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Test: Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman Revolver in .357 Magnum

Das anfangs als ".357 Magnum" bezeichnete Smith & Wesson-Modell 27 war als Dienstwaffe zu teuer und in seiner Ausstattung unnötig luxuriös. Also fertigte Smith & Wesson unter dem damaligen Chef Carl Hellstrom Anfang 1954 einige Versuchsmuster des .357er Revolvers mit abgespecktem Zierrat und führte diese interessierten Dienststellen vor.

Aufgrund der positiven Resonanz konnte das Unternehmen bereits im gleichen Jahr das neue Modell 28 der Öffentlichkeit als Highway Patrolman vorstellen. Der Name wies direkt auf den angedachten Verwendungszweck als Polizeirevolver hin.

Damit setzte er eine Firmentradition fort, deren Grundstein Smith & Wesson bereits im 19. Jahrhundert mit dem Military & Police gelegt hatte und direkt nach dem Zweiten Weltkrieg mit Revolvern wie dem kleinen Chiefs Special weiterführte.

Die schlichte Eleganz des Smith & Wesson Revolvers M 28 Highway Patrolman

Der Abzug des Smith  & Wesson M 28 Highway Patrolman Revolvers
Typisch für solche Revolver von Smith & Wesson wie den M 28 Highway Patrolman waren buntgehärtete Abzüge, mit glatter Front oder wie hier mit senkrechter Riffelung.

In ihrer Technik und Linienführung entsprach die neue Dienstwaffe dem luxuriösen M 27. Der Lauf verjüngte sich zur Mündung hin konisch. Darunter schützte ein massives Gehäuse die Ausstoßerstange vor Beschädigungen und leistete durch sein Gewicht einen Beitrag zur Dämpfung des Rückstoßes der .357 Magnum.

Der auffälligste Unterschied zum M 27 findet sich in der schlichteren, matt gebürsteten Oberflächenpolitur. Dadurch wirkt die Brünierung des M 28 stumpfer als das spiegelblanke Finish der Luxusmodelle, schützt aber ebenso gut vor Rost und drückt die Herstellungskosten erheblich.

Wobei man fairerweise anmerken muss, dass gerade ältere Modelle unter den Highway Patrolman nach heutigen Maßstäben eine fein überarbeitete Oberflächenpolitur bieten. Diese können durchaus mit der Brünierung von diversen hochpreisigen Sport- und Verteidigungswaffen aus aktueller Produktion rein optisch problemlos mithalten.

Dieses aufwändige Checkering reduzierte zwar bei hellem Licht störende Reflexe, aber einen ähnlichen Effekt erzielte man beim M 28 auch mit einem schlichteren Anrauen der Flächen und mit ein paar Querrillen. 

Der Target-Hahn des Revolvers M 28 Highway Patrolman

Visierlinie des Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman Revolver
Der Blick von oben auf den Revolver Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman zeigt die Höheneinstellschraube der Kimme und die zur Reflexminderung geriffelten Partien am Korn und dessen Rampe.
Die Trommel des Revolvers Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman
Der Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman gehört zu den Revolvern mit seitlich ausschwenkbarer Trommel, zu entriegeln über den Schieber links hinten vorm Griff.

Während der Kunde beim Modell 27 zwischen unterschiedlichen Hämmern und Abzugszüngeln wählen konnte, rüstete Smith & Wesson den Highway Patrolman grundsätzlich mit einem schmalen Züngel und einem kleinen Semi Target-Hahnsporn aus.

Auf den beim M 27 optional erhältlichen Target-Hahn mit extra-breiter Tastfläche konnte beim Highway Patrolman verzichtet werden, da dieser ja als Behördenversion vornehmlich über den Spannabzug geschossen werden sollte.

Je nach Fertigungsjahr finden sich sowohl glatte als auch fein längsgerillte Abzugszüngel beim M 28. Ansonsten unterschied sich die feine Abzugsmechanik nicht von der anderer N-Rahmen-Revolver seiner Zeit.

Obwohl als Polizeiwaffe entwickelt und beworben, kam der Highway Patrolman grundsätzlich mit der gleichen, voll verstellbaren Kimme wie der M 27. Das war und ist bis heute für einen Dienstrevolver untypisch.

Anders als für den M 27 üblich, bestückte das Werk den M 28 aber nicht mit einem hinterschnittenen Target-Korn, sondern grundsätzlich mit einem komplett schwarz brünierten Schnellziehkorn im Baughman-Stil. Das holsterfreundliche Rampenkorn erhielt seinen Namen von Frank Baughman, einem FBI-Waffenexperten und Vertrauten des damaligen FBI-Direktors J. Edgar Hoover.

 

Der M 28-2 trägt die relativ kleinen Service-Style-Holzgriffe. Viele M 28 wurden aber auch ab Werk mit den wuchtigen Target-Wettkampfgriffen aus Nussbaum ausgeliefert. In den Anfangsjahren war neben den zwei Lauflängen die Wahl zwischen den Standard- sowie den teureren Target-Griffen die einzige Option, die der Käufer bei der individuellen Auswahl eines Highway Patrolman hatte.

Die beiden Schalentypen unterschieden sich nicht von den für den beim M 27 üblichen Paneelen der jeweiligen Ära; Ende der 1960er Jahre ließ man in Springfield die diamantförmige Raute um die Bohrung für die Griffschalenschraube weg.  

Blattfeder und Griffspanne der Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman
Die Blattfeder in der Griffspange der Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman dient als Schlagfeder.

Viele Varianten existieren vom M 28 nicht mehr. Es gibt wohl ein paar Handvoll Exemplare, die direkt ab Werk anstelle einer Brünierung ein Mattnickelfinish erhielten. Praktisch ist heute die Chance bei einem vernickelten Highway Patrolman ungleich größer, dass es sich dabei nicht um das originale Werksfinish handelt.

Anders als der .357 Magnum und sein nummeriertes Nachfolgemodell 27 wurde der Highway Patrolman ausschließlich in zwei Lauflängen produziert, als Vier- und Sechszöller (102 und 165 mm).

Die Fertigung des M 28 stoppte erst 1986 nach fast 30 Jahren Produktionszeit, damals wechselten die US-Polizeibehörden verstärkt vom Revolver auf Selbstladepistolen. Als Dienstrevolver zählt der Highway Patrolman mit zu den stärksten (und schwersten) Behördenwaffen, die in den Nachkriegsjahren entwickelt wurden.

Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman Revolver aus heutiger Sicht

Der Highway Patrolman gehört definitiv zu der Gruppe alter Kämpen, bei denen sich aus Sicht eines Sportschützen oder manchen Jägers heute der Kauf einer Gebrauchtwaffe lohnt. Denn in Technik, Schussleistung und Ausstattung unterscheidet sich ein 40 Jahre alter M 28 nicht fundamental von einem aktuellen .357er Smith & Wesson-Revolver.

Kimme und Hahn des Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman Revolvers
Hinter typischen Röllchenkimme der Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman sieht man den buntgehärteten Hahn mitsamt dem mit etwas senkrechtem Spiel darin montierten Schlagstift.

Das Schussverhalten bleibt aufgrund des hohen Gesamtgewichts auch mit Magnum-Patronen vergleichsweise sanft und der Rückstoß gut beherrschbar. Den Hochschlag dämpft allerdings ein wuchtigerer Lauf mit durchgehender Ejektorverkleidung bei ähnlichem Gesamtgewicht besser.

Ob Sie die Balance des Highway Patrolman mit seinem etwas leichteren Konuslauf gegenüber der Vorderlastigkeit eines Python oder M 686 bevorzugen, ist eine Sache des persönlichen Geschmacks. Das gebürstete Finish war vielleicht vor 30 Jahren die optisch schlichtere Alternative, braucht sich aber heute nicht mehr vor den Oberflächenpolituren anderer Serienwaffen zu verstecken.

Wer die originalen Griffe nicht mag, der findet auf dem Zubehörmarkt eine Vielzahl von ergonomischeren Alternativen. Dabei müssen Sie  freilich darauf achten, dass alle Highway Patrolman über einen eckigen Square Butt-Rahmen verfügen.

Die größte direkte Konkurrenz unter den Gebrauchtwaffen verschafft dem Highway Patrolman zumindest hierzulande das zivile Schwestermodell M 27. Auch dieser Revolver gehörte in Deutschland vor allem in den 70er Jahren zu den beliebtesten Magnum-Revolvern.

Heute sind sowohl der M 27 als auch der M 28 als Schnäppchen nicht schwer aufzutreiben. Und der hochglanzpolierte M 27 ist im direkten Vergleich auf dem Gebrauchtmarkt nicht viel teurer zu erstehen als ein Highway Patrolman.

Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman in .357 Magnum: das Fazit

Der Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman in .357 Magnum in Seitenansicht
Heute scheint der Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman für das Kaliber .357 Magnum überdimensioniert.

Aus heutiger Sicht erscheint der Highway Patrolman für die .357 Magnum regelrecht überdimensioniert. Und falls doch einmal etwas bricht: Ersatzteile und fachmännische Betreuung von älteren Smith & Wesson-Revolvern ist hierzulande auch kein großes Problem, Schwierigkeiten in dieser Hinsicht hätten Sie eher bei einem gebrauchten Colt.

Für Sammler interessant wären vor allem die frühen Stücke, bevor Smith & Wesson zur Nummerierung seiner Modelle überging. In diesem Fall ein Revolver aus den ersten drei Produktionsjahren. Ein "Pre Model 28" lässt sich an der fehlenden Nummernbezeichnung auf der Innenseite des Rahmens erkennen und es besitzt zudem auch noch fünf Schrauben: vier für die Seitenplatte und eine vorn im Abzugsbügel für den Trommelstop.

Generell kann man sagen, dass ältere Muster als begehrenswerter gelten. Wobei wie üblich der Wert von dem originalen Erhaltungszustand der Waffe sowie der manchmal noch vorhandenen Originalverpackung und dem enthaltenen Zubehör abhängt.

Der M 28 ist aber insgesamt als eine der stärksten als Polizeimodell konzipierten Handfeuerwaffen für Sammler von Behördenwaffen nahezu unverzichtbar.

Technische Daten des Smith & Wesson M 28-2 Highway Patrol Revolver

Modell:S & W M 28-2
Kaliber:.357 Magnum
Kapazität:6 Patronen
Lauflänge:152 mm (6 Zoll)
Visierlänge:196 mm
Abzugsgewicht:1.320 g (SA)
5.100 g (DA)
Maße (LxBxH):278 x 44 x 122 mm
Gewicht:1.320 g
Material:Matte Brünierung, Nussbaum-Holzgriffe
Preis:nur gebraucht erhältlich

Weitere Informationen zu Revolvern von Smith & Wesson finden Sie direkt auf der Webseite des Waffenherstellers.

Weitere Informationen über das neue Produkt Smith & Wesson M&P M2.0, welche es in drei Kalibern gibt, finden Sie hier.

Den umfangreichen Test der Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman in .357 Magnum mit allen Schießergebnissen und Tabellen finden Sie in der VISIER 3/2017. Im VS Medien Online-Shop können Sie diese Ausgabe bequem nachbestellen. 

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