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Heckler & Koch liefert das G28 als „U.S. Army Sniper Rifle"

Heckler & Koch G28 Scharfschützengewehr der Bundeswehr

27.04.2016 - Das deutsche Unternehmen aus Oberndorf hat aktuell die Ausschreibung des "U.S. Army Sniper Rifle" gewonnen. Das G28 von Heckler & Koch ersetzt künftig das amerikanische M110 im Kaliber 7,62x51. Gesamtsumme des Auftrags: 44,5 Millionen US-Dollar innerhalb der nächsten zwei Jahre. Auf all4shooters.com erfahren Sie alle Details zu diesem Deal.

Das Team von all4shooters.com

Die deutsche Bundeswehr hat das Heckler & Koch G28 bereits im Einsatz. Der Vertrag besagt, dass innerhalb der beiden folgenden Jahre auch die U.S. Army mit diesem Gewehr ausgestattet wird. Dem Vernehmen nach sollen insgesamt 3.643 G28-Selbstladegewehre als sogenannte „Compact Semi-Automatic Sniper System“ (CSASS)-Einheiten mit Tageslichtoptik und Schalldämpfer für 44,5 Millionen US-$ innerhalb der nächsten zwei Jahre beschafft werden. 

Das Heckler & Koch G28 der deutschen Bundeswehr:

Das G28 ist das aktuellste „Designated Marksman Rifle“ (DMR) Selbstladegewehr im Mittelkaliber 7,62x51 mm NATO der deutschen Bundeswehr. Im Rahmen eines „Einsatzbedingten Sofortbedarfs“ hatte Heckler & Koch bereits im Dezember vor fünf Jahren 560 halbautomatische Präzisionsgewehre G28 für die kämpfende Truppe in Afghanistan geliefert. Das G28 löst damit das G3A3ZF-DMR ab, das im Dezember des Vorjahres als innerhalb von nur sechs Monaten realisierte Zwischenlösung für die deutschen Soldaten im Auslandseinsatz ausgeliefert wurde. Das G3A3ZF-DMR ist die letzte, im Dienst befindliche Version des betagten Klassikers mit beweglich abgestütztem Rollenverschluss, der einst 1959 bei der Bundeswehr eingeführt wurde. Es besitzt besondere Ausstattungsmerkmale wie eine verstellbare HK MSG90 Schulterstütze, Handschutz mit Picatinny Montageschiene, Harris-Zweibein und Schmidt & Bender Zielfernrohr 3-12x50 PMII-DMR mit Wabenfilter. Das weitaus modernere G28 in Komplettausstattung wurde konsequent als Gesamtsystem mit voller Nachtkampffähigkeit konzipiert, das ganz im Stile des legendären PSG1 aus gleichem Hause neue Maßstäbe im Reich der halbautomatischen Präzisionsgewehre setzen soll.

Der Aufbau des Heckler & Koch G28 und des zivilen MR308:

Das G28 in 7,62x51 mm NATO basiert auf dem zivilen Heckler & Koch Selbstladegewehr MR308 in .308 Winchester. Aufgrund der nachgewiesenen überlegenen Trefferleistung wurde das halbautomatische MR308 und nicht die vollautomatische Unterstützungswaffe HK417 (G27) als Fundament für das G28 auserkoren. Sowohl das MR308 als auch das G28 arbeiten mit einem indirekten Gasdruckladesystem mit Kurzhubgaskolbensystem und Drehkopfverschluss mit sieben Verriegelungswarzen. Beide Gewehre besitzen einen 420 mm langen, kalt gehämmerten, frei schwingenden Lauf mit vier Zügen/Feldern und Drall-Länge von 1-12“ (305 mm), was gegenüber dem G27 mit 1-11“ Drall (280 mm) eine bessere ballistische Abstimmung  zwischen DMR-Gewehr und NATO-Munition erlaubt. Das Innenleben des G28-Laufes ist verchromt, jedoch nicht gehärtet, was bei reinem Einzelfeuer eine sehr hohe Lebensdauer gewährleistet. Der Übergangskegel wurde auf das absolute Minimalmaß reduziert und das Patronenlager mit Gasentlastungsrillen sowie der Mündungsfeuerdämpfer ebenfalls optimiert, um maximale Präzision sicherzustellen. Ein in Zusammenarbeit zwischen B&T AG aus der Schweiz und Heckler & Koch entwickelter, rund 750 Gramm schwerer Schalldämpfer kann ohne Werkzeug auf den Mündungsfeuerdämpfer montiert werden, was eine Schallreduzierung von etwa 25 dB ermöglicht. Für das Schießen mit und ohne Flüstertüte ist das G28 im Gegensatz zum MR308 mit einer verstellbaren Gas-Düse mit zwei Positionen ausgerüstet. Bei der G28 Standardausführung befindet sich links im langen Leichtmetall-Handschutz ein seitlicher Schlitz, durch den mit Universalwerkzeug (das wiederum in einem Stau-Fach im Pistolengriff untergebracht ist) die Gasverstellung betätigt werden kann. Bei der G28 Patrouillenversion mit kurzem Handschutz kann die Gasentnahmeeinheit ohne Werkzeug von vorne verstellt werden. Der wohl markanteste Unterschied zwischen dem zivilen MR308 (aber auch HK417/G27) und militärischem G28 ist der, dass das obere Systemgehäuse beim MR308/HK417 aus Aluminium, beim G28 aber aus Stahl besteht, woraus eine Gewichtszunahme von rund 600 Gramm resultiert. Der stählerne „upper receiver“ sorgt für eine konstantere Presspassung des schweren Laufes im Dauergebrauch, verbesserte Verschlusslaufeigenschaften und Erhaltung der Geometrie der Montageschiene, selbst bei häufigen Optikwechseln. Das Griffstück des G28 besteht wie beim MR308 und G27 aus Leichtmetall und ermöglicht im Gegensatz zu den meisten AR-10/AR-15 Derivaten eine Aktivierung der Sicherung, auch wenn das Schlagstück entspannt ist, wodurch das Gewehr gesichert durchgeladen werden kann. Im „lower receiver“ sitzt eine Druckpunktabzugseinheit mit einem Abzugsgewicht von etwa 2.700 Gramm, um maximale Zündsicherheit bei Verwendung unterschiedlicher NATO Munitionssorten gewährleisten zu können. Der hintere, unverlierbare und patentierte Gehäusesteckbolzen schafft Minimaltoleranzen zwischen Griffstück und Systemgehäuse, was somit das bekannte AR-10/AR-15 Problem von zu viel Spiel zwischen „lower“ und „upper“ eliminiert. 

Heckler & Koch G28: Munition und Zubehör

Das G28 funktioniert nicht nur mit spezieller Präzisionsmunition, sondern auch mit 7,62x51 mm NATO-Standardmunition tadellos, um allen erdenklichen Einsatzszenarios gerecht zu werden. So mussten in der Vergangenheit beispielsweise Scharfschützen der US Special Forces während langen Feuergefechten MG-Munition entgurten, um mit ihren Präzisionsgewehren weiterhin agieren zu können. Das aktuellste DMR der Truppe verdaut auch kommerzielle, zivile .308 Winchester Munition nach CIP- oder SAAMI-Standard.


Ein Wort zur Munition: Im Rahmen der Werkstests wurden neben rund 50.000 Schuss AB22 NATO Munition auch mehr als 10.000 Schuss RUAG Swiss P Target 168 grains HPBT ohne eine einzige Störung verfeuert. Das G28 Standard ist mit einem Schmidt & Bender PM II 3-20x50 Tageslichtzielfernrohr mit aufgesatteltem Aimpoint Micro T-1 Leuchtpunktvisier und das leichtere G28 Patrouille mit einem Schmidt & Bender PM II 1-8x24 ausgestattet. Beide Zielfernrohre sind mit Laserschutzfilter, Wabenfiltern und Schnappkappen ausgestattet. Zum System gehört auch ein handgehaltener Laserentfernungsmesser Jenoptik HLR15 sowie das Rheinmettal Soldier Electronics Laser-Licht-Modul LLM01. Um maximale Nachtkampffähigkeit zu realisieren, wird das Präzisionsgewehr im Komplettsatz mit einer L3 Insight Thermaloptik CNVD-T3 und einem Restlichtverstärkervorsatz  Qiotiq Merlin LR (Long Range) an die Truppe ausgeliefert. Alle Montagen stammen vom renommierten, deutschen Hersteller Recknagel/ERA TAC und die Schraubverbindungen werden mit einem Drehmomentschlüssel mit 12 Nm angezogen. Heckler & Koch garantiert bei der Verwendung von Qualitätsmunition eine Mindestpräzision von 45 mm bei 10 Schuss auf 100 Meter.


Kommentar von all4shooters.com:

Nach all der Kritik am G36 von Heckler & Koch - der das Unternehmen immer mit Nachdruck wiedersprochen hat - ist das ein echter Lichtblick für den deutschen Hersteller. Der entscheidende Punkt, und darauf konnten sich viele Kritiker einigen, ist letzten Endes der Einsatzzweck, für den eine Waffe konzipiert ist. Beim G28 scheint das zu passen, denn nicht ohne Grund haben sich aktuell sowohl die Bundeswehr als auch die US-Army für genau diese Waffe entschieden.


Weitere Informationen finden Sie bei:

HECKLER & KOCH GmbH


Web: www.heckler-koch.com 

E-Mail: [email protected]

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