Die Praxis, erfolgreiche Waffenklassiker aus der Vergangenheit zu „modernisieren“, ist keineswegs neu – die Colt 1911 im Kaliber .45 ACP ist das bekannteste Beispiel. Über die Jahrzehnte wurde die 1911 immer wieder überarbeitet und in unterschiedlichsten Ausprägungen gebaut: vom reinen Sportgerät bis zur taktischen Variante; selbst Double-Stack-Versionen sind daraus hervorgegangen, die heute meist unter dem Sammelbegriff „2011“-Pistolen laufen. In jüngerer Zeit hat dieser Trend – irgendwo zwischen Nostalgie und Wiederentdeckung – auch andere Kurzwaffen erfasst: in diesem Fall eine weitere der großen Ideen von John Moses Browning, die Browning Hi-Power, auch bekannt als Browning 9 mm GP (Grand Puissance) beziehungsweise HP35, entwickelt noch vor dem Zweiten Weltkrieg. Repliken und Klone der P-35 haben wir in den letzten Jahren bereits von mehreren Herstellern gesehen, etwa die Girsan MC P35 oder die Springfield Armory SA-35. Was Inglis Mfg. jedoch auf der SHOT Show 2026 zeigte, ist eine kompromisslos moderne Interpretation, die den Namen Inglis 2035 trägt.
Inglis 2035 in 9 mm Luger: Die moderne Pistole "High Power"


Inglis – eine Marke, die während des Zweiten Weltkriegs in Kanada Hi-Power-Pistolen fertigte – wurde kürzlich von SDS Arms wiederbelebt, um die ursprüngliche HP35 sowie die L9A1 (die britische Militärvariante) mit moderner Fertigung und aktuellen Qualitätsstandards neu aufzulegen. Schon damals zählte die Browning Hi-Power zu den innovativsten Pistolen überhaupt, nicht zuletzt wegen ihrer seinerzeit außergewöhnlichen Magazinkapazität von 13 Patronen, die ihr den Beinamen „High Power“ einbrachte. Neunzig Jahre später versteht sich die Inglis 2035 als Fortschreibung dieser Legende: eine modernisierte 9-mm-Pistole, die die zeitlose Single-Action-Charakteristik mit einem Paket zeitgemäßer Verbesserungen für heutige Anwender verbindet.
Die Pistole bietet überarbeitete Ergonomie, optimierte Bedienelemente und ist für die Montage eines Leuchtpunktvisiers ausgelegt. Die Magazinkapazität steigt auf 15 Patronen, die Lauflänge beträgt 4,7 Zoll; Rahmen und Schlitten bestehen aus geschmiedetem Stahl und sind in Burnt Bronze/Black Cerakote beschichtet. Ein verlängerter Beavertail und ein durchbrochener und abgerundeter Hahn erhöhen den Schießkomfort, ebenso die Front- und Backserrations, die beidseitige Sicherung sowie der verlängerte Schlittenfanghebel. Die Optik wird über eine Direktmontage-Schnittstelle im DeltaPoint-Pro-Footprint angebunden und erlaubt die Aufnahme gängiger Reflexvisiere. Der Single-Action-Abzug kommt als moderner Flat-Face-Abzug und auf die Magazinsicherung des Originals wurde verzichtet – was in der Regel für ein saubereres, leichteres Abzugsgefühl sorgt. Eine Visierung in „Suppressor Height“ mit erhöhtem Korn sowie eine universelle Zubehörschiene runden die zeitgemäße Ausstattung ab. Trotz der Modernisierung setzt Inglis bei den Innenteilen – inklusive Magazine – weiterhin auf den Hi-Power/P-35-Standard. Zusammen mit den beidseitigen Ausfräsungen im Schlitten (je zwei pro Seite) und den neu texturierten G10-Griffschalen wirkt die Inglis 2035 dabei optisch eigenständig.
In den USA liegt die unverbindliche Preisempfehlung bei 739,- US-Dollar, inklusive zweier 15-Schuss-Magazine. Ob und wann die Pistole nach Deutschland kommt, ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht bekannt.










