Test: Präzisionsgewehr STL in .300 WSM

Denn es kann schon bis zu einem halben Jahr dauern, bis man solch ein Schmuckstück dann endlich in den Händen hält. Hierbei dürfte man sich in der Regel aber auch darauf verlassen können, ein wahrhaftes Präzisionsinstrument erworben zu haben, hat doch Manfred Schmitt, der Chef des Hauses höchst selbst, beispielsweise mit einem STL Matchgewehr mit Kohlefaserschaft zwei Deutsche Meister-Titel bei den aktuellen Deutschen Meisterschaften 2011 in den Gewehrdisziplinen des BDS auf 100 und 300 Metern gewonnen.

Weil es mittlerweile gute drei Jahre her ist, dass wir das erste Mal Bekanntschaft mit einem Produkt des Hauses in Gestalt des STL Tac Scharfschützengewehrs in .300 Winchester Magnum machen durften und sich seitdem bei dem Hersteller aber viel ereignet hat, stand eine neue Erprobung an. Diesmal ging es aber mit der Einzellader-Matchbüchse in .300 WSM weitaus sportlicher zu.


Selbst ist der Mann

Manchmal ist man verlassen, wenn man sich auf andere verlässt. Diese bittere Erfahrung musste auch Manfred Schmitt machen, der bis 2009 die Zylinderverschlußsysteme für den Bau seiner STL Gewehre von einem Zulieferer erhielt. Nach zahlreichen unerfreulichen Schwierigkeiten mit diesem Lieferanten verbaut er seit 2010 Systeme, die nach seinen Spezifikationen von zuverlässigen Partnern produziert werden. 

Kann sich sehen lassen: Das aktuelle STL Zylinderverschlußsystem besitzt drei solide Verriegelungswarzen, einen 60 Grad Öffnungswinkel und absolute Minimaltoleranzen.

Das aktuelle System aus einem hochfesten, vorvergüteten Stahl mit einer Zugfestigkeit von etwa 1.200 N/mm2 wird auf fünfachsigen CNC Zentren hergestellt. Hierbei wird mit absoluten Minimaltoleranzen gearbeitet, wovon wir uns selbst überzeugen konnten, denn die Verschlußkammer mit drei soliden Verriegelungswarzen und einem Öffnungswinkel von 60 Grad glitt nahezu spielfrei in der Systemhülse unserer Testwaffe. 

Die STL Systeme werden in zwei verschiedenen Systemgrößen, die Kaliber bis zur .338 Lapua Magnum abdecken, angeboten. Zudem gibt es sie in Einzel- und Mehrladerausführungen, was den Bau von Gewehren für Sport, Jagd und Behördeneinsatz ermöglicht. 

Bei den Einzelladersystemen verzichtet der Hersteller praxisnah direkt auf einen Auswerfer, so dass der Schütze und Wiederlader in Personalunion die Hülse nach dem Schuss manuell entnimmt, was spätere Suchaktionen nach dem ausgeworfenen Messing auf dem Schießstand erspart. Bei den Mehrladesystemen setzt STL nur einreihige Kastenmagazine ein, wodurch die Ausfräsung in der Systemhülse kleiner ausfällt und die Systemsteifigkeit weniger beeinträchtigt wird. 


Standards & Wunschkonzerte

Standardmäßig wird bei den STL Systemkästen die Montageschiene nach MIL-STD 1913 Picatinny Norm als integraler Bestandteil in die Oberseite eingefräst. Doch hier lassen sich auch andere Wünsche realisieren, so dass bei STL Jagdgewehren die Systemkastenoberseite selbst für eine Suhler Einhakmontage vorbereitet oder bei STL Sportgewehren eine 11 mm Prismenschiene optional eingebracht werden kann. 

Auch wenn die meisten Gewehre in enger Absprache nach Kundenwunsch entstehen, offeriert Manfred Schmitt fünf Standardmodelle zum Festpreis. Das Matchgewehr STL-S mit Einzelladersystem und lackiertem Schichtholzschaft ist mit 3.100 Euro das billigste Modell in der Palette. Es folgt die sportliche STL-1S mit vielseitig verstellbarem Aluschaft für 3.650 Euro und noch exklusiver wird es mit dem brandaktuellen Matchgewehr STL-CS mit Karbonschaft, das erst für 5.500 Euro den Besitzer wechselt. 

Neben diesen drei sportlichen Einzelladern gibt es die Jagdrepetierbüchse Hunter mit kleinem System bis hin zum Kaliber .30-06 Springfield und Schichtholzschaft für stolze 4.200 Euro sowie das bereits von uns getestete Scharfschützengewehr STL Tac, das preislich mit 5.950 Euro das Flaggschiff darstellt.

Testwaffe im Detail

Unsere sportliche STL Matchbüchse in .300 WSM ist mit einem STL S-BR System mit kannelierter Verschlußkammer ausgestattet. In der Systemhülse sitzt ein 65 cm langer Lothar Walther Matchlauf aus rostträgem Stahl mit 1-10" Drall-Länge, 28 mm Außendurchmesser an der Mündung und Ebiarms Kompensator.

Als weiteres auffälliges Merkmal in Sachen Sonderausstattung entdeckt man einen speziellen, vom Schweizer Physiker Guido J. Wasser berechneten "Schwingungsknoten", der – wer hätte es gedacht – das Schwingungsverhalten des Laufes im Schussvorgang optimieren soll. Der ultramarinblau lackierte Daumenloch-Schichtholzschaft besitzt einen breiten Vorderschaft und ist somit für aufgelegte Anschläge prädestiniert. 

Das montierte Harris Zweibein erlaubte bei mittels Klemmschraube festgesetztem Drehgelenk wie immer einen stabilen, niedrigen Anschlag.

In der Vorderschaft-Unterseite des durch Ausfräsungen auch im Gewicht reduzierten Schaftes wurde eine Gewindebuchse untergebracht, was den Einsatz eines Zweibeines möglich macht. 

Als etwas störend erwies sich die Lackierung mit grober Oberfläche im Bereich der Schaftbacke, weil der Tester im Anschlag gerne viel Druck zwischen Backe und Hinterschaftauflage aufbaut. Dadurch rieb im Schuss die Wangenauflage des Schaftes an der Wange des Schützen, was sich bei längeren Serien unangenehm bemerkbar macht.


Wie man sich bettet...

Das System wurde höchst akkurat mit Epoxidharz in den Schichtholzschaft eingebettet.

Die Systemhülse mit vielen Radienflächen und Rückstoßgegenlager an der Unterseite wurde perfekt mit Epoxidharzmasse in den Schaft eingebettet. Hier herrschte Nullspiel. Bei jedem STL Gewehr wird das System individuell gebettet, was bedeutet, dass Systeme und Schäfte auch bei baugleichen STL Modellen nicht untereinander austauschbar sind. Der Hersteller verbaut bevorzugt die für ihre hohe Abzugskultur bekannten Matchabzüge des US-Herstellers Jewell Triggers, Inc. aus San Marcos, Texas. Alternativ werden die ebenfalls populären Timney Matchabzugseinheiten verwendet. 

Die Jewell Direkt- oder Flintenabzüge ermöglichen in der BR- oder HVR (sowie HVRSR)-Version justierbare Abzugsgewichte von 45 bis 90 Gramm beziehungsweise 45 bis 2.100 Gramm. In der Testwaffe befand sich ein Jewell HVR Abzug, der bei blitzsauberer Charakteristik und minimalem Vorzugweg nach der Überwindung von gerade mal 180 Gramm auslöste.


Auf dem Schießstand

Blaues Wunder: Das reinrassige Sportgewehr STL-S mit kanneliertem Einzelladersystem im Kaliber .300 Winchester Short Magnum (WSM) sowie Nikon Monarch Zielfernrohr 6-24x44 von Manfred Schmitt.

Die STL Matchbüchse in .300 Winchester Short Magnum, ausgestattet mit einem Nikon Monarch Zielfernrohr 6-24x44, konnte lediglich auf der 100-Meter-Bahn auf Präzision überprüft werden. Schade, denn die machbaren Ergebnisse auf 300 Metern oder noch weiteren Distanzen wären sehr interessant gewesen. 

Es kamen ausschließlich Handlaborierungen mit Alliant Reloader 17 Treibladungspulver sowie populären 168 Grains Matchgeschossen von Berger, Lapua, Nosler und Sierra zum Einsatz. Dass dieses Gewehr das Zeug zum Schießen hat, bewies der Topstreukreis von phänomenalen 4 mm eindrucksvoll. Erzielt wurde dieses Spitzenergebnis mit einer Laborierung, bestehend aus 65 Grains Reloader 17 und 168 Grains Berger HPBT Matchprojektil, das mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 937 m/s auf dem Weg in den Kugelfang war. Von den insgesamt acht Laborierungen blieben wir nur mit einer weiteren Munitionssorte unter der 10 mm Grenze. Mit der Handlaborierung mit 68 Grains Reloader 17 und 168 Grains Nosler HPBT Geschoss konnten wir immerhin noch eine ansehnliche 9-mm-Gruppe realisieren. 

Das Präzisionsniveau der Matchbüchse in Kombination mit unseren .300 WSM Handlaborierungen mit Alliant Reloader 17 Treibladungsmittel und 168 Grains Matchgeschossen von Berger, Lapua, Nosler und Sierra war hervorragend.

Die tiptop verarbeitete STL Sportbüchse erleichterte vor allem auch durch die erstklassige Abzugskultur mit einem Gewicht von deutlich unter 200 Gramm das Produzieren von kleinsten Streukreisen, weil Abzugsfehler ausgeschlossen waren. 

Manfred Schmitt bewies uns somit zum wiederholten Male, dass er weiß, wie man vernünftige, praxistaugliche Präzisionsgewehre für die verschiedensten Einsatzzwecke baut. 

Leider sind die Waffen nicht ganz billig und man muss Wartezeiten von vier bis sechs Monaten in Kauf nehmen. Doch dafür erhält man einen realen Gegenwert, der schießt wie das sprichwörtliche Gift. Das hier vorgestellte Matchgewehr kostet 3.800 Euro.

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