Test & Technik: Jagdtaschenmesser-Reihe PUMA IP cazador & la caza micarta

Früher erkannte man mitteleuropäische Blankwaffen und Jagdmesser am Griffmaterial – Hirschhorn. Das war auch lange typisch für eins der Flaggschiffe im deutschen Messerbau, der PUMA Messermanufaktur Solingen. Doch als die 3 neuen Klappmesser mit dem werksgemäßen Emblem des Silberlöwenkopfes bei uns eintrafen, da zeigte sich: Nix da Geweihmaterial. Stattdessen Griffschalen, deren Basis eine schwarze Fiber-Lage bildete, über der dann die eigentliche Schale lag. Aus Leinen-Micarta und in dem Farbton Signalorange, bei den Amerikanern bekannt als Blaze Orange.

PUMA Jagdmesser mit Micarta: Die Farbwahl...

Jäger zeigt die drei jagdlichen Klappmesser PUMA IP cazador micarta, la caza micarta I und la caza micarta III fürs Aufbrechen im Revier.
Knalliges Orange mit praktischem Nutzen. Die für PUMA ungewöhnliche Farbwahl kommt nicht von ungefähr...

... kommt nicht von ungefähr:Zum ersten heißen die Messer cazador bzw. la caza (das entspricht Jäger respektive die Jagd). Zum zweiten bezieht sich der Farbton ausdrücklich auf das Waidwerk. Denn das knallige Orange bietet hier einen besonderen praktischen Nutzen. So nehmen beispielsweise beim Schalenwild die Hirschartigen Farben und Kontraste anders wahr als der Mensch. Für dessen Auge wirkt Orange vor dem Hintergrund des Waldes (ungeachtet der Jahreszeit) im Kontrast äußerst hart. Diese Farbe fällt also auf. Mitunter so sehr, dass sich der Zweibeiner daran stört. Der Hirsch wiederum sieht zwischen dem Orange und dem Grün der Umgebung so gut wie keinen Unterschied. Man mag darüber streiten, ob der Hirsch solche zwischen Rot und Gelb liegenden Farbtöne aus dem "langwelligen Lichtbereich" nicht vom Grün unterscheiden kann oder ob er gar einen Waidmann im altvertrauten einfarbigen Grünton besser erkennen kann als jemanden in knalliger Kluft. 

Sei es, wie es ist: Orangefarbene Kleidung mit Camouflage-Mustern tarnt gemäß aktuellem Kenntnisstand so gut wie solche, deren Grundfarbe dem mittleren Grün-, Grau- oder Braun-Bereich angehört. Folglich hat sich Orange inzwischen als typisch jagdlicher Ton etabliert. Und das so, dass die Jagdzeitschriften das um Aufmerksamkeit heischende Blaze Orange auch sehr gern für die Hauptschriftzüge ihrer Titelblätter nutzen.

Die neuen Jagdtaschenmesser PUMA IP la caza micarta I, la caza micarta III und cazador micarta mit unterschiedlicher Griffdicke.
Bei allen PUMA IP Jagdmessern der Reihe cazador & la caza micarta verriegelt die Hauptklinge per Lockback-Verriegelung. Die Griffdicke variiert je nach Klingenzahl von 15,2 über 19,0 bis 22,3 mm.

Vorteile der orangen PUMA IP cazador & la caza micarta Jagdtaschenmesser!

Jäger zeigt die Vorteile und Eigenschaften der PUMA IP Jagdtaschenmesser cazador micarta, la caza micarta I und la caza micarta III.
Alex erklärt die Eigenschaften der Jagdtaschenmesser PUMA IP la caza micarta I, la caza micarta III und cazador micarta.

Bei Messern wie denjenigen der PUMA IP cazador micarta-/la caza micarta-Reihe hat das Orange noch einen Vorteil: Es verhindert, dass die Schneidwaren verloren gehen. Zwar verlagert sich das Aufbrechen des erlegten Wildes aus hygienischen Gründen zunehmend vom Wald in die heimische, entsprechend ausgerüstete Wildkammer. Aber es gibt trotzdem immer Situationen, bei denen der Teil der roten Arbeit draußen erledigt werden muss. Dann kann passieren, was auch mancher Angler und Survivalist kennt: Irgendwann muss man mal sein Messer ablegen. Weil das meistens beiläufig geschieht, womöglich bei schlechtem Licht, hebt es sich dank unauffälliger Farbgebung nicht vom Boden, vom Laub oder von irgendwelchen Baumstrünken ab. Im ungünstigsten Fall greift man beim Herumtasten – "ungefähr da muss es liegen" – in die geöffnete Klinge. Da drohen Schnittverletzungen – und von den an der Klinge inzwischen haftenden Krankheitserregern war hier noch gar nicht die Rede.

Deswegen hat der (leider viel zu früh verstorbene) Olgierd E. J. Graf Kujawski, bekannt als Jagdjournalist, Feinschmecker und Spezialist für Wildbrethygiene, vor über 20 Jahren sein bei PUMA gebautes Spezial-Jagdmesser mit je einem signalroten Fleck in den Hirschhorngriffschalen ausstatten lassen. Noch besser ist freilich das grelle Orange, mit dem sich die 3 neuen PUMA-Klappmesser präsentieren. Bei der zum IP-Zweig von PUMA gehörenden Reihe ist das wie erwähnt Micarta. Dieser Werkstoff lässt sich dank seiner glatten Oberfläche leichter sauberhalten als die für Outdoor-Messer auch gern verwendeten Gummi- und Kunststoffmaterialien mit ihren zwecks sicherem Halt oft rau ausgeführten Oberflächen.


Stichwort: Micarta

Hierbei handelt es sich um einen Materialverbund aus saugfähigem Material (etwa Leinen, auch Papier, Leinwand, Zellstoff, Holz oder gar Kohlefaser) und aus dem um 1905 von Leo Hendrik Baekeland (1863-1944) entwickelten Phenolharz. Man tränkt damit die Fasern, dann wird das gebacken und verpresst. Dies kombiniert die natürliche Faser mit einem anorganischen Kunststoff. Der US-Konzern Westinghouse Electric Corporation (heute: General Electric) stellte das Material 1911 erstmals vor und nutzte es zur elektrischen Isolierung, lange auch mit Asbest (und deshalb ab 1977 verboten). Das Kunstwort "Micarta" steht für den damals gewählten Markennamen von Westinghouse und heute von Norplex-Micarta, aber auch für den Oberbegriff aller Verbindungen von Fasern und Kunstharzen. Lange galt Micarta als "Stahl der Kunststoff-Industrie". Und dann ließ sich das gut säg-, schleif- und polierbare und dank Leinen oder Papier cremefarbene oder weiße Micarta überall einsetzen, wo man früher natürliche Materialien wie Elfenbein verwendet hatte – bei Messer- und Kurzwaffengriffen, aber auch im Möbelbau, bei Musikinstrumenten und für die als "Ferrule" bekannte Spitze von Billard-Queues. Das Material lässt sich zudem in allen erdenklichen Ein- und Mehrfach-Schattierungen färben. Anders als viele natürliche Werkstoffe verwindet es über lange Zeit hinweg nicht. Weder schrumpft es, noch dehnt es sich aus. Zudem fasst es sich in poliertem Zustand glatt und recht warm an, bietet also eine angenehme Haptik. Übrigens: Unternehmen wie Norplex-Micarta nutzen Micarta zum Bau von Shot-Blockern, also für schussfeste Schutzmaterialien.


Was macht die Messer PUMA IP la caza micarta III, cazador micarta und la caza micarta I aus?

Drei Neuheiten von PUMA IP: Oben das dreiklingige la caza micarta I, unten das einklingige la caza micarta III, rechts das zweiklingige cazador micarta. Die Hauptklinge misst jeweils 84 mm, der Messergriff je 110 mm. Das größte Modell wiegt 198, das mittlere 158, das kleinste 110 g.
Neuheiten von PUMA IP: Oben das dreiklingige la caza micarta I, unten das einklingige la caza micarta III, rechts das zweiklingige cazador micarta.

PUMA fertigt von dem so beschalten Modell 3 Ausführungen namens la caza micarta III, cazador micarta und la caza micarta I – mit einem, 2 und 3 Werkzeugen. Bei den beiden zuletzt genannten Versionen gibt es je eine Knochen- oder Astsäge mit integriertem Kapselheber, bei dem dreiklingigen Modell caza noch eine Aufbruchklinge. Alle Klingen bestehen aus Molybdän-Vanadium-Stahl im Härtebereich von 56 bis 58 HRC. Sämtliche Werkzeuge drehen sich aus einem (mit Stahlbacken verstärkten) Bereich des kanuförmigen Griffes ins Freie. In Sachen Verriegelung der Hauptklinge sind die 3 Modelle identisch: Das erfolgt über eine zweihändig zu bedienende Klingenrückenverriegelung (englisch: lockback). Knochensäge und Aufbruchklinge hingegen sind federgestützt. Sie arretieren also in offenem Zustand nicht und lassen sich somit ohne Lösen einer Verriegelung eindrücken (slip joint). Jedes Messer hat auch eine Fangriemenöse, in der ab Werk ein verknoteter Lederriemen steckt.

Unter den orangefarbenen Micarta-Schalen der PUMA IP cazador & la caza micarta Jagdtaschenmesser sieht man die schwarze Fiber-Lage.
Sämtliche Klingen sind bei den PUMA IP cazador micarta-/la caza micarta-Messern an einer Seite des Griffes befestigt und drehen somit auch zur selben Seite ins Freie.

Die Linienführung ist gelungen. Die Arbeitsklinge in klassischer Drop-Point-Form ist mit einer Länge von gut einem Finger so bemessen, wie es sich für ein Jagdmesser gehört. Die Werkzeuge der mehrklingigen Modelle lassen sich auch gut erreichen und ausklappen. Bei allen 3 überprüften Stücken rastet die Arbeitsklinge mit vertrauenserzeugendem Geräusch ein, um dann wackelfrei zu stehen. Die Verarbeitung war ordentlich. Allerdings fanden sich im Inneren der Griffe ein paar leichte Werkspuren. Auch hätte man die Kanten der Griffplatinen und die der Rückenfedern fingerkuppenschonend anfasen können. Zudem war der Gang der Klingen beim Öffnen und Schließen nicht ganz geräusch- und kratzfrei – aber das war es auch schon, zumal sich das erwähnte Anfasen mit feinem Schleifpapier nachholen lässt. Die Klingen erwiesen sich als scharf. Das zeigten diverse Schnitttests und der obligatorische Rasiertest am Unterarm. Und die auf Druck und Zug laufende Säge zertrennte zumindest bleistiftdicke Ästchen – alles so, wie es sein soll.

Technische Daten:

Modell:la caza micarta Ila caza micarta IIIcazador micarta
Marke:PUMA IPPUMA IPPUMA IP
Klingenlänge:84 mm84 mm84 mm
Klingenstärke:2,8 mm2,8 mm2,8 mm
Arretierung:back lockback lockback lock
Aufbrechklingenlänge:70 mm

Aufbrechklingenstärke:2,5 mm

Sägelänge:85 mm; 
Zahnung: 45 mm

85 mm;
Zahnung: 45 mm
Sägestärke:2,3 mm
2,3 mm
Gesamtlänge geschlossen:110 mm110 mm110 mm
Gewicht:199 g114 g158 g
Beschalung:MicartaMicartaMicarta
Backen:EdelstahlEdelstahlEdelstahl

Die Preise der PUMA IP cazador & la caza micarta Gebrauchsmesser:

Fazit zu den PUMA IP cazador & la caza micarta Jagdmessern

Alles in allem stellt PUMA mit diesem Trio sauber gearbeitete Gebrauchsklappmesser vor, bei denen das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Zudem sehen die Jagdtaschenmesser der Reihe cazador & la caza micarta so ganz anders aus, als man das bislang von einem der Messer aus dem Reich des silbernen Löwen kennt. Damit dürfte der Hersteller in der Jägerschaft sicherlich für Aufsehen und Begeisterung sorgen. Und eines kennt man von PUMA Messern ja sowieso: Sie sind scharf, scharf und nochmal scharf!

Jäger testet die Schärfe der jagdlichen Gebrauchsmesser PUMA IP cazador & la caza micarta.
Scharf, scharf und nochmal scharf – PUMA Jagdmesser eben!

Wie entstehen eigentlich die legendären PUMA Messer? Wir zeigenen Ihnen die Jagdmesserfertigung bei der Solinger Messermanufaktur.

PUMA IP la caza stag I: Das robuste Jagdtaschenmesser im User-Test.


Ein all4shooters-Beitrag von