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KIMBER 84 M LPT vs. SAVAGE 10 TR in .308 Win.

KIMBER 84 M LPT vs. SAVAGE 10 TR in .308 Win.
KIMBER 84 M LPT und SAVAGE 10 TR

Während der US-Waffenhersteller KIMBER (www.kimberamerica.com) in hiesigen Gefilden eher für seine 1911er Pistolen und weniger für seine Repetierbüchsen bekannt ist, haben sich die preiswerten Repetierer der ebenfalls in den USA beheimateten Waffenschmiede SAVAGE ARMS (www.savagearms.com) in Deutschland längst ihr Marktsegment erkämpft - egal ob als Jagd- oder Sportgewehr. Und das, obwohl KIMBER seinen Ruf jenseits des großen Teichs zunächst mit sehr präzisen 22er Büchsen begründete.


Trotzdem bei KIMBER inzwischen der Schwerpunkt deutlich auf der Produktion der zahlreichen 1911er Modellreihen liegt, führt der in Yonkers, New York, ansässige Hersteller auch einige Großkaliberbüchsen mit Zylinderverschluss im Programm. Diese sind sowohl auf Jäger als auch Fans von Behördenwaffen ausgelegt. Und aus dem Letztgenannten stammt eins der beiden zum Vergleich angetretenen Modelle - die Büchse KIMBER 84M LPT (Light Police Tactical). 


Die KIMBER 84 M LPT im Detail

Dabei handelt es sich um eine für das Kaliber .308 Winchester eingerichtete Büchse mit geflutetem, 22 Millimeter starkem Matchlauf und schwarzem Polymerschaft mit Pistolengriff und Vorderschaft in Biberschwanzform.

Der Schaft wartet durchwegs mit einer leicht angerauten und einer schwachen Punzierung ähnlichen Oberflächenstruktur auf. Diese verleiht zumindest trockenen Händen einen sehr guten Halt. Den Kolben schließt eine mittelharte Gummikappe ab. Er verfügt außerdem über zwei Trageriemen-Ösen sowie eine zusätzliche Öse vorn zur Aufnahme eines Zweibeines. Im Schaft arbeitet ein entsprechend der Patronenlänge der .308 Winchester sehr kurz gehaltenes, auf zwei Säulen gebettetes Zylinderverschluss-System.

KIMBER 84 M LPT vs. SAVAGE 10 TR in .308 Win.
Beim Verschluss der KIMBER 84 M LPT in .308 Win. samt seinem langen Auszieher stand der 98er MAUSER Pate. Die Kammer wirkt aber im Vergleich zum Vorbild sehr mickrig.

Die hinter den beiden Verriegelungswarzen nur knapp 15 Millimeter durchmessende Kammer wirkt in Verbindung mit dem langen Auszieher nach MAUSER-Art und den drei Eisrillen eher wie ein Designer-Füllfederhalter, wenn da nicht der Kammerstengel die eigentliche Funktion des Objekts verraten würde.

Rechts am Schlösschen verrichtet eine Drei-Stellungs-Sicherung nach dem Prinzip der WINCHESTER 70 Safety ihren Dienst. Der Verschluss-Demontagedrü­cker ruht an der linken Hülsenseite. Auf der Systemhülse thront eine nicht allzu tief gehaltene Picatinny Rail, so dass sich auch Optiken mit großem Objektiv­durchmesser problemlos montieren las­sen. Den Vorrat von fünf Patronen nimmt ein in den Mittelschaft fest integriertes Klappdeckelmagazin auf.

KIMBER 84 M LPT vs. SAVAGE 10 TR in .308 Win.
Bei der KIMBER 84 M LPT schwenkt der Zubringer samt Feder nicht komplett aus dem Magazinschacht. Das verhindert ein schnelles Entladen der Patronen.
KIMBER 84 M LPT vs. SAVAGE 10 TR in .308 Win.
Für die Drei-Stellungs-Sicherung der KIMBER stand diejenige der WINCHESTER 70 Safety Pate: Sicherungshebel hinten heißt gesichert. Bei Hebel in Mittelstellung ist der Abzug gesperrt, und die Kammer kann geöffnet werden. Hebel vorn und roter Punkt sichtbar bedeuten, dass Abzug und Kammer blockiert sind.

Die SAVAGE 10 TR im Detail

Bei der zweiten Waffe im Test handelte es sich um die 2013 eingeführte SAVAGE ARMS Model 10 TR. Das „TR“ steht dabei für Tactical Rifle. Die Büchse richtet sich also an das gleiche Klientel wie die KIMBER 84 M LPT. Auch äußerlich besitzen die beiden Gewehre viele Ge­meinsamkeiten: Schaftform, -material und -farbe sind weitgehend identisch.

KIMBER 84 M LPT vs. SAVAGE 10 TR in .308 Win.
Der Schieber für die Drei-Stellungs-Sicherung der SAVAGE 10 TR sitzt auf dem Kolbenhals. Der Kammergriff wirkt martialisch, behindert aber auch bei tiefsitzenden Optiken nicht das Repetieren.

Wobei der Schaft von SAVAGE allerdings insgesamt glatter ausfällt, dafür aber mit einem Fischhautmuster am Pistolengriff und einer etwas weicheren Schaftkappe auftrumpft. Auch hier fin­den sich eine zusätzliche Riemenbügelöse sowie eine Picatinny-Schiene auf der Systemhülse.
Der für .308 Winchester eingerichtete Bull Barrel der SAVAGE 10 TR weist an der Mündung noch einen Diameter von knapp 21 Millimetern auf. Er besitzt ein Schalldämpfergewinde, das natürlich auch eine Mündungsbremse aufnehmen kann. Ansonsten vertraut man bei SAVAGE auf den bewährten AccuTrigger mit eingelassener Mittelzüngelsicherung sowie das per Alu-Schiene dreidimensional im „AccuStock“ gebettete kurze System auf Basis des Modells 10.


KIMBER 84 M LPT vs. SAVAGE 10 TR in .308 Win.
„Floating Bolt Head“ nennt SAVAGE ARMS den Verschluss, der hinter den beiden Verriegelungswarzen ein frei drehbares weiteres Warzenpaar zur besseren Führung im System besitzt.
KIMBER 84 M LPT vs. SAVAGE 10 TR in .308 Win.
Das Rohr der SAVAGE 10 TR wartet mit einem Mündungsgewinde zur Aufnahme von Signaturdämpfern oder Mündungs- bremsen auf. Wird solches nicht gebraucht, schützt eine Rändelmutter die Gewindegänge
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Das entnehmbare Magazin der SAVAGE 10 TR fasst vier Patronen im Kaliber .308 Winchester. Der Munitionstank lässt sich bequem befüllen und genauso komfortabel wieder entladen.
KIMBER 84 M LPT vs. SAVAGE 10 TR in .308 Win.
Der geflutete Lauf kommt wie das System mit matter Anti-Reflex-Brünierung und besitzt eine sauber gedrehte Matchsenkung. Diese schützt die Züge und Felder im empfindlichen Mündungsbereich vor Beschädigungen. Die sechs 395 Millimeter langen und fünf Millimeter breiten Kannelierungen vergrößern die Oberfläche des 22 Millimeter starken Rohres und sorgen so für eine bessere Wärmeableitung.

Die Kammer kommt mit „Floating Bolt Head“. Dabei sitzt hinter den eigentlichen Verriegelungswarzen ein zweites, frei drehbares Warzenpaar. Das dient der besseren Führung im System. Als Kammergriff dient hier der von den Scharfschützenmodellen 10 BA und 110 BA bekannte wuchtige, mit umlaufenden Rändelungen versehene Zylinder. Auch Model-10-typisch gestalten sich die Munitionszufuhr aus einem ent- nehmbaren Vier-Schuss-Magazin und die auf dem Kolbenhals sitzende Drei- Stellungs-Schiebesicherung. Der Demontagedrücker für den Verschluss sitzt bei den AccuTrigger-Versionen gewohntermaßen vor dem Abzugsbügel.


Der direkte Vergleich auf dem Schießstand

Auf dem Schießstand schlugen sich beide Kontrahenten tadellos und konnten sich mit Fünfer-Gruppen von 16 Millimetern (KIMBER) und 15 mm (SAVAGE) jeweils die vollen 50 Punkte für die Präzision nach dem VISIER-Bewertungsschema sichern.

Wer die Testkriterien für Großkaliber-Repetierbüchsen nachlesen möchte, findet diese im Internet unter www.visier.de oder im VISIER Special Nummer 69 mit dem Thema "Repetierer". 

Auch in Sachen Schäftung nahmen sich beide Büchsen nicht viel: Was die KIMBER der SAVAGE an Grip voraus hatte, machte diese durch die bessere Schaftkappe und die Fischhaut am Pistolengriff wieder wett. Da beide Schäfte auch keinerlei Anpassungsmöglichkeiten an den Schützen boten, mussten sich in dieser Wertung beide Waffen mit jeweils acht von zehn Zählern zufrieden geben.

Bei den Abzügen gefiel der Match Grade Trigger der KIMBER den Testern einen Hauch besser als der AccuTrigger der SAVAGE. Beide Abzüge standen trocken und brachen nach Erreichen ihrer Bestimmung entsprechenden Widerständen glashart. Allerdings musste bei der SAVAGE schließlich noch der „Vorzug“ des Mittelzüngels überwunden werden. Dennoch vergaben die Prüfer hier jeweils neun der möglichen zehn Punkte. 

Am Magazin der SAVAGE 10 TR gab es nichts auszusetzen. Die entnehmbare Blechbox mit Plastikboden ließ bequem mit den ihr angedachten vier Patronen bestücken, rastete sauber im Schacht ein und fiel nach Druck auf den davor im Schaft versenkten Löser schnurstracks in die Hand. Also: fünf von fünf Zählern für die SAVAGE 10 TR.

Nicht ganz so gut kam die Klappdeckelvariante der KIMBER 84 M weg. Die Entladeklappe ließ sich nur um 90 Grad nach unten schwenken. Und dann verbauten die Feder samt Zubringer den Patronen den Weg nach unten. Die ließen sich mit etwas Geduld zwar entnehmen. Aber schnelles und bequemem Entladen geht anders, sprich: hier nur durch Herausrepetieren. Das reichte dann auch nur für drei Punkte. 

Einstand hieß es dann wiederum in der Kategorie „Visierung“. Serienmäßig kommen die beiden Gewehre ohne offene respektive Notvisierung in den Handel. Dafür statten die Monteure im Werk beide Büchsen jeweils mit einer auf die Systemhülse geschraubten, knapp einen Zentimeter hoch aufbauenden Picatinny-Schiene aus. 

Das lässt Spielraum für ein breites Spektrum an potentiellen Montagen und Optiken. So strichen beide Testkandidaten hier vier der fünf möglichen Punkte ein.

Im Abschnitt „System und Funktion“ lagen die Kontrahenten weiter auseinander. Schon fast erwartungsgemäß überzeugte der butterweiche Schlossgang der SAVAGE. Sie ließ lediglich einen der möglichen zehn Zähler auf der Strecke - das lag an der mittleren Position des Sicherungsschiebers, dessen Kennzeichnung sich bei Dunkelheit nicht gut ausmachen lässt. Dagegen holperte der mickrige Verschluss der KIMBER insbesondere beim Öffnen der Kammer durch das System wie ein „altes Pferdefuhrwerk auf Kopfsteinplaster“. Auch schlackerte die verriegelte Kammer in der Hülse. Dieses Radialspiel vergrößerte sich sogar noch bei eingelegter Sicherung. 

So musste sich die KIMBER 84 M LPT hier mit nur sechs Punkten begnügen. 

Der schlecht gepasste Verschluss der KIMBER wirkte sich auch in der Kategorie Verarbeitung aus. Hinzu kam eine unzureichend gebrochene und den Daumen malträtierende Kante an der Pica-Rail im Bereich des Patronenfensters. Die SAVAGE 10 TR patzte hier aufgrund ihrer teilweise recht rüden Passungen und teils scharfen Gussnähte am Schaft. Beide Büchsen büßten hier schließlich drei der zehn zu ergatternden Zähler ein. 


Technische Daten und Schießtests der KIMBER 84 M LPT und der SAVAGE 10 TR 

Technische Daten der KIMBER 84 M LPT

Modell
KIMBER 84 M LPT
Preis:
€ 1.690,-
Kaliber:
.308 Winchester
Magazinkapazität:
5 +1 Patronen
Lauflänge:
550 mm (6 Züge, Drall 1:9“)
Abzugsgewicht:
1.760 g
Gesamtlänge:
1.150 mm
Gewicht:
3.577 g

Ausführung: Zylinderverschlussrepetierer, zwei Warzen, langer Mauser-Auszieher, Match Grade Trigger, kannelierter Lauf mit Matchsenkung,Polymerschaft, Klappdeckel­magazin, Dreistellungssicherung, Picatinny-Schiene, zusätzliche Zweibeinöse.

Schießtest: KIMBER 84 M LPT in .308 Win. 

Nr.Fabrikpatrone 
Streukreis 
1150 grs Hornady GMX
42 (12) mm
2150 grs Norma Nosler BST
32 mm
3150 grs Sellier & Bellot SPCE 41
41 (18) mm
4168 grs RWS Target Elite 
16 mm
5175 grs Remington Prem. Match BTHP
50 (20) mm

Anmerkungen / Abkürzungen: Streukreis = 5-Schuss-Gruppen, geschossen sitzend aufgelegt von der Benchrestauflage auf 100 m Distanz, angegeben in Millimetern, gemessen von Einschussmitte-zu-Mitte. Werte in Klammern nach Abzug eines Ausreißers. GMX = Gilding Metal eXpandable (Tombakpressgeschoss), BST = Ballistic Tip, SPCE = Soft Point Cuting Edge (Teilmantel-Scharfrand), BTHP = Boattail Hollow Point (Bootsheck-Hohlspitz). 

Technischer Daten der SAVAGE 10 TR 

Modell 
SAVAGE 10 TR
Preis:
€ 1.249,– 
Kaliber: 
.308 Winchester
Magazinkapazität:
4 +1 Patronen
Lauflänge:
610 mm (5 Züge, Drall 1:10“)
Abzugsgewicht:
1.550 g
Gesamtlänge:
1.135 mm
Gewicht:
4.195 g

Ausführung: Zylinderverschlussrepetierer, Floating Bolt Head, Bull Barrel mit Mündungsgewinde, AccuTrigger,Polymerschaft, AccuStock-Alubettung, entnehmbares Magazin, Dreistellungssicherung, Picatinny- Schiene, zusätzliche Zweibeinöse.

Schießtest: SAVAGE Model 10 TR in .308 Win.

NR.Fabrikpatrone 
Streukreis
1155 grs Hornady TAP FPD 
15 (10) mm
2168 grs Norma Jaktmatch 
73 mm
3168 grs Remington Prem. Match BTH 
17 (12) mm
4168 grs RWS Target Elite 
33 mm
5168 grs TopShot Vlm. 
72 mm

Handlaborierung


6168 grs Hornady A-Max, 42 grs N150* 
19 (8) mm

Anmerkungen / Abkürzungen: Siehe auch Schießtabelle Seite 40. TAP = Tactical Application Police, FPD = For Personal Defense. Vlm. = Vollmantel, *Vihtavuori-Treibladungspulver, Primer = Remington 9 1/2,Patronengesamtlänge = 69,85 mm. Ladedaten ohne Gewähr!


VISIER Abschluss-Bewertung 

VISIER-BewertungKIMBER 84 M LTPSAVAGE 10 TR
Präzision (max. 50 Punkte) 
50 Punkte 
50 Punkte 
Schäftung (max. 10 Punkte) 
8 Punkte 
8 Punkte
Abzug (max. 10 Punkte)
9 Punkte 
9 Punkte
Magazin / Handhabung (max. 5 Punkte) 
3 Punkte 
5 Punkte
Visierung (max. 5 Punkte)
4 Punkte 
4 Punkte 
System / Funktion (max. 10 Punkte) 
6 Punkte 
9 Punkte
Verarbeitung (max. 10 Punkte)
7 Punkte 
7 Punkte 
Gesamtpunktzahl (max. 100 Punkte) 
87 Punkte 
92 Punkte
Testurteil         
sehr gut  
ausgezeichnet
Prädikate 
5 von 6 Prädikate 6 von 6 Prädikate 

Damit hatte unter dem Strich die neue SAVAGE 10 TR in der Gesamtwertung die Nase vorn - mit ausgezeichneten 92 Zählern gegenüber den sehr guten 87 von der KIMBER 84M LPT erzielten Punkten. 


Fazit des direkten Vergleichs

Bei beiden Testwaffen handelt es sich um für den Schießstand prädestinierte Präzisionsschießgeräte, die sich auch für den jagdlichen Einsatz empfehlen.

Am Ende gilt der Vorzug der Redaktion jedoch der rund 440 Euro günstigeren SAVAGE 10 TR. Sie zeigte sich außen zwar schlechter verarbeitet, dafür passte aber das Innenleben, und sie gab sich auf dem Schießstand auch noch weniger munitionsfühlig.


Weitere Informationen 

Die Testwaffe von SAVAGE ARMS stellte die HELMUT HOFMANN GmbH (www.helmuthofmann.de) und die von KIMBER die Firma The DUKE (www.theduke.de) zur Verfügung.


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