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Revolver Taurus

Die Kaliber .40 S & W und .380 ACP sind eigentlich etwas für Pistolen — Taurus richtete zwei neue Revolver dafür ein. VISIER-Autor Walt Rauch trommelte seine Testerfreunde für eine

Praxisprobe zusammen. Hier das Ergebnis.

Walt Rauch
Revolver für Pistolenpatronen gibt es seit dem I. Weltkrieg, als Smith & Wesson und Colt aus logistischen Gründen Trommelkurzwaffen in .45 ACP schufen. Seitdem wurde das Prinzip öfter aufgegriffen. Abgesehen von halbwegs erfolgreichen Modellen wie dem S & W M 625 in .45 ACP blieben diese Waffen aber oft nur eine Verlegenheitslösung.
Ihr Hauptproblem: Man muss verhindern, dass die randlosen Pistolenpatronen durch die Trommel rutschen. Hersteller wie Korth oder S & W (etwa beim heute von US-Sammlern gesuchten Modell 940 Centennia) ersannen clevere Trommelmechanismen, um diese Patronenhülsen in den Kammern zu fixieren. Aber das blieben technische Skurrilitäten. 
Dabei gab es früh eine Lösung: die als Moon-/Halfmoon-Clips bekannten, mond- respektive halbmondförmigen Federblechringe – Taurus nennt seine Variante „stellar clips“, also sternförmig. Bei den frühen Versionen saßen die Patronen innen im Clip, bei denjenigen der Unterkategorie Stellar außen. 
Diese Moon-Clips fassen an ihren Außenseiten jeweils fünf Patronen vom Kaliber .40 S & W (l.) und .380 ACP (r.)
Aber das Prinzip bleibt gleich: Die Clips nehmen die Patronen auf und klemmen sie über deren eingezogenen Boden fest. Somit ersetzt der Blechring in der Trommel den fehlenden überstehenden Hülsenrand. Das Verfahren findet sich bei den zwei Neuheiten wieder, mit denen die Firma Taurus den Taschenrevolver quasi auf Mondfahrt schickt. Unter anderem – denn Taurus ließ sich noch etwas einfallen.
Vielleicht hat das Werk wie schon bei seiner derzeit erfolgreichen Modellreihe Judge erneut den richtigen, Trend-settenden Riecher. Denn für das Prinzip „Pistolenpatronen aus Revolvern“ spricht einiges: Die alte .380 ACP erlebt gerade in den USA ein Revival. Da lag es nahe, auch mal einen Revolver drumherum zu bauen.
Weil die .380 ACP mit einer Hülsenlänge von 17,2 mm deutlich kürzer ist als die .38 Special (Nominalmaß Hülse: 29,3 mm), konnte man auch zugunsten der Führigkeit die Maße der Waffe reduzieren, ohne sie im Feuer unbeherrschbar werden zu lassen: Somit leistet Taurus mit dem M 380 Pionierarbeit.
Taurus Mini-Revolver M 380
Taurus M 405

Auch für den zweiten Prüfling, den M 405 in .40 S & W, gibt es triftige Gründe, so VISIER-Autor Walter Rauch: Schon aus Preisgründen ist .40 S & W sinnvoll, denn die Munition kostet weniger als Revolver-Munitionssorten, deren Kaliberangabe mit der Zahl „4“ beginnt und ähnlichen noch stärkeren Kalibern. Die letztgenannten Sorten sind – falls auf maximale Leistung ausgelegt – zur Selbstverteidigung auch schwieriger zu schießen. Zudem findet man einfacher günstige Angebote für Munition in .40 S & W als etwa für mittelhart geladene Patronen im Kaliber .41 oder .44 Magnum oder .45 Colt.

Dann verweist Rauch auf das Ladetempo: Vielerorts sei getrennte Aufbewahrung von Waffe und Munition Pflicht. Stecken Patronen aber in den Clips, lassen sie sich wie ein Pistolenmagazin mit einer Bewegung verladen. Denn Revolverpatronen muss man hingegen einzeln einschieben oder sie in einem Speedloader aufbewahren, wobei das Gerät aber dauernd unter starker Federspannung steht. Den schnellen Nachschub per Clip mögen die zwei neuen Fünfschüsser mit den Schwenktrommeln auch. Wer will, kann die zwei Stiere auch einzeln füttern – innen in den Kammern sorgt ein Auflager dafür, dass die Patronen da bleiben, wo sie bleiben sollen.


Die Kleinen unterscheiden sich mehrfach ... 
Wie die Laufstummel von 1 3/4 und 2 Zoll verraten, handelt es sich bei dem Duo um Taschenrevolver zu Fangschuss- und Selbstverteidungszwecken. Ansonsten weichen beide in einigen Details voneinander ab – hier der Überblick:
  • Abzugsart: Beim M 405 als Hybridkonstruktion mit Single- und Double Action (Hahnspanner und Spannabzug). Beim M 380 nur mit Spannabzug; der Hahnsporn wurde zusammen mit der SA-Rast entfernt. Den Hahn selbst passte das Werk in Kontur und Finish den geschwungenen Linien des oberen Rahmenendes an. Dadurch wird der Revolver im Ganzen kleiner. Außerdem kann der Hahnsporn beim Ziehen nirgends hängenbleiben.
  • Material: Der M 405 besteht aus Stainless Steel, der M 380 aus grau getöntem Stahl (andere Finishes sind angekündigt).
  • Rahmengröße: Der M 380 kommt mit der für Taschenwaffen entwickelten Größe „small“ (klein). Verglichen mit Revolvern in .38 Special wirkt dieses Model wie rundum geschrumpft. Beim M 405 hingegen gibt es einen „medium frame“ (= mittelgroß). Dieses Modell hat also den Rahmen, der normalerweise bei 357er Revolvern mit Lauflängen von vier und sechs Zoll üblich ist. Rauch: „Solche Waffen wurden für diejenigen, die ihren Revolver noch verdeckt tragen, aber gleichzeitig nicht auf ein großes Kaliber verzichten wollten, sehr schnell auf zwei Zoll verkürzt. Zu der Zeit funktionierten Halb-Autos (Pistolen) mit gleicher Verteidigungswirkung nur dann zuverlässig, wenn man nur Vollmantelrundkopf-Geschosse verwendete. Der Zwei-Zoll-Lauf bei einem großen Revolver ist die logische Folge aus dem bereits oben beschriebenen Wunsch nach einem ‘richtigen‘ Revolver, der aber gleichzeitig gut verdeckt zu tragen sein sollte. In der US-Geschichte der Kurzwaffen wird von vielen Gesetzeshütern und Banditen berichtet, die sich eigene großkalibrige ‘Snubbies’ zurechtgebastelt haben.“ 
    Diese Unterschiede haben selbstverständlich Folgen fürs
  • Gewicht: Der Mini-Revolver M 380 wiegt 439 Gramm, der M 405 dagegen 822 Gramm.
  • Griff: Beim M 405 einer des Typs Ribber, also aus Elastomer mit 45 waagerecht umlaufenden Lamellen. Beim M 380 Elastomer mit genoppter Struktur und Fingerrillen. 
    Rauch: „Eine Anmerkung. Der Kreuzstift, der dazu dient, dass der Griff nicht verrutschen kann, sitzt anders als bei einem S & W nicht mittig unten im Rahmen. Will man einen anderen Griff montieren, kann ein S & W-Griff ansonsten zwar passen, muss aber in diesem Punkt nach(um)gearbeitet werden – oder man montiert gleich einen Taurus-Griff.“
  • Visierung: Der M 405 trägt die für Taschenrevolver übliche starre Visierrinne und ein geriffeltes Rampenkorn. Der M 380 hingegen hat eine oben in der Rahmenbrücke eingesetzte verstellbare Kimme. Rauch: „Die Kimme besteht aus einem glatten, flachen schwarzen Metallblatt, das passgenau in einem Schlitz oben auf der Brücke sitzt. Sie kann durch eine kleine Schlitzschraube rechts oben am Rahmen seitenverstellt werden. Das Einstellen ist ganz einfach, vorausgesetzt, man hat einen sehr kleinen Schraubenzieher.“
Die Kimme des M 380 lässt sich seitlich driften. Die Einstellung der Visierung erfolgt über ein Schräubchen.
Der M 405 hat ein geriffeltes Rampenkorn und eine starre Rechteckkimme am Ende der oben eingekerbten Brücke.
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