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Test: Haenel CR 223 - Halbautomat im AR-15 Stil

Seit der Neugründung im Jahr 2008 war die Firma C. G. Haenel eher für ihre Jagd- und Sportrepetierer bekannt. Inzwischen hat die Suhler Waffenschmiede ihr Sortiment allerdings um das "Competition Rifle" 223 erweitert, einen Selbstlader mit Pistonsystem auf Basis des AR-15. Aktuell handelt es sich bei der neuen Baureihe CR 223 zwar um das einzige und erste Selbstladegewehr für den zivilen Markt aus dem Hause Haenel. Traditionell ist der Name aber schon länger mit automatischen Waffen verbunden. In den Fabrikhallen der Suhler fertigte man nämlich bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Sturmgewehre des Typs 44. Um einen solchen Vollautomaten handelt es sich beim CR 223 natürlich nicht. Es ist vielmehr ein ziviler, halbautomatischer Ableger der AR-15-/M16-Waffenfamilie mit Kurzhub-Pistonsystem. Inwieweit die CR 223-Oberteile als Wechselsystem mit den Gehäusen von anderen Herstellern kompatibel sind, wird von Haenel derzeit allerdings noch geprüft.

Test: Haenel CR 223
Haenel erweitert das Sortiment mit der Selbstladebüchse CR 223
Haenel CR 223 zerlegt
Das Haenel CR 223 verwendet anders als bei einem klassischen AR-15 ein Pistonsystem. Der Quadrail-Handschutz lässt sich über einen Hebel in Sekunden vom Gehäuse trennen.

Haenel CR 223 - die Technik


Wie die überwiegende Mehrheit aller modernen Selbstlader in Zentralfeuer-Ausführung, funktioniert auch das Haenel CR 223 als Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss. Anders als bei einem klassischen AR-15-Design strömen die im Lauf abgezapften Treibmittelgase aber nicht über ein Rohr direkt auf den Verschlussträger (DI: Direct Impingement), sondern auf eine kurze Pistonstange. Deren Bewegungsimpuls drückt dann den Verschlussträger nach hinten. Und löst so die Verriegelung. Pistonsysteme blasen konstruktionsbedingt weniger Schmutz in das Gehäuse, als bei direkter Gasübertragung. 

Die Bedienung des CR 223 entspricht bis auf die Option, die Waffe auch entspannt zu sichern, einem konventionellen AR-15. Die kaltgehämmerten Läufe stammen aus Suhler Fertigung, genauso wie die meisten Kleinteile mit Ausnahme einiger Federn und Ähnlichem. Innen hartverchromte Rohre gibt es bei den Zivilmodellen von C.G. Haenel nicht. Die CR 223-Verschlüsse beschichtet das Unternehmen mittels Cerakote-Verfahren.

Haenel CR 223 - Ausstattung


Das Duralgehäuse zeigt zwar äußerlich in seiner Linienführung vor allem am Lower Receiver dezente moderne Akzente, aber in Abmessungen und Technik entspricht alles, was nicht direkt etwas mit dem Gasdrucksystem oder dem Verschluss zu tun hat, einem "normalen" AR-15. Entsprechend sind die Komponenten mit Teilen anderer Herstelller austauschbar – also auch etwas für den Tuningmarkt. Sie sollten aber ein Fan von kurzen Quadrail-Vorderschäften sein.

Der CR 223-Handschutz mit seinen vier Picatinnyschienen (nach MIL-STD M1913 beziehungsweise NATO Stanag 2324) ist blitzsauber verarbeitet und lässt sich über einen Hebel ohne zusätzliches Werkzeug in Sekundenschnelle demontieren. Einen alternativen Handschutz für die Haenel-Selbstlader gibt es zur Zeit allerdings nicht. Die Suhler Waffenschmiede bietet den Vorderschaft unabhängig von der Lauflänge des Gewehrs nur in einer einzigen Version an. Weitere Handschutzvarianten sind bei Haenel zwar angedacht, aber diesbezüglich werden Sie sich wohl erst einmal in Geduld üben müssen. Pistolengriff, Hinterschaft und die Magazine der beiden Testwaffen stammten von Oberland Arms, wobei die 30er Magazine mit dem Aufdruck "Haenel" gekennzeichnet waren. 

Bis auf die gummierte Oberfläche entspricht der Pistolengriff in Form und Handling einem normalen A2-Griff. Der vergleichsweise massiv gehaltene und gut verarbeitete Teleskop-Hinterschaft bietet mehrere Durchbrüche für einen Riemen. Buchsen für Schnellverschluss-Riemenbügelösen gibt es noch dazu.

Test: Haenel CR 223
Haenel CR 223: Die Verschlüsse des CR 223 Selbstladers werden durch eine Cerakote-Beschichtung vor Korrosion geschützt.
Test: Haenel CR 223
Haenel CR 223: Das Aimpoint-Leuchtpunktvisier gehört nicht zur Grundausstattung des Haenel-Selbstladers, wohl aber eine mechanische Visierung.
Test: Haenel CR 223
Der Handschutz der Haenel CR 223 greift zwecks Stabilisierung im Bereich der 12-Uhr-Picatinny-Schiene in das Verschlussgehäuse (upper receiver).

Die Längsverstellung erfolgt über eine in den Kolben eingelassene Taste. Die aufklappbare Notvisierung stammt bei den Testexemplaren noch vom US-Hersteller A.R.M.S. und besteht teilweise aus Plastik. Wie bei vielen AR-15-Visierungen bietet die Kimme zwei Lochkimmenblätter mit unterschiedlich großen Öffnungen. Zukünftig ist es aber gut möglich, dass Haenel die CR 223 mit einer anderen mechanischen Visierung ausstattet.

Übermäßig viele Varianten der CR 223 offerieren die Suhler aktuell noch nicht. Das Gewehr ist in den Lauflängen 14,5 Zoll (368 mm), 16,5 Zoll (420 mm) und 12,5 Zoll (318 mm) zu haben, jeweils mit dem gleichen Gasdruck-System und dem gleichen Quadrail-Handschutz in Carbine-Länge. Zusätzlich findet sich in der Anleitung noch der Hinweis auf eine Version mit 254 mm kurzem Rohr (10 Zoll). Letztere zeichnet sich neben dem extrakurzen Lauf auch durch den 1/7-Zoll-Drall aus, während die drei längeren Zivilversionen des CR 223 über einen 1/9-Zoll-Drall verfügen. Allerdings scheiden die 10-, 12,5- und 14,5-Zoll-Varianten für Sportschützen von vornherein aus, da ihre Lauflänge für sportliche Zwecke zu kurz ist (AWaffV §6 (1)2a). 

Sehr positiv fielen bei den beiden Testexemplaren die trocken auslösenden Direktabzüge auf. Subjektiv fühlten sich die Auslösegewichte von rund drei Kilogramm deutlich leichter an – für einen AR-15-Standardabzug waren sie sehr ordentlich. Wer einen leichteren Abzug bevorzugt: Auf der diesjährigen IWA wurde auch erstmals ein "Feinabzug" aus eigener Fertigung präsentiert  – laut Hersteller liegt dessen Auslösegewicht bei rund 1.500 Gramm. Außerdem präsentierte Haenel in Nürnberg auch weitere Versionen des Selbstladers: eine rote zum Handlingstraining (CR 223 Manipulation), eine blaue Übungswaffe, speziell für Farbmarkierungspatronen in .223 und eine Desert-Ausführung in RAL 8000. Ansonsten gibt es natürlich auch noch den Klassiker: schwarz.

Haenel CR 223 in blau
Bei den blauen und roten Farbvarianten des Haenel CR 223 handelt es sich nicht um trendige Sportversionen, sondern um Trainingsmodelle für Behörden und das Militär.
Haenel CR 223 im Farbton RAL 8000
Üblicherweise kommt die Haenel CR 223 komplett in schwarz. Neuerdings offeriert das Unternehmen die Waffe alternativ aber auch im Farbton RAL 8000.
Test: Haenel CR 223
Auf dem Schießstand wurde die Haenel CR 223 mit 420-mm-Lauf in .223 Rem. getestet

Auf dem Schießstand:


Für die 100-Meter-Bahn ersetzte ein 3-12fach vergrößerndes Zielfernrohr von Bushnell auf einer gekröpften Milmont-Montage von MAK das mitgelieferte Aimpoint der 16,5"-Version. Funktionsstörungen traten beim Schießen nicht auf, die Waffe funktionierte mit allen Patronensorten inklusive Teilmantelpatronen und der Tulammo-Laborierung mit Stahlhülse einwandfrei. Die im CR 223 verwendeten Magazine stammten von Hera Arms sowie aus Colt-Fertigung, neben den mitgelieferten Oberland Arms-/Haenel-Magazinen. Probleme bereitete unabhängig vom Hersteller keines der Magazine. Den besten Streukreis des Tages von 17 mm für fünf Schuss auf 100 Meter Entfernung erreichte die Testwaffe mit der 52-Grains-Matchking-Laborierung von Sellier & Bellot, wobei der durchschnittliche Streukreis dieser Sorte bei knapp über 20 mm lag. Ansonsten verhielt sich die Haenel CR 223 im Schuss völlig unauffällig – der Rückstoß bleibt dem Kaliber entsprechend angenehm leicht. Für den Einsatz in Verbindung mit einem großen Zielfernrohr mit 56er Objektivdurchmesser könnte der Schubschaft subjektiv ruhig etwas höher ausfallen. Aber für den Einsatz mit der offenen Visierung oder einer in der Bauhöhe entsprechenden Optiklösung passte alles.

Haenel CR 223 Test-Fazit von VISIER


Wer nach einem AR-15-Ableger mit Shortstroke-Pistonsystem und Quadrailhandschutz sucht, für den bietet das Haenel CR 223 eine interessante Alternative mit einem absolut konkurrenzfähigen Verhältnis von Preis und Leistung. Das HK MR 223 kostet je nach Ausführung deutlich mehr als das CR 223, während das SIG M 516 preislich nahezu gleichauf mit dem Selbstlader aus Suhler Fertigung liegt. Die unverbindliche Preisempfehlung des Haenel CR 223 liegt bei 1.989,- Euro.


Weitere Informationen zur halbautomatischen Selbstladebüchse Haenel CR 223 finden Sie direkt auf der Webseite von C. G. Haenel.

Hier finden Sie einen weiteren Test des Haenel CR 223 Selbstladers von caliber.

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HAENEL CR 223
Technische Daten

Haenel-CR223-DatenBignami S.p.A.



HerstellerC. G. HAENEL
Modell"Competition Rifle" CR 223
Typhalbautomatische Selbstladebüchse
Kaliber.223 Remington
System

halbautomatischer Gasdrucklader mit Kurzhubgaskolbensystem und Drehkopfverschluss mit 7 Verriegelungswarzen 

AbzugDirektabzug, wahlweise Matchabzug, eingestellt auf 3.350 Gramm Abzugsgewicht
Sicherung

Beidseitig am Griffstück vorhanden, wirkt auf Abzug/Schlagstück und kann auch im entspannten 

Zustand aktiviert werden

Kapazität10 Patronen 
Lauf

16,5“ (420 mm) langer, kalt gehämmerter Standardlauf mit 6 Züge/Felder-Profil und 1-9“ Dralllänge sowie Mündungsgewinde M14x1 und Mündungsfeuerdämpfer im klassischen Vogelkäfig-Design

Visierung

Montageschiene für Optik auf Systemkasten/Handschutz, mechanische Klappvisierung von A.R.M.S. gehört zur Grundausstattung

Gesamtlänge845 mm bis 930 mm (bei ein- und ausgefahrener Schulterstütze)
Gewicht (leer)3.600 g
Preis1.989,- Euro - Haenel CR 223 (UVP)
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