Clawgear CG15 in .223 Remington − hochwertige SL-Büchsen "made in Austria" mit klassischem Stoner-System

Clawgear CG15 in .223 Remington: AR-Style-Halbautomaten made in Austria
Clawgear setzt je nach Lauflänge auf unterschiedliche Feuerdämpfer auf den ½ x 28-Mündungsgewinden.

Clawgear, das österreichische Unternehmen mit Sitz in Steyr, ist eigentlich für taktische Kleidung und Ausrüstung bekannt. Das Unternehmen hat aber nicht nur „Gear“ (Ausrüstung) im Programm. Das Portfolio umfasst auch einige ausgewählte taktische Waffenteile für Modelle wie AR-15 und Kalaschnikow und das AUG, zum Beispiel M-Lok-Vorderschäfte. Und inzwischen hat Clawgear auch eine eigene Baureihe von halbautomatischen AR-15-Büchsen im Programm. Das CG15 im Kaliber .223 Remington wird seit kurzem über German Sport Guns auch in Deutschland angeboten. Zur Wahl stehen aktuell fünf Varianten des österreichischen Selbstladers, zwei davon schickte German Sport Guns in die Redaktion. Da wäre zum einen die komplett schwarz gehaltene, extra handliche Spielart mit 10,5“-Lauf (267 mm) sowie eine 14,5“-Version (368 mm), bei der eine Cerakote-Beschichtung im Farbton Midnight Bronze den Handschutz und das Gehäuse ziert. Bis auf Länge und Farbe unterscheiden sich die beiden Halbautomaten kaum. Die 14,5er Variante in Midnight Bronze schließt mit einem klassischen, unten geschlossenen A2-Feuerdämpfer vorn auf dem halbzölligen Mündungsgewinde (1/2”-28 UNEF) ab. Bei der Shorty-Spielart mit 10,5“-Rohr hält ein allseits offenes Käfig-Design das Mündungsfeuer im Zaum.

Clawgear CG15 in .223 Remington: AR-Style-Halbautomaten made in Austria
Auch im Inneren der Clawgear CG15 findet sich jahrzehntelang bewährte AR-Technik ohne jeglichen Schnickschnack, vom Direktabzug bis zum Direct Impingement-Verschlusssystem.

Die Basis des Clawgear CG15

Prinzipiell setzt Clawgear auf ein nach heutigen Maßstäben vergleichsweise klassisches Konzept. Das zweiteilige Leichtmetallgehäuse beherbergt den AR-typischen Drehkopfverschluss, der in der Rohrhaltemutter verriegelt. Angetrieben wird das Gassystem ganz typisch nach Eugene Stoners großem Wurf mittels eines Gasröhrchens über dem Lauf: Ein Teil der Treibmittelgase wird dabei durch Laufbohrungen nach oben abgezapft und strömt dann nach hinten durch ein Gasröhrchen direkt auf die mit dem Verschlussträger verschraubte Gasabnahme (Gas Key). Dieses System der direkten Gasabnahme (Direct Impingement) ohne Pistonfedern oder Gaskolben wiegt sehr wenig und kommt mit einem Minimum an beweglichen Teilen aus, was sich in Summe sehr positiv auf Waffengewicht und -balance sowie das Rückstoßverhalten und die Präzision auswirkt.

Clawgear CG15: Verarbeitung und Ausstattung

Die Verschlussgehäuse sind außen und innen akkurat verarbeitet, die Spaltmaße unauffällig und die Gehäusehälften der beiden CG15 passen nahezu spielfrei zueinander. In Verbindung mit dem fast komplett wackelfreien Teleskop-Schubschaft auf der Buffer Tube wirken die Österreicher insgesamt sehr ansprechend verarbeitet. Auf eine stylisch-futuristische Linienführung des Upper und Lower Receivers verzichtet Clawgear  –  die Stücke aus Schmiederohlingen der Legierung 7075  T6 sehen völlig normal aus. Der schlanke Leichtmetall-Handschutz greift sich durch die dünnen, in die M-Lok-Schlitze eingelassenen Kunststoffblenden mit moderat angerauter Oberfläche auch bei niedrigen Temperaturen sehr angenehm. Unten auf 6  Uhr bleiben die M-Lok-Ausfräsungen frei. Auf der Oberseite von Gehäuse und Vorderschaft bietet die durchgehende Picatinny-Schiene Platz für die Befestigung von Optiken und offenen Visierungen. 

Clawgear CG15 in .223 Remington: AR-Style-Halbautomaten made in Austria
Das Clawgear CG15, in der 14,5“-Version (368 mm). Die Cerakote-Beschichtung im Farbton Midnight Bronze ziert den Handschutz und das Gehäuse.
Clawgear CG15 in .223 Remington: AR-Style-Halbautomaten made in Austria
Das Gehäuse des Clawgear CG15 bietet eine ganz klassische AR-Bedienung inklusive des abklappbaren Abzugsbügels für den Winterdienst.

Die Bedienelemente wirken qualitativ sorgsam gefertigt und rasten sauber. Sie sind zugleich in Form, Funktion und Anordnung absoluter AR-Standard, also rein für die Bedienung durch Rechtshänder ausgelegt. Und sie unterscheiden sich in nichts von AR-Technik, wie sie vor nahezu sechs Jahrzehnten mit dem US-Dienstgewehr M16  A1 eingeführt wurden: die 90-Grad-Daumensicherung sowie der Entriegelungshebel für den Verschluss links am Gehäuse, der Magazindrücker und die Schließhilfe für den Verschluss rechts. Auch der Direktabzug ist MilSpec-typischer Standard. Der Pistolengriff ist leicht fülliger als ein Standard-A2-Pistolengriff, in seiner Kontur leicht eckig und außen rutschfest angeraut. In seinem Inneren verbirgt sich ein Staufach für kleine Unentbehrlichkeiten wie Ersatzbatterien für die Optik oder Ähnliches. Für den reinen Sport- oder Jagdbetrieb dürfte der Griff für größere Hände noch etwas fülliger ausfallen, aber als Universalgriff auch für kleine Hände eignet er sich prächtig. Wenn man auch mit kleinen Händen schnell und bequem den 90-Grad-Sicherungsflügel bedienen möchte, sollte der Griff nicht allzu üppig ausfallen. 

Clawgear CG15 in .223 Remington: AR-Style-Halbautomaten made in Austria
Das Clawgear CG15 mit 10,5“-Lauf (267 mm) ist komplett in schwarz gehalten.

So weit, so gut, aber wo könnte Clawgear bei den CG15 noch einmal nachlegen? Die Beschriftungen der Gehäuse sind sauber ausgeführt, aber gelasert, nicht graviert  –  das ist aber reine Kosmetik. Die Haltemutter der Receiver Extension und die Gehäuseabschlussplatte könnten ruhig verstemmt werden  –  das machen aber von den europäischen AR-Anbietern nur die wenigsten – in erster Linie diejenigen, die gern an Behörden und Militär liefern. Und dann wären da noch die Optionen zur Riemenbefestigung out of the box: Je eine QD-Buchse rechts und links am Schubschaft, das war’s. Nebenbei sei angemerkt: In ihrem Heimatland sind die Preise der CG15 etwas anders. Und das gilt auch für das beiliegende Zubehörpaket.

Die Läufe der österreichischen Selbstlader sind hierzulande ein guter Bekannter. Die Rohre stammen vom deutschen Laufspezialisten Lothar Walther. Ihr kaltfließgepresstes Feld-/Zugprofil (hier mit einem 1:9“-Drall) findet sich seit vielen Jahren in den AR-15 von diversen europäischen Anbietern und sorgen für eine präzise Schussleistung. Der Neun-Zoll-Drall bietet einen guten Kompromiss für die Präzision und Stabilisierung von gängigen Jagd- Vollmantel- und Match-Geschossen m Kaliber .223  Remington bis hinauf zu etwa 69  Grains schweren Hollow Point Boat Tail-Wettkampfprojektilen. Einen kürzeren Drall braucht es eigentlich nur für extraschwere (und extralange) Wettkampfgeschosse und im militärischen Bereich für Leuchtspurmunition im Kaliber .223, kürzere Dralllängen wie der 1:12“-Drall des Ur-M16 waren für leichte und relativ kurze 223er Geschosse um 50 bis 55  Grains Gewicht optimiert.

Mit den beiden CG15 von Clawgear auf dem Schießstand:

Clawgear CG15 in .223 Remington: AR-Style-Halbautomaten made in Austria
Für die Präzisionsermittlung auf 100 m aufgelegt musste auf der Picatinny-Schiene des CG15-Gehäuses das kompakte ZF 1-8x28 der Baureihe Integrix von UTG seinen Platz für ein PM II 5-25x56 aus dem Hause Schmidt & Bender räumen.

Um sich mit den beiden Gewehren vertraut zu machen, zogen die Tester mit zwei Optiken auf den Schießstand des Schießsport-Zentrums Westerwald in Ransbach-Baumbach. Für den Spaß und das freihändige Schießen fiel die Wahl auf ein kompaktes Integrix-Zielfernrohr 1-8x28 in einer gekröpften UTG-Schnellverschlussmontage. Für die Streukreisermittlung auf 100  Meter war ein Schmidt & Bender PMII  5-25x56 in einer MAK-Montage verantwortlich. Größere Auffälligkeiten gab es auf der Schießbahn nicht und wurden auch nicht erwartet  –  die CG15 sind halt AR-15-Klone, die sich schießen wie ein AR-15. Was immer wieder positiv auffällt: Ein AR mit der für den M4-Karabiner üblichen Lauflänge von 14,5“ oder noch kürzer ist ein wunderbar handlicher und dennoch einfach bedienbarer und im Schuss gut kontrollierbarer Karabiner  –  die seit vielen Jahren währende internationale Beliebtheit bei Militär, Polizei und im Zivildienst Beliebtheit hat sich das Konzept redlich verdient. 

Was nicht ganz so positiv auffällt, aber mit dem Konzept unabhängig vom Gewehrhersteller einher geht: Mit kurzen Läufen und dem angepasst kurzen Gasübertragungssystem in Carbine-Länge ist im Schuss spürbar mehr Bewegung in einem AR-Selbstlader als selbst in einem Midlength-Gassystem mit Rohrlängen um 16,5 bis 18  Zoll, das bei vergleichbarer Laufkontur ja kaum mehr wiegt. Wenn das persönliche Nutzungsprofil also einen Carbine präferiert  –  gut! Geht es einem eher um Schießkomfort, ballistische Leistungsausbeute und maximale Präzision, dürfen es gern ein paar Zentimeter mehr an Lauf, Gasrohr und Handschutz sein  –  eine Frage des persönlichen Geschmacks und individueller Anforderungen an die Waffe. 

Was fürs reine Scheibenschießen nicht gefiel, waren die bei den vorliegenden Stücken  verbauten Direktabzüge. Beide waren militärisch hart, zudem leicht kratzig im Vorweg und auch nicht knochentrocken am Auslösepunkt. Für die reine Streukreisermittlung zwingt dies dazu, die Gewehre unverhältnismäßig fest in die Schulter einzuziehen, damit beim Abkrümmen nicht zu viel Bewegung in die Büchse gerät, bis der Schlagbolzen auf das Zündhütchen trifft. Für den Dienstbetrieb eines Karabiners oder die Freizeitnutzung geht das in Ordnung, für Jagd oder Sport sollte man hier dringend über den Wechsel auf einen reinrassigen Match-Abzug nachdenken. Dies trifft freilich auf viele AR-15-Standardabzüge zu, nicht nur speziell auf das CG15. Und passende Aftermarket-Abzüge gibt es ohnehin in Hülle und Fülle. Der beste Streukreis des Tages kam dann mit der 52-Grains-Match-Patrone von Sellier  &  Bellot mit 20  Millimetern zustande, gefolgt von der Vollmantel-Laborierung aus der „Black“-Munitionsreihe von Hornady mit 28  Millimetern. Und ja, in allen Streukreisen ist auch Schützenstreuung mit enthalten. Mit einem fülligeren Hinterschaft und vor allem mit einem trockenen Match-Abzug wären aus der vorliegenden CG15-Testwaffe wohl problemlos engere Trefferbilder zu erzielen.

Clawgear CG15: Technische Daten und Preis

Modell:

Clawgear CG15 (14,5")

Clawgear CG15 (10,5")

Kaliber:

.223 Remington

.223 Remington

Kapazität:

10 + 1 Patronen

10 + 1 Patronen

Länge:

808 mm bis 889 mm

720 mm bis 800 mm

Lauflänge:

368 mm (14,5")

267 mm (10,5")

Dralllänge:

229 mm (1/9")

229 mm (1/9")

Abzugsgewicht:

3.000 g

3.200 g

Gewicht:

3.240 g

2.975 g

Ausführung:

Rechtsausführung

Rechtsausführung

Preis:2.369,- Euro1.999,- Euro

Ausstattung:

Gasdrucklader mit direkter Gasübertragung und Drehkopfverschluss, freischwingendem Handschutz, Schubschaft

Gasdrucklader mit direkter Gasübertragung und Drehkopfverschluss, freischwingendem Handschutz, Schubschaft

Clawgear CG15 in .223 Remington: AR-Style-Halbautomaten made in Austria
Derzeit importiert German Sport Guns mehrere kurzläufige Varianten des CG15, oben mit 14,5“-Rohr, unten mit 10,5“-Lauf. Clawgear fertigt das CG15 aber auch mit 16,75 Zoll langem Lauf.

Fazit: Das können die CG15 von Clawgear

In Materialwahl und Verarbeitungsqualität machen die CG15 von Clawgear einen guten, professionellen Eindruck. Dank des Lothar-Walther-Rohres ist auch die Eigenpräzision prima. Das Verhältnis von Preis und Leistung geht auch in Ordnung, zumindest für Rechtshänder. Aber der „Unique Selling Point“ dürfte für viele potenzielle Käufer das Herkunftsland der CG15 sein − wer darf schon ein AR-15 "made in Austria" sein eigen nennen.


Dieser Artikel erschien auch in der VISIER 01/2026. Im Heft ist auch die ausführliche Schießtabelle mit acht Laborierungen enthalten. Sie können die Ausgabe im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht sie auch als ePaper zur Verfügung.

Weitere Informationen zu den AR-15 von Clawgear gibt es beim Importeur German Sport Guns und natürlich auch direkt beim Hersteller.