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IPSC Infinity Open 2015

Unendlicher Schießspaß: Bei der weltweit beliebten Infinity Open 2015 schickten 379 Schützen aus 22 Ländern rund 137.500 Projektile in Richtung der multiplen Zielmedien. Hier die hübsche US-Topschützin Tori Nonaka vom Team Glock in Action.

04.08.2015 -

Wieder einmal gab sich die Crème de la Crème der internationalen IPSC-Szene ein Stelldichein bei einem der beliebtesten Match im europäischen Wettkampfkalender – dem IPSC Infinity Open 2015.

Das Team von all4shooters.com // Marijan Loch (caliber)

Am Pfingstwochenende vom 22. bis 24. Mai schickten insgesamt 379 Schützen aus 22 Nationen mehr als 137.500 Projektile auf den insgesamt 19 Stages mit ihren 363 Wertungsschüssen in die Kugelfänge der allseits bekannten Schießsportanlage im baden-württembergischen Philippsburg. Und trotz dieser gigantischen Dimensionen präsentierte sich die Infinity Open auch in diesem Jahr organisationstechnisch von ihrer besten Seite. Die Leichtigkeit, mit der das Team rund um Patrick Kummer und Jürgen Öffner das Match jedes Jahr durchführt, lässt dabei fast vergessen, was für ein organisatorischer Großaufwand hinter einem Match dieser Dimension steckt. 

IPSC-Match: Kein Weg zu weit 


Nicht ohne Grund also, dass sich dieses Match für viele IPSC-Schütze in ganz Europa zu einem Pflichttermin im Kalender gemausert hat. Doch auch außerhalb hat das Match mittlerweile seine festen Anhänger, so dass Teilnehmer unter anderem aus USA, Kanada, Südafrika, Argentinien, Israel oder Russland gesichtet wurden. Neben einigen amerikanischen Spitzenschützen beehrten auch in diesem Jahr wieder unzählige europäische Top-Schützen die Matchveranstalter mit ihrer Anwesenheit und suchten den Schlagabtausch mit der Konkurrenz. So fanden sich unter anderem Namen wie Eric Grauffel, Chris Tilley, Saul Kirsch, Marina Guschina oder Angus Hobdell in der Starterliste. Natürlich durfte alles, was in Deutschland Rang und Namen hat, bei diesem hochkarätigem Match nicht fehlen. Es verwundert einen daher nicht sonderlich,  dass das Match wieder einmal in Rekordzeit ausgebucht war, der Server der Online-Registrierungsplattform hierbei an seine Belastungsgrenzen geriet und alleine mit der Warteliste ein zweites Match veranstaltet hätte werden können. 

Schützen-Squad beim Briefing durch den Range Officer. Nach einem trockenen Durchgang, dem sogenannten „Walktrough“, wird es dann Ernst. Die Schützen starten dann „im scharfen Schuss“ nach aufgerufener Reihenfolge.
Schützen-Squad beim Briefing durch den Range Officer. Nach einem trockenen Durchgang, dem sogenannten „Walktrough“, wird es dann Ernst. Die Schützen starten dann „im scharfen Schuss“ nach aufgerufener Reihenfolge.

Infinity Open: Unter- und Überforderung


Hinsichtlich der Parcoursgestaltung nahm die Infinity Open und auch ihr Vorgänger namens STI Open seit jeher eine Ausnahmestellung ein und bot Stages fernab des Üblichen. Hierbei wurde manchmal auch schon über das Ziel hinausgeschossen – man erinnere sich nur an die 40 Meter-Pendelscheiben in 2013. Jedenfalls haben sich die Veranstalter und ihre zahlreichen Helfer immer eine enorm große Mühe beim Design und der späteren Umsetzung gegeben. Hiervon macht die Infinity Open 2015 auch keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil. Denn jedenfalls nach Ansicht des Autors gehört das diesjährige Match in puncto Stages zu den besten Infinity Open bisher. 


Die Stages ließen sich flüssig schießen, riefen ein weites Feld an Schießfertigkeiten ab, der Schwierigkeitsgrad wusste zu überzeugen und zu guter Letzt boten sie obendrein jeden Menge Spaß. Dass der Autor mit seiner Meinung nicht ganz alleine dasteht, beweisen die unzähligen Glückwünsche zum gelungenen Match in den diversen sozialen Medien. Sicherlich strotzten die Stages nicht wie in den vergangenen Jahren vor Technik, weshalb sich der ein oder andere auch dazu hinreißen ließ, die diesjährige Ausgabe als einfach abzutun. Am Ende wollen aber auch Matches ohne Zirkuseinlagen sauber nach Hause geschossen werden und so kam häufig die Ernüchterung am Sonntagabend, dass das Match doch nicht so einfach war. Wie gesagt, für uns hat die diesjährige Infinity Open mehr als deutlich gezeigt, dass man ein tolles Match auch mit weniger Technik auf die Beine stellen kann.

Perfekte Parcours in der IPSC Infinity Open

Praxiserfahrung punktet: Matchorganisator Patrick Kummer in Action in der Classic Division, das Zuhause der traditionellen 1911er-Pistolen mit schlankem Griffstück für einreihige Magazine.
Praxiserfahrung punktet: Matchorganisator Patrick Kummer in Action in der Classic Division, das Zuhause der traditionellen 1911er-Pistolen mit schlankem Griffstück für einreihige Magazine.

Nun aber zu einigen Highlights des diesjährigen Stagedesigns: Hervorzuheben ist etwa Stage 3. Ein Short Course mit 12 Schuss, bei dem die Raffinesse in zwei fahrenden Plates bestand. Nach dem Start musste zunächst die Waffe fertiggeladen und auf dem Weg zur vorderen Schießpositionen zwei IPSC Papierscheiben beschossen werden. Anschließend wurden durch einen IPSC Popper die zwei fahrenden Plates mit einem Durchmesser von 20 cm ausgelöst. Wer hier zur schnellen Sorte gehören wollte, beschoss jedoch nach dem Auslösen erst noch einen weiteren Popper sowie zwei Papierscheiben. Für den Fall, dass die Plates während der Fahrt nicht getroffen wurden, konnten diese am Ende ihrer Fahrtstrecke noch einmal durch ein weiter vorne gelegenes, tiefes Fenster nachgeschossen werden.

Gregory Midgley eroberte im Kampf um Millisekunden und Prozentpunkte den dritten Rang in der Standardklasse.
Gregory Midgley eroberte im Kampf um Millisekunden und Prozentpunkte den dritten Rang in der Standardklasse.

Besonders einfallsreich war auch Stage 11, ein Medium Course mit 22 Schuss. Denn um die Schützen dazu zu nötigen, einhändig zu schießen, wurde eine Seilstrecke unter den Hochblenden befestigt, an der eine Handschlaufe geführt wurde, welche während der Schussabgabe fest mit der schussschwachen Hand gehalten werden musste. Zudem mussten die einzelnen Schießpositionen noch entlang eines geschlungen, erhöhten Steges angelaufen werden. 


Richtiges Timing war hingegen bei den Stages 8 und 15 gefragt. Bei Stage 8, einem Medium Course mit 21 Schuss, wurden über zwei am Boden liegende Druckplatten sowie einen Popper auf- und abtauchende Papierscheiben sowie Stahlscheiben an drei verschiedenen Positionen ausgelöst. Stage 15 war ebenfalls ein Medium Course mit 24 Schuss, aufgebaut auf einem der großzügigen 50 Meter Stände. Hier galt es, in den ersten beiden Schießpositionen jeweils zwei sogenannte "Bear Traps" erfolgreich zu meistern. Ausgelöst durch einen Popper, klappten zwei Strafscheiben (No-Shoot Scheiben) kurz zur Seite weg und gaben die dahinterliegenden Wertungsscheiben frei. Wer es nicht schaffte, innerhalb dieses durchaus  sportlichen Zeitfensters die vier Treffer zu platzieren oder gar mit einer Störung zu kämpfen hatte, musste jedoch nicht unweigerlich Fehlschüsse in Kauf nehmen, da jeweils ein schmaler Streifen der Wertungsscheiben sichtbar blieb. 

Classic-Champion: US-Amerikaner Brent Lorton gewann die Classic Division.
Classic-Champion: US-Amerikaner Brent Lorton gewann die Classic Division.

Doch die Infinity Open 2015 stellte nicht nur die bloßen Schießfertigkeiten auf den Prüfstand, denn bei Stage 4 war obendrein das Gedächtnis gefragt. Bei diesem 22 Wertungsschüsse umfassenden Medium Course waren die insgesamt zehn Papierscheiben und zwei Popper zum Teil aus mehreren Schießpositionen mehrfach, zum Teil jedoch nur aus einer bestimmten Position sichtbar, so dass es für ein gutes Ergebnis entscheidend darauf ankam, mit möglichst wenig anzulaufenden Positionen alle Ziele beschießen zu können. 

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