Revolver können sie – das ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Kernkompetenz der US-Firma Smith & Wesson (kurz: S & W). Wie kein anderes Unternehmen der Welt hat der Hersteller in Springfield in Massachusetts die Kurzwaffen mit dem rotierenden Trommelmagazin geprägt. S & W kann aber auch anders: Noch vor dem Ersten Weltkrieg begann sich das Werk mit Selbstladepistolen zu beschäftigen, später kamen Gewehre hinzu, Zylinderverschlussrepetierer, Halbautomaten und auch Maschinenpistolen. Mehrladelangwaffen bilden somit kein neues Feld für S & W, denn in gewisser Hinsicht knüpft der Hersteller damit an seine Anfänge an. Die lagen im Bereich der Unterhebelrepetierer (Lever Action Repeater), denn da zählten die Werksgründer Horace Smith und Daniel Baird Wesson zu den Wegbereitern: In ihrer ersten Firma entstanden 1854/55 die frühen Unterhebelrepetierpistolen des Typs Volcanic, worauf das Erfinder-Duo am 14. Februar 1854 das US-Patent Nr. 10,535 erhielt. An diese Jahreszahl knüpfte der Hersteller nun 170 Jahre später an, indem er das Lever Action Model 1854 vorstellte.
So präsentierte das Werk seit etwas mehr als zwei Jahren 1854er in drei unterschiedlich ausgeführten Versionen ebenso, wie es diese Stücke auch für mehrere Revolverkaliber einrichtete, als da sind .357 Magnum / .38 Special, .44 Magnum / .44 Special und .45 Colt. Im Sommer 2025 folgte eine erste Variante in dem Kaliber, das sich weltweit am meisten bei leistungsstarken Unterheblern findet, nämlich .45-70 Government. Als zweites Gewehrkaliber kam kürzlich die wohl typischste Unterhebler-Patrone hinzu, die .30-30 Winchester. Weil aber die Vorstellung einer amerikanischen Produktneuheit in den USA erfahrungsgemäß zu einem anderen Zeitpunkt erfolgt als deren Debüt in der Alten Welt, sahen wir uns mit einem Unterhebler in .45 Colt konfrontiert, als wir aus Fürth ein Paket vom S & W-Importeur Waimex erhielten.
Der Unterhebel-Repetierer Smith & Wesson M1854 im Detail

Im blauweißen Karton lag ein M 1854 in exakt der Ausführung, wie der Hersteller das Gewehrmodell vorgestellt hatte: Die Schaftteile bestanden aus schwarzem Kunststoff, die Griffflächen bewehrt mit Punzmustern und der Vorderschaft vorn mit drei M-Lok-Aufnahmen, zwei seitlich, eine unten. Beim Metall dominierte Stainless Steel (hier die altbewährte Sorte 416). Die Torx-Schrauben sowie die Funktions- und Bedienteile zeigten sich in Schwarz. Das galt für Verschluss, Sicherung, Lever, Hahn, Abzug, das aufgeschraubte Korn mit goldfarbener Einlage und die Picatinny-Schiene, diese gemäß dem aktuellen Trend versehen mit einer integrierten XS Sights-Lochkimme, die sich hier als in Höhe und Seite verstellbar erwies. Rein äußerlich unterschied sich diese 1854er Spielart somit deutlich von der bereits von uns getesteten Version in .44 Magnum. Denn die kam mit Schaftelementen aus Nussbaum-Holz und per Armornite-Verfahren (auch bekannt als Melonite) geschwärzten Metallteilen. Und sie wich ab von der M 1854 Stealth Hunter, weil deren Lauf mit 16,3 Zoll kürzer ausfiel als der bei 19,25 Zoll liegende Standard der Reihe, ganz abgesehen von dem da verbauten Leichtmetall-Handschutz mit seinen 15 M-Lok-Montageschlitzen.
Technik des via Waimex erhältlichen S&W M1854: Altes und Neues

Bei der M 1854 wandelt S&W auf bekannten und von zwei Konstrukteuren eines anderen US-Unternehmens bestens ausgebauten Pfaden. Gemeint sind die Techniker Lewis Lobdell Hepburn und Thomas Robinson, die das Segment der Marlin-Repetierer wesentlich geprägt haben. Auf Hepburn gehen der auch bei der M 1854 gegebene seitliche Patronenhülsenauswurf und der aus Sicherheitsaspekten zweigeteilte Schlagbolzen zurück. Auf der Grundlage entwickelte Robinson die 1948 vorgestellte Marlin M 336. Und deren Mechanik bildete auch für die der M 1854 das Fundament. Dabei stützt sich S & W nicht als einziger auf dieses Bauprinzip, auch Rossis R95 und Henrys Big Boy funktionieren auf diese Weise.
Was nicht heißt, dass sich die Springfielder nur im Kopieren üben – die M 1854 bietet eine technische Option, die es bislang so nur bei dieser Modellreihe gibt. Dabei geht es um den Lade-/Entladevorgang. Standardmäßig erfolgt der bei vielen Lever Guns, indem man die Patronen durch eine Ladeklappe rechts am System direkt ins Magazinrohr schiebt. Alternative: Durch eine Ladeöffnung im Magazinrohr lässt sich dann Patrone um Patrone einfüllen, wenn man das in der äußeren Röhre steckene Innenrohr samt Zubringereinheit nach vorn auszieht. Sollen die blauen Bohnen aber unbenutzter Dinge wieder ins Freie, dann geht das ganz Western-like, aber umständlich durch Leerrepetieren. Hier setzt die S & W-Neuerung an: Ihre Magazinröhre arretiert am Laufhaltering unter der Mündung mittels eines Bajonettverschlusses. Man muss nun (möglichst nach Aktivieren der quer laufenden Hammerblock-Druckknopfsicherung) das umlaufend gerändelte Magazinrohr-Kopfstück zur Seite drehen. Dann kann man die Innenröhre inklusive Feder und Zubringer nach vorn entnehmen. Und das hilft beim kalten Delaborieren: Jetzt braucht man bloß die Waffe nach vorn zu neigen, auf dass Patrone um Patrone sacht herausgleiten kann: Das geht schneller als bei jedem anderen Unterhebler und es ist in jedem Fall schonender, als die Munition rückwärts durch Magazin und Systemkasten zu quälen und dann per Federkraft ins Freie zu katapultieren.

Smith & Wesson 1854 im Praxis-Check
Das Testmuster zeigte sich in Sachen Verarbeitung am oberen Level amerikanischer Serienprodukte: Alles ordentlich, auch wenn wie so oft auch hier einige unübersehbare Ritzen zwischen Metall- und Kunststoffteilen klafften. Und wie bei der bereits überprüften 44er M 1854 Tradition Walnut ließ sich auch hier innendrin nichts Beanstandenswertes an Werkspuren finden – sehr gut. Dito, was die bei vielen Lever Guns zu konstatierenden scharfen Ecken am Hahnsporn und die allzu deutlich spürbaren Kanten am Lever angeht: Die waren zwar hier nicht ganz rund geschliffen, aber doch in mehr als nur vertretbarem Maß gebrochen und somit angenehm zu berühren (dazu gleich noch mehr). Auch gut: Die 3.165 Gramm schwere Waffe ließ sich von Testern zwischen 1,75 und 1,90 Metern Größe sauber anschlagen und zeigte sich dabei auch etwas schwerer als vergleichbare Gewehre anderer Hersteller. Dies nutzte der Balance und reduzierte den Hochschlag, ohne dabei zulasten jedweden Tragekomforts zu gehen. Einmal mehr erntete S & W Lob für die extrem griffige Punzierung der Griffflächen und den betont „fett“ ausgeführten Partien von Vorderschaft und Kolbenhals, die den Händen reichlich Anlagefläche boten. Auch das kennt man anders, namentlich von den schlank gehaltenen Lever Guns im Oldstyle-Design.

Dennoch ging es nicht ohne etwas Motzerei ab: Kein Tester konnte die horizontal laufende Druckknopfsicherung geräusch- und knirschlos bedienen. Okay, nun ist selbst in den USA die .45 Colt keine klassische Jagdpatrone, sondern eher etwas fürs spaßbetonte Sportschießen, da lässt sich die mit Geräusch verbundene Charakteristik verschmerzen. Als akzeptabel beschrieben die Testschützen das Auslösegewicht des Abzugs, der sich Lever Action-gemäß in gespanntem Zustand nach vorn drücken ließ: Mehrere Durchläufe mit der Lyman Trigger Pull Gauge erbrachten ein Auslösegewicht von gemittelten 2.177 Gramm. Der durchaus robuste Wert zeigt aber, wie genau S & W arbeitet, denn bei der 1854 Traditional Walnut kamen 2.350 g zustande. Hier wie dort löste der Abzug nach spür-, aber vernachlässigbarem Kriechgang ohne Durchfallen aus, auch wenn an Scheibenbüchsen gewohnte Zeigefinger den Druck auf den Abzug mit seinen geraden Kanten als malträtierend empfinden dürften.
Dies beschreibt dann auch den Schlossgang beim Repetieren. Da gibt es bei Gewehren im Gefolge der 336er Marlin einige fürs grobe oder harte Zusammenspiel entscheidende Stellen: Zum einen, wenn der Verschluss beim Öffnen über den Hahn geht, um diesen so zu spannen. Das ließe sich sicher weicher gestalten, indem man an der Nase hinten unten am Verschluss oder oben auf dem Hahn minimal Material wegnimmt – halt, liebe Kellerbastler, nicht gleich selbst die Feile ansetzen. Das sollte jemand tun, der das gelernt hat. Und zum anderen bei der im Abzugsbügel hinten integrierten gefederten Nase, die beim Schließen des Levers unten im Systemkasten einrastet: Auch die Partie sollte sich softer stellen lassen, ohne dass die Sicherheit leidet und ohne dass es weiterhin knirscht wie die Tür zu Draculas Gruft. In der Praxis zeigte sich folglich, dass die Waffe zu sicherem Zuführen und Auswerfen eine harte Hand benötigte. Das aber sorgte für mitunter arg intensiven Kontakt zu den Lever-Kanten. Nichts, was sich nicht deutlich durch eine vernünftige Leder- oder Paracord-Wicklung abmildern lassen dürfte. Oder eben durch so punktgenauen wie sorgsam vorgenommenen Materialabtrag.

Zum Präzisionstest: Bei der Visierung ergaben Ring und Perle ein Zielbild mit sehr viel Luft drumherum, zu viel für genaues Treffen. Also kam ein Aimpoint CompC-SM (7 MOA) oben auf die Rail. Auch wenn die Schweden dieses Rotpunkt-Modell zwischenzeitlich eingestellt haben, heißt das ja nicht, dass die vorliegende Optik nicht mehr funktioniert. Das tat sie nämlich anstandslos. Zur Munition: Da hatten die Prüfer das Problem, dass Futter in .45 Colt längst nicht überall und kurzfristig beschaffbar ist, einmal mehr sei auf die hochlöbliche Ausnahme von WM Bullets in Erwitte verwiesen. So kam im Schieß-Sportzentrum Westerwald zum Einsatz, was sich in diversen Beständen an verschiedenen, zum Teil auch obsoleten Laborierungen zusammentragen ließ. Die Tester prüften vier Röhrenmagazin-geeignete Blei-Flachkopfsorten der Marken WM Bullets, Winchester-Western, CCI Blazer und O & C, die leichteste die WM Bullets mit 245, die schwerste die CCI Blazer und O & C mit 255 Grains. Mit letzterer dann auch kam die Büchse am besten zurecht, die lieferte auf 50 Meter Distanz eine Fünfergruppe von 62 mm. Das ist im akzeptablen Bereich und fürs dynamische Plattenschießen mehr als genug. Und der Spaßfaktor? Nun, den zu erproben, braucht man den Testern nicht zweimal zu sagen. Sprich: Solange Blei da ist, soll es fliegen. Immer 9 Patronen ins Magazin, Nummer 10 ins Lager und dann mit fest eingezogener Waffe und dem Rotpunkt auf der Scheibenmitte das Magazin so schnell wie möglich leerräumen – auch wenn hinterher die Finger schmerzten, glücklich waren alle Beteiligten.
Smith & Wesson M1854 in .45 Colt: Technische Daten und Preis
Modell: | Smith & Wesson M 1854 |
Kaliber: | .45 Colt |
Kapazität: | 9 + 1 Patronen |
Länge | 915 mm |
Lauflänge: | 487 mm (19,25“) |
Drall: | 1:504 mm (1:20“) |
Abzugsgewicht: | 2.177 g |
Gewicht: | 3.165 g |
Ausführung: | Rechtsausführung |
| Preis: | 2.100,- Euro |
Ausstattung: | Unterhebelrepetierer mit Röhrenmagazin und Außenhahn, Kunststoffschäftung mit M-Lok-Aufnahmen, punzierten Griffflächen und Gummischaftkappe, Metallteile aus Stainless Steel. Aufgeschraubtes Korn mit goldfarbener Einlage, voll justierbare Ghost-Ring-Kimme integriert in 12 cm langer Picatinny-Schiene. |

Fazit: Das kann die S&W M1854 – Oder: Watt is nu mit de Kohlen?
Bud-Spencer-Fans kennen diese Frage aus „Vier Fäuste gegen Rio“ – hier sei sie auf die stabile und funktionssichere 45er Smith & Wesson-Büchse mit dem guten Schaft und der cleveren Entladeoption bezogen. Aber da muss man zum selben Schluss kommen wie beim Test der oben erwähnten .44-Magnum-Variante Traditional Walnut. 2.100,- Euro, das ist zwar günstiger als die 2.284,- Euro der Nussbaum-Version, aber immer noch ein Hub und im Vergleich zum sonstigen Unterhebler-Angebot arg hoch: Es wäre schade, wenn die Marktchancen dieser grundsoliden Lever Gun mit dem berühmten amerikanischen Namen an der Preiskalkulation scheitern würden.
Dieser Test erschien auch in der VISIER, Ausgabe 2/2026. Dort ist auch die ausführliche Schießtabelle mit den Ergebnissen von vier Laborierungen enthalten. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Die Ausgabe steht dort auch als ePaper zur Verfügung.
Weitere Informationen zur Smith & Wesson M1854 erhalten Sie auf der Webseite des Herstellers und natürlich beim deutschen Importeur Waimex.










