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Jagd und Naturschutz – wie passt das zusammen?

all4hunters.com: Herr Mennekes, wenn man sich umschaut und umhört ist die Jägerschaft sehr oft nicht so gut auf den NABU zu sprechen und anders herum kommt es hin und wieder auch zu Missverständnissen. Sie haben nun für Ihr Engagement vom Land Nordrhein-Westfalen und vom NABU einen Umweltpreis für Ihre Art der Waldbewirtschaftung bekommen. Muss man einfach öfter miteinander reden, damit sich Jäger und Naturschützer besser verstehen?

Dieter Mennekes: Reden macht Sinn. Unbedingt. Durch Reden lernt man sich besser zu verstehen, denn man arbeitet ja schließlich mit großem Einsatz für dieselbe Sache. Eine intakte Natur hat für alle nur Vorteile, ganz gleich ob man nun in der Stadt wohnt oder auf dem Land lebt. Jeder – ganz egal auf welcher Seite des Flusses man steht – möchte ein Ziel erreichen und oftmals sind es nur die Egos, die im Wege stehen. Mir fällt immer wieder die Geschichte des kranken Baumes ein. Ein Naturschützer, ein Förster und ein Jäger stehen mitten im Wald an einem kranken Baum. Alle Drei wissen, dass, wenn dem Baum nicht geholfen wird, der Baum über kurz oder lang stirbt. Jeder der Drei hat eine Idee, wie man dem Baum am besten helfen kann. Die Drei führen endlose Debatten über das Für und Wider jeder einzelnen Idee. Am Ende der Debatte hat sich keine der drei Ideen durchsetzen können und es wird ein Ausschuss gegründet, der sich um die drei Vorschläge kümmert. Experten werden befragt und es wird ein weiterer Ausschuss gegründet, der den Ausschuss berät. Der Baum ist inzwischen dem letzten Sturm zum Opfer gefallen…

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Dieter Mennekes hat im Jahr 2014 als erster Privatwaldbesitzer in Deutschland ein 370 Hektar großes Gebiet zu seiner eigenen Umweltstiftung gemacht.

all4hunters.com: Sie lassen den Wald so wachsen, wie er will. Sie sagen, dass der Wald damit Sturmfest wird. Woher wissen sie das und wie sind sie auf die Idee gekommen, den Wald einfach so wachsen zu lassen?

Dieter Mennekes: Da kommt unsere Erfahrung ins Spiel. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigen wir – mein Team und ich – uns mit Natur- und Umweltschutz und der nachhaltigen Bewirtschaftung von Waldbesitz. Naturgemäße Waldbewirtschaftung ist für uns die ganzheitliche Betrachtung des Waldes als dauerhaftes, vielgestaltiges und dynamisches Ökosystem.

all4hunters.com: Der Borkenkäfer macht in diesem Jahr viel Schaden. Womit haben sie denn noch zu kämpfen? Oder anders gefragt: Was beschäftigt sie, wenn sie an den deutschen Wald denken?

Dieter Mennekes: Man soll nicht nur an den Holzertrag denken, sondern auch an den Erholungs- und Heilwert. Im Fokus der Betrachtung hinsichtlich unserer Waldstruktur liegen ökonomische Ziele, natürlich ablaufende Prozesse und die Sozial- und Schutzfunktion, für die der Wald steht. Sie fragen mich, was mich beschäftigt, wenn ich an den deutschen Wald denke? Ich denke oft an die einzigartige Beziehung und Geschichte, die uns mit dem Wald verbindet. Unser mitteleuropäischer Kulturkreis hat seit vielen Jahrhunderten eine sehr enge Beziehung zum Makrokosmos Wald. Denken sie mal an die Hermanns-Schlacht im Jahre 9 nach Christus im Teutoburger Wald. Der Wald war schon immer unser Freund. Nur leider strapazieren wir die Freundschaft im Augenblick sehr einseitig und zu Ungunsten der Waldstruktur.

all4hunters.com: Sie haben da eine interessante Trophäe aus einem Revier in Brandenburg. Der Hirsch hätte den Winter mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überlebt. In Brandenburg gibt es Wölfe, auch in der Nähe ihres Reviers lebt ein Rudel. Der verletzte Hirsch wäre mit Sicherheit zur Beute geworden. Die Hege eines gesunden und vitalen Wildbestandes ist oberste Pflicht eines jeden Waidmanns in Deutschland. Wie erklären sie einem Nichtjäger so einen Abschuss? War das ein Hegeabschuss?

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Der Hirsch hatte eine Verletzung, die von einem Brunftkampf stammte.

Dieter Mennekes: Man muss den Wildbestand auf einem gewissen Niveau halten, damit der Wald nicht aufgefressen wird. Waldbesitzer denken nicht nur von heute auf morgen oder an das nächste Jahr. Waldbesitzer richten sich nach der Lebenszeit der Bäume. Und wie sicherlich viele Leute wissen, kann ein Baum auch mal älter als 100 Jahre werden. Bei uns läuft Zeit in Generationen ab, der, der pflanzt, erntet meistens die Arbeit der Vorgängergeneration. Der Wald ist von vielen Faktoren abhängig. Das Klima, extreme Wetterbedingungen oder auch Schädlinge wie der Borkenkäfer können die Arbeit vieler Waldmänner zunichtemachen. Wir müssen also immer über den Tellerrand schauen. Genauso verhält es sich mit dem Wildbestand. Zuviel von einer Art kann den Wald dauerhaft schädigen. Zuviel von einer Art erhöht zudem die Gefahr von Krankheiten. Wir leben in Deutschland eben nicht in einer Naturlandschaft, sondern in einer Kulturlandschaft. Und in dieser ist der Platz begrenzt. Mal eben schnell in das nächste freie Revier wechseln ist insbesondere für das Rotwild gar nicht möglich, da z.B. die Autobahnen eine künstliche Grenze ziehen, die eben nicht so einfach zu überwinden ist. Sie sehen also das Dilemma?! Zur Hege und Pflege gehört es eben auch, krankes, altes oder schwaches Wild zu entnehmen. Der hier gezeigte Hirsch hatte eine Verletzung, die von einem Brunftkampf stammte. Zudem war die Bauchdecke offen und das linke Licht blutete stark. Mit diesen Verletzungen hätte der Hirsch in unserem Brandenburger Revier nicht überlebt. Die Wölfe hätten ihn gehetzt und schon nach kurzer Zeit erbeutet. Deshalb haben wir ihn entnommen und dem Leiden des Geschöpfes ein Ende gesetzt. Auch das gehört nun mal zur Hege.

all4hunters.com: Herr Mennekes, viele, die sie kennen, sagen, dass sie den modernen Waidmann verkörpern. Natur und Umweltschützer auf der einen Seite, auf der anderen Seite ein Waidmann mit Weitblick. Glauben Sie, dass sich das Thema Naturschutz in Zukunft noch mehr im Arbeitsalltag eines jeden Jägers verankern wird?

Dieter Mennekes: Ja, Naturschutz ist "Lebensmittel", daher: unbedingt.

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Dieter Mennekes: "Der Wald ist von vielen Faktoren abhängig. Das Klima, extreme Wetterbedingungen oder auch Schädlinge wie der Borkenkäfer können die Arbeit vieler Waldmänner zunichtemachen."

Das Interview für all4hunters.com mit Dieter Mennekes führte Mathias Haack.

Hier finden Sie mehr Informationen zur Umweltstiftung von Dieter Mennekes.

Ausblick auf die Drückjagd-Saison 2018: Kai-Uwe Kühl von K&K Premium Jagd im Interview.

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