Test: Swarovski smartes Zielfernrohr dS 5-25x52 PS RII kommuniziert per App mit dem Jäger und dem Ziel

Ende der 1980er Jahre – bereits da integrierte Swarovski erstmals einen Laser-Entfernungsmesser in ein Zielfernrohr (ZF). Das Modell „LRS“ konnte schon damals bis zu 600 Meter Distanz messen und blendete den Wert im Sehfeld ein. Die konsequente Weiterentwicklung bei der Elektronik zeigt nun das Swarovski Modell dS der neuesten Generation.
Doch zunächst ein Blick auf die Daten zur konservativen Technik des Glases: Eine Länge von etwas über 400 mm, ein Mittelrohrdurchmesser von 40 mm und ein Gewicht von rund 1,2 kg in der Version mit Schiene ergeben ein recht massives, wuchtig wirkendes Zielfernrohr. Der Hersteller beziffert die Lichttransmission auf 83 Prozent, das Sehfeld beträgt 7,3 bis 1,5 Meter, bezogen 100 Meter Distanz.

Die 5- bis 25-fache Vergrößerung bei einem Objektivdurchmesser von 52 mm erlaubt einen universellen jagdlichen Einsatz. Die optischen Linsen sind hochwertig gefertigt und vergütet. Die Zoom-Verstellung erfolgt über einen griffigen Ring vor dem drehbaren Okular, dieses ermöglicht die Schärfeeinstellung von -3 bis +2 Dioptrien. Mittig sitzt oben drauf der Batterieturm mit Schraubdeckel, neben der CR123-Batterie befindet sich dort das Werkzeug zum Verstellen des Absehens. Die dazu nötige Mechanik befindet sich unkonventionell im Objektivbereich, geschützt durch zwei flache Aluminium-Schraubdeckel. Sind diese durch den Vielzahnschlüssel aus dem Mittelturm geöffnet, ist der Weg frei zum Verstellen. Das geht nur per Stellschlüssel (auch im Mittelturm; der Lieferumfang umfasst einen weiteren, größeren, ergonomisch angenehmeren Schlüssel). Die Stellskalen sind leicht und klar zu lesen, die Klicks rasten sehr sauber. Ein Klick verstellt Absehen respektive Zielpunkt um 7 mm bei 100 Meter Entfernung. Seitlich mittig am ZF sitzt die Parallaxen-Einstellung ab 50 Meter bis Unendlich, eine Raste definiert die 100-Meter-Einstellung. Der gasgefüllte ZF-Körper besteht aus einer hochwertigen, schwarz beschichteten Alu-Legierung. So weit so gut.

Rößler Titan mit Swarovski-ZF dS
Im Test kam das Swarovski dS 5 – 25 x 52P mit einer EAW-Blockmontage "Blue Line" auf eine Rößler Titan 6 in .308 Winchester mit Hausken-Schalldämpfer JD151 XTRM.
Okular von oben
Direkt am Okular und damit stets in Reichweite einer Hand befinden sich die Druckknöpfe zur Einstellung des Swarovski- dS-Zielfernrohrs.

Das Herzstück des Swarovski dS ist die smarte Elektronik, bedient über drei Tasten oben auf dem Okular. Mittig befindet sich eine Drucktaste zum Einschalten des Entfernungsmessers. Dann erscheint eine Zielmarkierung als Leuchtkreis, nach dem Messen sieht das Auge die ermittelte Entfernung sowie die ballistischen Daten ins Absehen eingespiegelt. Bei den ballistischen Daten kommt die Smartphone App ins Spiel, über sie erhält das Zielfernrohr die benötigten Daten der verwendeten Munition. In der App befinden sich ballistische Daten zu nahezu jeder Art von Fabrikmunition, von A wie „A-Square“ bis W wie „Wolf“. Neben diesen Fabrikdaten lassen sich auch frei erstellte und / oder gemessene ballistische Daten etwa von handlaborierten Patronen einpflegen.

Screenshot App
Aus der Swarovski-App zum dS-Zielfernrohr: Zunächst werden die statischen Daten zum ZF, zum Kaliber und Munitionsangaben wie etwa das Geschossgewicht gespeichert. Dann erfolgt die Berechnung.
Grafik Zielbild
Swarovski dS: Das Absehen mit Angabe zu Geschossgeschwindigkeit, Auftreffenergie, Flugzeit, gemessener Entfernung und mit der Haltemarke (Bildschirmfoto aus der App).

Im noch weiter gehenden Expertenmodus können auch Werte zu Temperatur, Luftdruck und weiteren Parametern einbezogen werden. Sind die Munitionsdaten via Bluetooth im ZF, kann der ballistische Rechner das Herzstück der Funktion ansteuern – die auf Grundlage der gemessenen Distanz berechnete und ins Absehen eingespiegelte Zielmarke. Außer der Distanz basiert die Berechnung auch auf dem Geländewinkel, wichtig nicht nur bei der Bergjagd. Der integrierte Entfernungsmesser misst von 30 bis 1.375 Meter, die Haltepunktkorrektur erfolgt auf bis zu 1.025 Meter. Neben der eingespiegelten Zielmarke lassen sich weitere Informationen im Zielbild anzeigen, je nach gewünschter und per App gesteuerter Konfiguration etwa eine Verkanntungsanzeige sowie Flugzeit,  Auftreffenergie, Geschwindigkeit des Geschosses bis und im Zielpunkt. Daneben kann der Anwender das Leuchtabsehen in Art, Stärke und Ausführung anpassen. Die Minus- und Plustaste auf dem Okular erlaubt das Bedienen des Leuchtabsehens. Auto-Abschaltung sowie „Sleep“-Modus bringen Komfort und längere Batterie-Lebensdauer.

Unser Test: Was bringt „smart“ beim Swarovski dS  tatsächlich?

Justierung Trefferlage
Das Innenleben des Swarovski dS-Zielfernrohrs: Mechanische Absehenverstellung in Höhe und Seite, davor die Abdeckkappen, Schlüssel zur Absehenverstellung, rechts unten der Batterieturmdeckel.

Doch grau ist alle Theorie – hier folgt die Praxis: Testbasis war eine Rößler-Repetierbüchse Titan 6 in .308 Winchester mit Hausken-Schalldämpfer JD151 XTRM. Das Testglas hatte die Swarovski-Montageschiene, Schnittstelle zur Picatinny-Schiene der Waffe bildete eine EAW-Blockmontage mit Schnellspannhebel. Vor dem Standbesuch zum Einschießen luden die Prüfer aus dem Playstore die kostenlosen „dS Configurator“-App herunter. Nach Übertragen der gewünschten Konfiguration und Auswahl der verwendeten Munition via Bluetooth zum ZF konnte es losgehen. Anders als beim üblichen jagdlichen Einschießen mit Hochschuss muss man zur tadellosen Funktion des ballistischen Rechners das ZF auf 100 Meter „Fleck“ einschießen. Die sauber rastende Seiten- und Höhenverstellung erlaubte dies mit wenigen Schüssen, erleichtert durch die 25x-Vergrößerung. Das übliche „Quadrat“- oder „Box“-Schießen zum Check der Stellmechanik entfiel. Die Tester prüften die Wiederholgenauigkeit per Kollimator – Ergebnis: absolut fehlerfrei.

Kältekammer mit ZF
Das Zielfernrohr Swarovski dS 5 – 25 x 52P nach zwei Tagen bei minus 18 Grad: Alle Verstellungen funktionieren leichtgängig.
Batteriefach von oben
Geöffneter Batterieturm des Swarovski dS 5 – 25 x 52P mit dem darin enthaltenen Werkzeug und der CR-Batterie.

Im geschlossenen 100-Meter-Stand zeigte das ZF ein klares, helles und kontrastreiches Bild in allen Zoom-Stufen. Freilich muss man wie stets bei hohen Vergrößerungen auch in diesem Fall mit einem physikalisch unumgänglichen Handicap leben: Als sich Lauf und Schalldämpfer erwärmten, gab es nach wenigen Schüssen deutliche Hitze- respektive Mirageschlieren im Zielbild. Blieb die Frage: Funktioniert die automatische Korrektur auch jenseits der 100-Meter-Marke? Ab ins Revier. In einer Talsenke mit natürlichem Kugelfang gaben die Tester sichere Kontrollschüsse auf 175 und 250 Meter ab. Deutlich war die korrigierte Haltemarke im Absehen ersichtlich. Die Elektronik verrichtete auch hier ihre Aufgabe perfekt: Auf beide Distanzen war der Haltepunkt mit dem Geschosseinschlag auf der Scheibe identisch. Im weiteren Jagdeinsatz zeigte sich zu diversen Tageszeiten bis in die Dämmerung die hohe Qualität der Optik in Form eines hellen und rundum klaren Zielbildes. Das Leuchtabsehen ist perfekt dimmbar und erlaubt bei fortschreitender Dämmerung ein „langes Sitzen“ nicht nur in klaren Vollmondnächten.

Testfazit: Das Swarovski dS-Zielfernrohr konnte voll überzeugen

Das Swarovski dS bewährte sich im Test rundum, auf dem Schießstand wie auch im jagdlichen Gebrauch während der gesamten Erprobungszeit. Die durchaus emotionalen Urteile der von uns befragten Jäger und Schützen zu dem Glas rangierten von „elektronischer Schnickschnack“  bis „Unbedingt Haben Wollen“. Einige sahen die Gefahr, dass Optiken mit so viel Elektronik zu „unwaidmännischen“  Schüssen auf weite Distanz verleiten würden. Unsere Meinung dazu: derart leichtsinniges Schießen verantwortet immer die Person am Abzug und nicht die jeweilige Technik. Denn ohne Frage erleichtert das Swarovski dS die Jagd bei wechselnden Entfernungen in offenen Revieren und ermöglicht dank der Technik den sicheren Schuss auf weite Distanzen enorm. Es ist kein manuelles Verstellen des Absehens über das Zählen von Klicks vonnöten, auch erfordert der Geschossabfall kein Kompensieren über komplizierte Absehen mit Entfernungsmarken. Insbesondere im Gebirge spielt die Elektronik bei Berg- und Talschüssen und dazu weiten Schussentfernungen ihre Stärken voll aus. Bleibt der Preis. Eine UVP von 4.370 Euro ist kein Pappenstiel, aber völlig gerechtfertigt durch hochwertige Optik und innovative smarte Steuerung.

Weitere Information zu den Swarovski dS Modellen gibt es auf der Website des Herstellers.