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Gebrauchtwaffen kaufen: Revolver aus zweiter Hand

Revolver Smith&Wesson 686 SSR Pro in .357 Magnum auf dem Schießstand.

Darf's auch ein Gebrauchter sein? Gerade für Anfänger im Sportschießen, insbesondere im Revolverschießen, eignet sich eine Gebrauchtwaffe bestens. Schließlich bieten gebrauchte Revolver in Top-Zustand beste Präzision und Funktionssicherheit – und zwar zu günstigen Preisen. Doch wie können Sie den Zustand einer Kurzwaffe bewerten?

Das Team von all4shooters.com // Text: Hamza Malalla und Andreas Wilhelmus / VISIER

Vor 10 - 20 Jahren waren Revolver oftmals der preiswerte Weg, um an eine präzise, gut verarbeitete und robuste Kurzwaffe zu gelangen. Da sich an Technik und Ausstattung von Revolvern in den letzten 50 Jahren außerdem nicht allzu viel getan hat, lohnt sich die Suche nach einer entsprechenden Gebrauchtwaffe durchaus. 


Der Hintergrund: Ein Qualitätsrevolver hält normalerweise viele tausend oder je nach Kaliber und Konstruktion auch viele zehntausend Schuss durch, bis er kostenintensiv gewartet oder gar ausrangiert werden muss. Allerdings sollten Revolver aus zweiter Hand nicht übermäßig beansprucht und ungepflegt sein.


Hinsichtlich Verschleiß spielen natürlich auch die verwendete Munition und häufig durchgeführtes Trockentraining eine Rolle. Revolver, in denen Pufferpatronen zum Einsatz kamen, sind dabei zu bevorzugen. Schließlich sorgen Pufferpatronen dafür, dass die Schlossmechanik und das Timing durch das Trockentraining nicht mehr als im scharfen Schuss beansprucht werden.

Revolver Smith & Wesson M 686 im Kaliber .357 Magnum für den Schießsport
Der sechszöllige Smith & Wesson M 686 im Kaliber .357 Magnum gilt bei vielen Großkaliber-Schützen als der Revolver für den Schießstand schlechthin. Zweifelsohne ist für Einsteiger ein gebrauchtes Exemplar eine gute Wahl.

Gebrauchte Revolver: Mängel auf den ersten Blick

Gebrauchter Revolver Colt Python im Kaliber .357 Magnum
Die Serienfertigung des Colt Python lief bis zum Jahr 1996. Noch heute gibt es Exemplare in Topzustand. Doch wie bewertet man den Zustand eines gebrauchten Revolvers?

Gerade Einsteiger in den Kosmos der Revolver nehmen am besten einen erfahrenen Schützenkollegen mit, wenn sie sich auf die Suche nach einem gebrauchten Exemplar machen – Sie sollten sich bereits für ein bestimmtes Modell entschieden haben. Viele Details an einer Waffe aus zweiter Hand kann ein Anfänger aber auch selbst prüfen: Eine perfekte Oberfläche wie aus der Fabrik mit einem höchstens minimal ausgeprägten blanken Schleifring zwischen den Nuten für den Trommelstopp deutet auf einen perfekt gepflegten, wenig geschossenen und kaum bespielten Revolver hin. Zumindest sofern die Oberfläche – Stainless Steel – nicht schon einmal aufpoliert oder die Brünierung erneuert wurden.


Verdächtig ist es immer dann, wenn trotz Hochglanz-Finish die eingravierten oder eingeprägten Beschriftungen flacher wirken oder gar schlechter lesbar sind. Dabei eignen sich Detailfotos des entsprechenden Modells etwa in Katalogen, Zeitschriften oder dem Internet als Referenzpunkte. Durch Handschweiß verursachte blanke Stellen oder kleine Rostnarben am Rahmen finden sich auch an vielen Exemplaren wieder, die zwar nicht sorgfältig gepflegt, aber ebenso auch kaum geschossen wurden. Eine abgeriebene Brünierung an der Mündung wie auch der Vorderseite der Trommel weist auf Holsterspuren hin – ein rein kosmetischer Mangel eines gebrauchten Revolvers.

Worauf ist beim Kauf eines gebrauchten Revolvers zu achten?

Revolver Smith&Wesson M 686 SSR Pro 
Der Lauf eines gebrauchten Revolvers muss blank, frei von Rost und scharfkantig gezogen sein. Zudem sind Narben an der Mündung ein Ausschlusskriterium.

Das Herz einer Waffe ist der Lauf: Er muss innen auf seiner gesamten Länge blank, frei von Rost und gleichmäßig scharfkantig gezogen wirken. Narben an der Mündung eines Revolvers sind tabu – vor allem wenn sie sich im Bereich des Feld-/Zugprofils befinden. Laufaufbauchungen stellen ebenfalls ein Ausschlusskriterium dar. Bei gutem Licht sind diese von außen oft als kleine Beulen zu erkennen. In jedem Fall ist aber ein Blick ins Innere unerlässlich: Wirkt ein Bereich des Rohres gewölbt und/oder abgeschattet, lassen potenzielle Käufer besser die Finger von der Gebrauchtwaffe.

Revolver Smith & Wesson M 617 .22 LR
Der Smith & Wesson Modell 617 im Kaliber .22 LR ist ideal für den Schießstand. Gebrauchte Exemplare des Revolvers machen Spaß und sparen bares Geld – dank des kleinen Kalibers nicht nur bei der Anschaffung.
Gebrauchte Revolver mit festem Korn neben Revolvern mit verstiftetem Korn
Gebrauchte Revolver: Bei älteren Stücken wie dem Smith & Wesson M 29-2 (links) lässt sich das Korn nicht ohne Probleme austauschen. Bei aktuelleren Sportrevolvern gehört ein verstiftestes Korn zum guten Ton.

Bei Kleinkaliber-Revolvern ist darauf zu achten, dass der Schlagbolzen infolge Trockentrainings ohne Pufferpatronen keine Kerben an den Trommelkammern hinterlassen hat – diese können die zuverlässige Zündung stören. Das Korn einer Kurzwaffe aus zweiter Hand sollte gerade im Kimmenausschnitt "stehen" und keine Beschädigungen aufweisen, die das Visierbild negativ beeinflussen. Bei gebrauchten Revolvern mit auswechselbarem Korn ist ein nachträglicher Tausch schließlich schon kostspielig genug. Und bei Modellen mit festem Korn werden eine Reparatur oder ein Wechsel nochmal erheblich teurer.


Der Abzugswiderstand spielt bei einem gebrauchten Revolver keine große Rolle: Viele alte Recken präsentieren heute einen angenehm leichten Abzug, weil irgendjemand der Vorholfeder des Triggers schon mal mit der Kneifzange zu Leibe gerückt ist. Ein hoher Auslösewiederstand lässt sich nachträglich meist viel leichter beheben als ein kratziger, reibender Abzug.

Gebrauchte Revolver: Vieles dreht sich um die Trommel

Trommel des Revolvers Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman
Bei der Bewertung des Zustands eines gebrauchten Revolvers dreht sich vieles um die Trommel. Zu sehen: Smith & Wesson M 28 Highway Patrolman.

Zum Thema Trommelspiel ist zu sagen, dass die Walze bei gespanntem Hahn auf den einzelnen Kammern nur jeweils wenig seitliches Spiel haben sollte. Zudem darf sie möglichst kein Längsspiel auf der Achse haben. Bei manchen Waffen gibt es hier jedoch gewisse technische Feinheiten: Bei vielen älteren Colt-Revolvern sollte die Trommel bei durchgezogenem und hinten gehaltenem Abzug kein Spiel aufweisen. Bei einem Revolver von Smith & Wesson oder Ruger macht es für das Trommelspiel keinen Unterschied, ob Schützen das Züngel nun durchziehen oder nicht.


Dann wäre da noch das Timing: das Zusammenspiel von Abzug, Hahn und Trommel. Im Idealfall fühlt sich das Spannen des Hahns – vor allem über den DA-Abzug – bei allen Kammern gleichmäßig und leichtgängig an. Außerdem muss die Trommel auch bei gefühlvollem Spannen bei jeder Kammer sicher arretieren – und zwar bevor der Hahn zum Auslösen nach vorne schnellt. 


Der Trommelspalt kann mit einer Fühlerlehre aus dem Baumarkt bestimmt werden. Lässt sich die 0,1-mm-Lehre nicht mehr zwischen Übergangskonus und Trommel durchschieben, dann ist der Spalt zu eng. Mehr als 0,3 mm sollte der Spalt aber auch nicht messen. Andernfalls droht hier schließlich Leistungsverlust und der gebrauchte Revolver speit übermäßig Flammen aus dem Trommelspalt.

Revolver speit übermäßig viele Flammen aus Mündung und Trommelspalt
Ist der Trommelspalt eines gebrauchten Revolvers nicht in Ordnung, droht Leistungsverlust und die Waffe speit übermäßig viele Flammen aus dem Spalt.

Fazit der Redaktion zum Kauf gebrauchter Revolver

Revolver Smith & Wesson M 686 SSR Pro mit Munition im Kaliber .357 Magnum
Der Smith & Wesson 686 SSR Pro ist als einer der robustesten Revolver am Markt bekannt. Bei gebrauchten Exemplaren in gutem Zustand können Sportschützen echte Schnäppchen ergattern.

Gerne darf es eine Gebrauchtwaffe sein – sowohl für Anfänger bzw. Einsteiger als auch ambitionierte Sportschützen. Dabei helfen Waffen aus zweiter Hand nicht nur, die Kapazität des eigenen Waffenschranks besser auszunutzen, sondern stellen eine gute Möglichkeit dar, um neue Sportdisziplinen zu erproben. Ihr großer Vorteil ist ohne jeden Zweifel der günstige Preis. Somit verwundert es kaum, dass namenhafte Händler das Potenzial des Marktes unlängst erkannt haben. Zumeist bieten sie eine bunte Auswahl an gebrauchten Waffen für den Schießsport, die Jagd und auch die Freizeit.


Aufgrund ihrer Bauweise, Langlebigkeit und Robustheit finden sich insbesondere auf der Suche nach einem Revolver oft tolle Exemplare unter den Gebrauchtwaffen. Wichtig ist es jedoch, den Zustand genauestens zu prüfen – halten Sie sich dabei an unsere Tipps. Sofern ein Revolver aus zweiter Hand die aufgezeigten Mängel nicht offenbart, steht einem Schnäppchen nichts mehr im Weg. Dann wird der Schütze lange Freude an seinem "neuen alten" Revolver haben und beim Sportschießen überdies hervorragende Ergebnisse erzielen.


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Tipps für Einsteiger ins Revolverschießen und Kauf gebrauchter : den Bericht finden Sie in der VISIER 4/2017. Die Ausgabe können Sie ganz bequem im VS Medien Online-Shop bestellen.


Hier kommen Sie zur digitalen Version der VISIER 4/2017.



Ein all4shooters-Beitrag von 


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