prüfinstitut (Banco Nazionale di Prova) in Gardone Val Trompia (nach CIP-Normen) durchgeführt. Der Pflichttest für alle Feuerwaffen - Vorder- oder Hinterlader - ist gewissermaßen die am höchsten qualifizierte aller Produktabnahmen.

Qualität ist für Davide Pedersoli von fundamentaler Bedeutung. Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang einmal auf das Ergebnis einer Kundenzufriedenheitsstudie zu verweisen, die als Abschlussarbeit in Wirtschaftswissenschaften erstellt wurde. Die Befragung von 2000 Käufern ergab dabei, dass 98,5 % der Befragten wieder ein Pedersoli-Produkt kaufen und es auch ihren Freunden empfehlen würden.

Die mechanischen Teile der Waffen von Pedersoli sind durch eine zweijährige Garantie ab Kaufdatum abgedeckt; die Ersatzteile werden durch verschiedene Importeure in der ganzen Welt vertrieben, während der Garantieservice in Europa direkt durch das Unternehmen und durch Service-Points an verschiedenen Orten der EU versehen wird. Um den After-Sales-Service zu vereinfachen, wurden Explosionszeichnungen aller Waffen von Pedersoli nebst Teilelisten und Bestellnummern ins Netz gestellt.

Interview mit Pierangelo Pedersoli

Wir haben Pierangelo Pedersoli zum Angebot des Unternehmens befragt.

Wie viele Waffen hat Pedersoli zur Zeit im Sortiment?

"318 Waffen, aber wenn wir die Umrüstsätze und die unterschiedlichen Kaliber dazurechnen, sind es noch mehr."

Was sind die drei kommerziell bedeutendsten Waffen in der Geschichte des Unternehmens?  

"Auf jeden Fall die Le-Page-Pistolen, die Brown-Bess-Gewehre, die Vorderlader-Doppelflinten und die Sharps-Karabiner."

Können Sie die bedeutendsten sportlichen Erfolge nennen, die mit Waffen von Pedersoli erreicht wurden?

"Das sind weltweit sehr viele. Ich erinnere mich gern an die ersten, bei der WM des Vorderladerverbandes MLAIC. Das war 1983 in Versailles: einmal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze. Und dann wurden es immer mehr: 2010 holten wir im portugiesischen Barcelos 50 Medaillen und stellten vier Weltrekorde auf; bei der letzten WM in Ungarn waren es 12 Gold-, 12 Silber- und 18 Bronzemedaillen. Dazu kommen die Goldmedaillen in den Long-Range-Disziplinen für Vorderlader."

Bei welchen Sportereignissen tritt Pedersoli als Sponsor auf?

"Normalerweise bei der EM und der WM für Vorderlader, die abwechselnd stattfinden, dann bei vielen nationalen Wettkämpfen, ebenfalls für Vorderlader, aber auch bei Wettkämpfen für Hinterlader beim Schießen auf Scheiben (bis 600 Yards), beim Quigley Match (in Montana) und beim Long Range in Raton (New Mexico), bis 1000 Yards. Wir fördern aber auch die Jagd mit Vorderladern, sowohl in Italien, als auch in den USA und in Ungarn."

Halten Sie es nicht für einen Widerspruch, von der Zukunft eines Unternehmens zu sprechen, das sein Glück mit Waffen der Vergangenheit gemacht hat? Welche Projekte stehen bei Ihnen an?

"Im Augenblick haben wir nicht die Absicht, uns mit modernen Waffen zu beschäftigen. Wir wollen stattdessen das Angebot an historischen Waffen erweitern. Und dabei sollten wir nicht vergessen, dass das, was heute modern ist, morgen schon alt sein kann!"


Für mehr Informationen besuchen Sie die Website von Pedersoli.

Den Artikel zu dem neuen Whitworth Vorderlader von Traditionshersteller Pedersoli gibt es hier.

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