Neue Selbstladepistolen im Test: Steyr ATC Base sowie ATD Compact und ATD Compact Comp

Wer die Vorstellung der neuen Steyr Arms ATC Rock-Matchpistolen versäumt hat, für den fassen wir hier noch einmal das Wichtigste in Kürze zusammen. Seit 2017 gehört Steyr Arms genau wie seit 2014 der slowenische Waffenproduzent Arex Defence zu einem tschechischen Investmentfund. Somit war es ein kluger Schachzug, die bei Arex konstruierten und gefertigten Pistolen mit dem weltweit wohlklingenden Traditionsnamen Steyr Arms zu versehen. Damit kann der seit 1886 bestehende österreichische Hersteller nun sein Produktportfolio neben der Steyr M-Polymerrahmenpistole um viele neue Pistolenmodelle sinnvoll erweitern. Sei es nun eine Ganzstahlpistole, eine Pistole mit Leichtmetall- oder Kunststoff-Griffstück für dienstliche oder sportliche Einsatzfelder: Steyr Arms hat nun für jeden Kunden etwas zu bieten. Bei den ATC-/ATD-Pistolenbaureihen entdeckt man viele technische Konstruktionsmerkmale der legendären SIG-Sauer-P220/P226-Serie wieder. Einen hauseigenen P226-Ableger führte man bei Arex Defence bis vor kurzem mit der Zero 1 im Programm. Die sportlichen Steyr Arms ATC Rock-Pistolen haben wir hier bei all4shooters.com bereits ausführlich getestet. Nun folgen die Modelle ATC Base, ATD Compact und ATD Compact Comp:

Im Detail: Die Selbstladepistole Steyr Arms ATC Base

Neue Selbstladepistolen im Test: Steyr ATC Base sowie ATD Compact und ATD Compact Comp
Die ausgewachsene Ganzstahl-Sportpistole ATC Base aus rostträgem Stahl hat mit 5“/127-mm-Lauf, Spannabzug, vollverstellbarer Visierung und Optikschnittstelle für 2.000 Euro eine ganze Menge zu bieten.

ATC steht für das Länderkürzel AT/Austria sowie Competition. Die Modellbezeichnung ATC Base verdeutlicht schon, dass es sich hierbei neben den teureren Rock-Modellen um das Basismodell der Ganzstahlpistolen für die sportliche Verwendung handelt. Mit einem Preis von knapp 2.000 Euro muss sich dieses Einstiegsmodell aus silberschimmerndem Stainless Steel unweigerlich an der tschechischen CZ Shadow 2 messen lassen, die preislich auch immer mehr der 2.000-Euro-Marke entgegensteuert. Zumindest gibt es bei der Steyr Arms ATC Base ein gefrästes Stahlgriffstück und einen Verschluss aus dem Vollen statt Feingusshauptbauteile. Gepaart wird das sauber gefräste Griffstück mit einem 5"/127-mm-langen Lauf mit konventionellem Feld-/Zug-Profil und entsprechend langem Verschluss. Eine aufwendige Skelettierung des Schlittens mit vorderen und hinteren Greifrillen, wie bei den ATC-Rock-Flaggschiffen, findet man nicht. Lediglich die Mündungspartie wurde etwas ausgekehlt und geschrägt, um optische Akzente zu setzen. Der Hersteller verspricht in seinem Datenblatt eine Lebensdauer der Waffe von 50.000 Schuss, wobei 10.000 „Schuss“ auf das trockene Abschlagen entfallen. Wie bei den Rock-Modellen lässt sich auch bei der schlichteren Base das Griffspornendstück für eine ergonomische Feinabstimmung austauschen. Wechselendstücke entdeckt man im üppigen Zubehörprogramm. Der Magazintrichter aus schwarz eloxiertem Aluminium lässt sich leicht durch Eindrücken eines Pins im Griffstückinneren abnehmen. Als Zubehör wird auch ein den Magazinschachteingang komplett umschließender 360-Grad-Jet-Funnel angeboten.

Neue Selbstladepistolen im Test: Steyr ATC Base sowie ATD Compact und ATD Compact Comp
Die ausgewachsene Ganzstahl-Sportpistole ATC Base aus rostträgem Stahl hat mit 5“/127-mm-Lauf, Spannabzug, vollverstellbarer Visierung und Optikschnittstelle für 2.000 Euro eine ganze Menge zu bieten.

Die ATC Base gehört mit rund 1.200 Gramm Gesamtgewicht im Leerzustand zu den leichtgewichtigen Ganzstahlmatchpistolen mit 5"-Lauflänge. Mit ihrem Spannabzug mit seinem typischen Wechsel vom hohen Abzugsgewicht und langem Abzugsweg beim ersten Double-Action-Schuss zu den Single-Action-Folgeschüssen mit leichtem Gewicht und kurzem Weg eignet sie sich auch für die IPSC Production/Production Optics Division, wobei sie vom Weltdachverband schon in die Liste der zugelassenen Waffen aufgenommen wurde. Allerdings maßen wir den Double-Action-Abzug mit üppigen 6.300 Gramm Abzugsgewicht und den Single-Action-Abzug, der zumindest sauber ohne merkliches Kriechen brach, mit 2.400 Gramm. Ab Werk legt man zwei Schlagfedern zum Do-it-yourself-Wechsel bei. Die graue Feder mit der niedrigsten Federrate lieferte ein reduziertes Spannabzugsgewicht von 5.650 Gramm, und der vorgespannte Single-Action-Abzug brach im Durchschnitt bei 2.150 Gramm. Besser, aber berauschend ist das leider immer noch nicht. Das ist aber auch das einzige Manko, was wir bei der ansonsten sauber verarbeiteten und durchaus ansprechenden ATC Base zu beanstanden hatten.

Das Einstiegsmodell der ATC-Serie lässt sich aber auch mit einem reinen Single-Action-Abzug aus dem hauseigenen Zubehör-Shop versehen. Kombiniert wird das DA/SA-Abzugssystem mit einem beidseitigen Sicherungsflügel, sodass die Waffe auch gespannt und gesichert in eine Tragevorrichtung wandern kann. Darüber hinaus besitzt das manuelle Sicherungselement aber auch eine Entspannfunktion. In der gesicherten Position den Flügel einfach mit dem Daumen etwas nach hinten strecken, und schon wird der Hammer gefahrlos kurz vor dem Schlagbolzen abgelegt. Der Visiersockel trägt eine vollverstellbare LPA-Mikrometerkimme, die gut mit dem hinterschnittenen, quergerriffelten Korn harmoniert. Der Visiersockel dient gleichzeitig auch als Abdeckplatte für die unvermeidliche Leuchtpunktvisier-Schnittstelle in der Heckpartie des Verschlusses. Eine Adapterplatte für das populäre Trijicon RMR und Fabrikate mit identischem Fußabdruck liegt bei, andere Platten, wie für das schwedische Aimpoint ACRO mit geschlossenem Gehäuse, können geordert werden. Im Zubehörprogramm entdeckt man optional auch eine Brückenmontage, die an der Picatinny-/Weaverschiene des Griffstücks befestigt werden kann. Damit lässt sich schneller zwischen mechanischer und optischer Visierung wechseln, obgleich dieser Wechsel nicht so elegant aussieht wie eine Verschlussmontage und auch mit einem Holster kollidiert. Die schwarzen Kunststoff-Griffschalen fallen sehr flach und griffig aus. Sie sind auch in zwei weiteren Größen erhältlich oder lassen sich selbst im 3D-Drucker erzeugen. Steyr Arms gibt die Druckdaten dafür frei. Zum Lieferumfang im Hartschalenkoffer gehören zwei Magazine mit Kapazitäten für 20 und 18 Patronen.

Die Steyr Arms ATD Compact im Fokus 

Neue Selbstladepistolen im Test: Steyr ATC Base sowie ATD Compact und ATD Compact Comp
Die ATD Compact mit Leichtmetallgriffstück, 4“/102-mm-Lauf, Spannabzug und Optikschnittstelle ist für schlappe 1.200 Euro zu haben.

Das D in ATD steht für Defense und deutet damit schon an, welche Zielgruppe man anstrebt. Es sollen sich diejenigen angesprochen fühlen, die eine Waffe zum Führen suchen oder im sportlichen Umfeld reinrassige Dienstpistolen bevorzugen. Die ATD Compact mit schwarz eloxiertem Aluminiumgriffstück bringt rund 850 Gramm Leergewicht auf die Waage. Der schwarze Verschluss samt innewohnendem Lauf mit konventionellem Feld-/Zug-Profil erhält seine Beschichtung durch Nitrocarburieren.

Neue Dienstpistolenkonstruktionen mit Alurahmen und Spannabzügen sind angesichts der Flut an Striker-Fire-Action-Polymerpistolen eine seltene Spezies geworden. CZ hat mit der Shadow Compact und Carry in jüngster Vergangenheit in diesem dünn besetzten Marktsegment einen Vorstoß unternommen. Die subjektiv oft als gelungener empfundene Haptik von Metallrahmen hat aber auch praktische Vorteile. Wer ein zu schwaches Handgelenk („limp wristing“) hat, dem kann das höhere Eigengewicht einer Ganzmetall- im Vergleich zur noch leichteren Polymerwaffe mehr Funktionssicherheit schenken.

Neue Selbstladepistolen im Test: Steyr ATC Base sowie ATD Compact und ATD Compact Comp
Links die gegen Aufpreis erhältliche ATD Compact Comp mit Integralkompensator und zurückgesetztem Korn, rechts die ATD Compact in Standardausführung. Die beiden Gasentlastungsschlitze in der Verschluss- und Laufoberseite reduzieren die Mündungsauslenkung.

Neben der Standardausführung mit 102-mm-Lauf steht mit der ATD Compact Comp auch eine Variante mit zwei integralen Gasentlastungsschlitzen in Verschluss und Lauf zur Auswahl. Dieses Feature mag zwar die Mündungsauslenkung geringfügig reduzieren, intensiviert aber vor allem bei widrigen Lichtverhältnissen auch den Feuerball an der Mündung. Ob man diesem zweifelhaften US-Trend bei einer Defensivpistole nun positiv gegenübersteht oder auch nicht, mag jeder für sich selbst entscheiden. Optional lässt sich die konventionelle Ausführung mit einem verlängerten Lauf mit Schalldämpfergewinde und hauseigenem Kompensator bestücken.

Wie schon bei der ATC-Serie steht auch in der ATD-Baureihe umfangreiches Extrazubehör wie ein 360-Grad-Magazintrichter, gekapselte Federführungsstangen-Schließfedereinheiten in unterschiedlichen Stärken oder eine Single-Action-Abzugseinheit zur Verfügung. Standardmäßig gehören allerdings schon sechs Adapterplatten zum Lieferumfang, mit denen sich so ziemlich jedes Leuchtpunktvisier auf dem Markt in den Verschluss einsetzen lässt, solange es in die 47 mm lange Aussparung passt.

Neue Selbstladepistolen im Test: Steyr ATC Base sowie ATD Compact und ATD Compact Comp
Mit den im Lieferumfang enthaltenen sechs Kunststoff-Adapterplatten kann man so ziemlich alle Leuchtpunktvisiere am Markt abdecken.

Schade nur, dass bei dieser Ganzmetallpistole die Adapterplatten aus Kunststoff bestehen. Ob die darin von Hand eingesetzten Gewindebuchsen den Belastungen im Dauereinsatz gewachsen sind, wird sich zeigen. Mit dem DA/SA-Abzug mit beidseitig ausgelegter manueller Sicherung ist man gut gewappnet. Die Gestaltung der Sicherung gefällt uns gut. Wenn man sie nicht braucht, stört sie nicht im Handling; muss man sie verwenden, lässt sie sich gut erreichen.

Neu gedacht hat man bei Arex Defence den Verschlussfanghebel, er dient nämlich gleichzeitig auch als Entspannungsmechanik für den Hammer. Mit dem Herunterdrücken löst man erst den Verschlussfang, drückt man ihn noch weiter durch, wird der Hammer kurz vor dem Schlagbolzen in Ruheposition befördert. Damit man nicht versehentlich das Schlagelement nach dem Entriegeln des Verschlusses entspannt, muss man diesen erst wieder in seine Ausgangslage zurückkehren lassen – eine gute Idee.

Der Magazinauslöseknopf ist wie bei der ATC-/ATD-Serie jederzeit von beiden Seiten zu erreichen. Auch die auswechselbaren Griffspornendstücke, die dem optional erhältlichen Anschlagschaft eine Verankerung bieten, zeichnen die ATD Compact aus. Herstellerseitig verspricht man in seinem Datenblatt eine Lebensdauer der ATD Compact von 30.000 Schuss, wobei 5.000 „Schuss“ wieder auf das trockene Abschlagen entfallen.

Dass man von Dienstpistolen keine Wunder in den Abzugsqualitäten erwarten kann, dürfte klar sein. Trotzdem finden wir 6.700 Gramm für den Double-Action- und rund 3.100 Gramm für den Single-Action-Modus entschieden zu hoch. Das trübt den Eindruck der sonst sauber verarbeiteten Pistole. Mit einem Preis von 1.199 Euro für die Standardausführung und 1.349 Euro für die kompensierte Variante ist der Preis echt fair. Da kann nicht mal CZ mithalten.

Neue Selbstladepistolen im Test: Steyr ATC Base sowie ATD Compact und ATD Compact Comp
Inspektor Gadget lässt grüßen: Voll aufgerüstete ATD Compact mit Klappschaft, Vordergriff und Schalldämpfer. (Foto: Steyr Arms)

Steyr Arms ATD Compact und ATC Base auf dem Schießstand

Wir starteten mit der ATC Base, die zuerst in die Schießmaschine wanderte, um mit zehn Munitionssorten mit Geschossgewichten von 95 bis 147 Grains auf Präzision überprüft zu werden. Schon den beiden Steyr Arms ATC Rock-Pistolen schmeckte die serbische PPU 115 Grains JHP am besten, was auch bei der Base mit einem Beststreukreis von 35 mm der Fall war. Mit drei Patronen blieb es aber auch schon bei den Laborierungen, die Gruppen unter der 50-mm-Grenze produzierten. Streukreise, die über die 100 mm hinausgehen, zeigen aber auch, dass man um eine individuelle Selektion bei der breiten Angebotspalette an 9 mm Luger Munition nicht herumkommt. Die ATC Base benötigte im Gegensatz zu den Rock-Modellen keine Einlaufphase und funktionierte von Anfang an störungsfrei.

Nun war die ATD Compact an der Reihe, ebenfalls mit zehn auf den Verwendungszweck abgestimmten Munitionssorten ihre Präzision aus der Ransom Rest unter Beweis stellen zu müssen. Mit 38 mm war bei den üblichen zehn Schuss auf 25 Metern die GECO 124 Grains UTHP schon matchverdächtig. Bei zwei Patronensorten sorgte ein Ausreißer dafür, dass die Ergebnisse nicht unter der 50-mm-Grenze lagen. Der Großteil der Laborierungen lag im Bereich bis 80 mm, was für eine Dienstpistole auf der 25-m-Distanz durchaus in Ordnung geht. Störungen gab es auch hier keine zu verzeichnen. Im praktischen Schießbetrieb gefiel uns die Kombination aus Verschlussfang- und Entspannhebel gut. Auch die Griffschalen mit der feinen, aber aggressiven Strukturierung sorgten für guten Halt. Die Waffe ließ sich gut im Schuss beherrschen, selbst mit solch knackigen Laborierungen wie die Speer Gold 124 Grains +P, die satte 560 Joule lieferte.

Technische Daten und Preise: Steyr Arms ATD Compact und ATC Base

Technische Daten:Steyr Arms ATD CompactSteyr Arms ATC Base
Kaliber:9 mm Luger9 mm Luger
Magazinkapazität:18 (20) Patronen18 (20) Patronen
Griffstück:AluminiumStahl
Verschluss:StahlStahl
Lauflänge/-profil:102 mm / 6x Feld-Zug-Profil127 mm / 6x Feld-Zug-Profil
Kimme:seitlich driftbar, 3,9 mmMikrometervisier geriffelt, 3,05 mm
Korn:3,6 mm, mit weißer, nicht nachleuchtender Punkteinlage2,95 mm, hinterschnitten und geriffelte
Visierlänge:160 mm192 mm
Sicherung:manuelle, beidseitige Flügelsicherung, abzugsgesteuerte Schlagbolzensicherungmanuelle, beidseitige Flügelsicherung, abzugsgesteuerte Schlagbolzensicherung
Abzugssystem, -gewicht (Mittel aus 10 Messungen mit dem Manthei Trigger Scan System):
DA: 6.696 Gramm, SA: 3.132 GrammDA: 6.279 Gramm, SA: 2.440 Gramm
Gesamtgewicht (inkl. Magazin):
857 Gramm1.206 Gramm
Abmessungen:192 x 37 x 143 mm218 x 42 x 145 mm
Preis:1.199,- Euro1.999,- Euro
Extras:Hartschalenkoffer mit 2 Reservemagazinen, Adapterplatten für MRDS, PutzsetHartschalenkoffer mit 2 Reservemagazinen, Adapterplatte für MRDS, 2 Stück Schlagfedern, Putzset

Fazit: Das können die beiden Selbstladepistolen Steyr Arms ATD Compact und ATC Base

Die sportliche Steyr Arms Ganzstahlpistole ATC Base hat für 1.999,- Euro mit ihrem Spannabzugssystem, der Optikschnittstelle und optionalen Ausbaumöglichkeiten viel zu bieten. Ebenso wandlungs- und ausbaufähig zeigt sich die Dienstpistole ATD Compact zu einem unschlagbar günstigen Preis von 1.199,- Euro, die mit Alurahmen, Spannabzug und Optikschnittstelle punktet. Beide Pistolen überzeugten hinsichtlich Verarbeitung und Schussleistung. Lediglich die Abzugsqualitäten waren bei den Testwaffen ein Manko. Damit sollte man klarkommen oder ein Abzugstuning in Erwägung ziehen.


Text: Tino Schmidt und Stefan Perey

Dieser Test erschien auch in der caliber, Ausgabe 03/2026. Dort sind auch die praktischen Schussleistungstabellen mit jeweils 10 Laborierungen enthalten. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Es steht dort auch als ePaper zur Verfügung.

Weitere Informationen zur Steyr Arms ATC-/ ATD-Serie, erhalten Sie auf der Webseite des Herstellers.