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Test: 1911er Pistole STI Europe Sparta 5.0 in 9 mm Luger und .45 Auto

Kaliber-Duo im Vergleich

Die nach der griechischen Mythologie benannte Sparta 5.0 gilt als Einsteigermodell bei den klassischen 1911ern von STI Europe. Bei einem Preis um 1.000,- Euro dürfen Sie sicherlich hinterfragen, was Sie hinsichtlich Verarbeitung und Schussleistung erwarten können. Die Kollegen von caliber haben die Pistolen in der Praxis getestet. 

Das Team von all4shooters.com // Tino Schmidt / caliber

Der Legende zufolge erreichten die Spartiaten Ruhm und Ehre durch ihre militärische Kampfkraft insbesondere in den Persienkriegen sowie im peloponnesischen Krieg. Weil man den Spartiaten eine gewisse Härte und aufs Wesentliche reduzierte, asketische Lebensweise nachsagt, hat sich der Begriff "spartanisch" für einfach und schlicht bis heute im Sprachgebrauch gehalten.


Somit ist die Namensgebung für die Sparta 5.0-Pistolenmodelle, die den günstigsten Einstieg in die vielfältige STI-Europe-Welt ermöglichen sollen, durchaus zutreffend. Bei Preisen ab der 1.000,- Euro-Marke stellt sich schnell die Frage: können Sie eher eine spartanische Ausstattung und Schussleistung oder einen echten Krieger erwarten? Dieser Artikel gibt die Antwort.

Die Testwaffen STI Europe Sparta 5.0 im Detail

Beide Modelle nebeneinander
Alles nur spartanisch? Die äußerlich durchaus attraktiven Pistolen-Modelle Sparta 5.0 sind der günstigste Einstieg in die 1911er-Welt von STI Europe.
Sicherung der Waffe
Eine beidseitige Sicherung der STI Europe Sparta sowie eine tief in die Verschlussoberseite eingelassene Mikrometerkimme gehören zur Grundausstattung.

Nach dem Öffnen der zwei roten Kunststoffkoffer waren wir recht schnell angetan von den Testwaffen. 


Die QPQ (Quenchen-Polieren-Quenchen)-Beschichtung, eine Art des Salzbad-Nitrocarburierens, ist gleichmäßig ausgeführt. Sie dürfte aufgrund ihrer Oberflächenhärte auch einer gewissen äußeren Beanspruchung, wie etwa das wiederholte Ziehen aus dem Holster, recht gut standhalten.


Die praxisgerechten G-10-Griffschalen vermitteln einen guten Grip. Sie harmonieren mit ihrer grauen Farbgebung bestens mit dem äußeren Erscheinungsbild. Die Single-Action-Ganzstahlpistolen im klassischen Government-Format sind wirklich edel.


Übrigens stammen die Hauptbauteile der Einsteigermodelle von einem Hersteller aus Asien. Dieser stellt auch für namhafte US-Firmen Komponenten in rationeller Großserienfertigung her.


Hier werden die Sparta 5.0-Modelle nach Vorgaben von Karl "Tscharlie" Prommersberger zum größten Teil vorgefertigt. Er ist der Kopf hinter dem Unternehmen STI Europe. Die einzelnen Komponenten setzen die Mitarbeiter dann im bayerischen Kühbach zusammen und die Pistole wird fachmännisch endmontiert.

Griffstück der Waffe
An der Frontseite des geschmiedeten Griffstücks der STI Europe Sparta befindet sich das sauber ausgeführte 30-lpi-Checkering, das zusammen mit den G-10-Griffschalen für hohe Schusskontrolle sorgt.

Das Griffstück wird dabei sogar geschmiedet, was angesichts des Preises erstaunt. Im Inneren finden Sie aber bei der genaueren Betrachtung die typischen Bearbeitungsmerkmale. An Teilen wie Hammer, Sear (Abzugssollen), Disconnector (Unterbrecher), Hammer-Strut (Hammerfeder-Übertragungsstange) sowie  Verschlussfanghebel deuten einige Zeichen auf eine Fertigung mittels Feinguss beziehungsweise MIM (Metal Injection Molding) hin.



STI Europe Sparta 1911er: Lauf und Abzug

In beiden Spartanern befindet sich übrigens ein schwerer Bull-Barrel-Lauf mit rund 18 mm Außendurchmesser an der Mündung. Im Kaliber 9 mm Luger bringt der Lauf satte 168 Gramm und in .45 ACP immerhin noch 132 Gramm auf die Waage.


Unterhalb des Laufes sitzt bei beiden Modellen eine mündungslange Federführungsstange. Sicherlich kein Novum, aber selbst Les Baer setzt heute immer noch auf den kurzen Federführungsstutzen des originalen John M. Browning-Entwurfs.

Lauf der Waffe
Der schwere Bull-Barrel-Lauf mit 18 mm Außendurchmesser an der Mündung der STI Europe Sparta 5.0.

Die Abzüge brachen sehr klar nach dem Druckpunkt. So löste die für das amerikanische Ur-Kaliber .45 ACP eingerichtete Sparta bei 1.269 Gramm aus, während die 9 mm Luger Variante 1.460 Gramm benötigte. 


Auch bei den weiteren Ausstattungsmerkmalen ging es ganz und gar nicht spartanisch zu. So sitzt tief im Verschluss eingelassen eine Mikrometervisierung von Kensight mit quergeriffeltem Kimmen-Blatt und Scheibenkorn, die ein sauberes Ziel-Bild liefert.


Abgerundet werden die Spartaner durch eine Handballensicherung mit weit auslaufendem Griffsporn. Ein Index-Buckel sorgt für eine hohe Schusshandposition. Die Sparta 5.0 Pistolen haben eine beidseitige Sicherung sowie zusätzliche Greifrillen im Mündungsbereich des Verschlusses.


Das einreihige Stahlblech-Magazin der 9 mm Luger Variante fasst 9 Patronen, das der .45er-Variante immerhin noch 8 der dicken Pillen. 

STI Europe Sparta 5.0 in 9 mm Luger und .45 Auto im Praxistest

Komplette Schießergebnis beider Testwaffen
Frei Hand nach DSB-Regelwerk reichte es nach dem ersten Einschießen sogar noch für 385 von 400 möglichen Ringen mit der STI Europe 1911 Sparta 5.0 in 9 mm Luger.
"Sparta"-Schriftzug der Waffe
Der stilisierte "Sparta"-Schriftzug ziert die linke Verschlussseitenfläche der Pistole.

Zuerst sollte die 9 mm Luger-Variante ihr Können unter Beweis stellen. Dazu verwendeten wir zwölf verschiedene Munitionssorten, darunter drei Handladungen, im Geschossgewicht-Bereich von 95 bis 147 Grains.


Das beste Ergebnis ging an unsere Handladung mit dem 125 Grains Hornady HAP Geschoss hinter 5,2 Grains Hodgdon Longshot und 30 mm, wobei 9 Schuss sogar auf 14 mm zusammenlagen! Den zweiten Platz belegte die Federal American Eagle mit 147 Grains FMJ und 44 mm. Sie zeigte damit, dass die Patrone, die auch aus anderen Waffen schon viele gute Ergebnisse zusammenbrachte, eine echte Alternative zu Hohlspitzpatronen darstellt. Gerade dort wo diese nicht verwendet werden dürfen.


Den dritten Platz sicherte sich die Magtech 95 Grains JSP mit 48 mm. Sie bringt allerdings den Nachteil mit sich, dass der Faktor/MIP zumindest aus Waffen mit 5“/127 mm Lauflänge ganz knapp an der Grenze angesiedelt ist. Der rechnerische Präzisions-Durchschnitt betrug 51 (50) mm, was sicherlich in Anbetracht des Preises in Ordnung geht.


Danach wanderte die .45er-Variante in die Schießmaschine: damit haben wir zwölf Laborierungen, davon vier Handladungen, im Gewichtsbereich von 185 bis 230 Grains erprobt. Das beste Einzelergebnis realisierten wir hier mit der GECO 230 Grains JHP mit 44 mm, gefolgt von der Magtech 230 Grains FMJ-SWC mit 46 beziehungsweise 34 mm ohne einen Ausreißer.


Den dritten Rang mit 50 mm sicherte sich die hart geladene Fiocchi 230 Grains JHP, die es mit 264 m/s auf einen satten Faktor von fast 200 Punkten brachte. Der Durchschnitt aller Laborierungen lag hier bei 60 (59) mm. Waffenseitige Störungen gab es während des rund 500 Schuss umfassenden Tests keine zu verzeichnen.


An einem anderen Tag auf dem Schießstand justierten wir die Visierung der Sparta in 9x19 mm nach unserem Auge genau ein und schossen damit einmal das klassische DSB Programm mit 40 Schuss durch. Mit der Federal American Eagle erreichten wir 189 Ringe bei der Präzision sowie 196 bei der Zeitserie. Mit 385 von 400 maximal möglichen Ringen sicherlich für die erste Bestandsaufnahme schon sehr zufriedenstellend!

Schießergebnis der Testwaffe
Die besten Ergebnisse im Kaliber 9mm Luger erreichten diesmal unsere Handladung mit dem Hornady 125 Grains HAP Geschoss hinter 5,2 Grains Longshot und 30 mm Streukreis.
Schießergebnis der Waffe im Kaliber .45 ACP
Die besten Ergebnisse in .45 ACP mit der STI Europe Sparta erreichten diesmal die GECO-Fabrikpatrone mit 230 Grains JHP Geschoss mit 44 mm Streukreis.

Technische Daten der STI Europe Sparta 5.0 Pistole

Hersteller:
STI Europe
Modell:
Sparta 5.0
Kaliber:
9 mm Luger (.45 Auto)
Magazinkapazität:
9 (8) Patronen
Griffstück:
Stahl schwarz QPQ- beschichtet
Verschluss:
Stahl schwarz QPQ beschichtet, 368 (372) Gramm
Lauflänge, Laufprofil:

126 mm, 6x Feld-Zug Profil, Rechtsdrall Zug-Felddiameter/Drall, Länge 9,09-8,88 mm (11,44-11,21 mm)

Kimme:
3,0 mm, Mikrometerkimme
Korn:
2,8 mm, Targetkorn
Visierlänge:
187 mm
Sicherung:
beidseitige Drehhebelsicherung am Griffstück
Abzugssystem, Widerstand*:
SA: 1.264 bis 1.632 Gramm, Durchschnitt: 1.460 Gramm (1.214-1.304, Durchschnitt: 1.269 Gramm)
Gesamtgewicht (incl. Magazin):
1.210 (1.172) Gramm
Maße (L x B x H):
219 x 148 x 37 mm
Preis: 
1.090,- Euro (UVP inkl. MwSt.)


* Mittel aus 5 Messungen mit der Lyman Digital Trigger Gauge


Die Waffe zerlegt in ihre Einzelteile
Die STI Europe Sparta 5.0 zerlegt in ihre Einzelteile.

STI Europe Sparta 5.0 in 9 mm Luger und .45 Auto - das Fazit

Die STI Europe Sparta 5.0 hinterlässt nach unseren gesammelten Erfahrungen einen sehr soliden Eindruck. Recht toleranzarme Passungen, kultivierter Abzug, Mikrometer-Matchvisier und rundum gelungene Ausstattung sind Attribute, die Sie nicht unbedingt bei einer so günstigen Waffe erwarten. Chapeau!


Wer etwas Mühe in die Munitionsauswahl investiert, wird sicherlich eine matchtaugliche Patrone finden. Somit verleihen wir den STI Europe Sparta 5.0-Pistolenmodellen das Prädikat "viel Waffe für wenig Geld".



Weitere Informationen zu Waffen von STI Europe finden Sie hier:

STI Europe - Büchsenmacherei Prommersberger

www.gunmaker.de

Den kompletten Artikel mit allen Schußleistungstabellen zum Test der STI Europe Sparta 5.0 in 9 mm Luger und .45 Auto gibt es in der Ausgabe von caliber 3/2017. Im VS Medien Online-Shop können Sie die Ausgabe bequem nachbestellen.


Hier finden Sie die digitale Ausgabe der caliber 3/2017.



Ein all4shooters-Beitrag von 


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